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Champions League : Die Nacht des europäischen Diamanten-Schleifers

  • -Aktualisiert am

Porto feiert den Pott Bild: dpa/dpaweb

Cool, abgeklärt, leidenschaftslos, professionell hängte Porto in der Schalke-Arena Monaco 3:0 ab. Der Macher dieser Meisterleistung, Jose Mourinho, darf zur Belohnung bald den FC Chelsea trainieren.

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          Jose Mourinho stemmte das gute Stück nur einmal kurz in die Schalker Revierluft und offenbarte dabei keinerlei Hochgefühle. Die Jubelfeiern mit Pott im Pott überließ der Trainer des FC Porto in seiner Gefühlsmelange zwischen Siegerglück und Abschiedsschmerz an diesem Mittwochabend gern und ausschließlich seinen Spielern.

          Die hatten schließlich, wenn auch mit freundlicher Unterstützung ihres smarten Fußball-Lehrers, entscheidend dazu beigetragen, daß der portugiesische Meister nun auch Europas Vereinsmeister und damit Champion der Champions League ist. Cool, abgeklärt, leidenschaftslos, professionell hängte Porto in der Schalke-Arena AS Monaco 3:0 ab. Der erst 19 Jahre alte Brasilianer Carlos Alberto (39. Minute), der in Portugal eingebürgerte brasilianische Spielmacher Deco (71.) und der erfahrene Russe Alejnitschew (75.) demonstrierten mit ihren drei Toren Fußball der effektivsten Art.

          Operation geglückt - und ab zu neuen Ufern

          Porto nutzte seine drei Chancen, Monaco hatte bis auf einen frühen Moment, in dem der danach verletzte Giuly an Torwart Baia scheiterte, nicht einmal die Gelegenheit, die portugiesische Abwehr zu ärgern. Und so sah ein Teil der 53.000 Zuschauer in der Arena emotionslos dabei zu, wie ein von Mourinho betonsicher gefestigtes Kollektiv verunsicherten Einzelgängern aus dem Fürstentum geschlossen den Nerv zog.

          Operation Champions League geglückt - und ab zu neuen Ufern: Jose Mourinho

          Operation Champions League geglückt - und ab zu neuen Ufern. Was nämlich anschließend beredet und verhandelt wurde, erinnerte eher an eine Verkaufsmesse mit zwei chromblitzenden Schlagern der Saison denn an eine ausgelassene Fußballparty. Markenartikel Mourinho, der zur Zeit begehrteste Trainer des Kontinents, zeigte umstandslos, daß er auf dem Sprung zu einem Mammon-Unternehmen, also zum FC Chelsea, ist; der ähnlich umworbene Ballkünstler Deco hielt sich, weil noch nicht so ausgebufft im Vermarkten der eigenen Person, erst einmal bedeckt. Ob er nun Deutsch lernen wolle und zum FC Bayern München gehe, wurde er gefragt. Da aber spielte Deco nicht mit, zumal auch noch andere Klubs mitbieten: "Ich möchte nicht über etwas sprechen, was im Moment gar nicht sicher ist. Ich weiß nicht, was geschehen wird."

          Geschäftsmann Mourinho kündigt seinen Wechsel an

          Weiß nicht, rede nicht, spekuliere nicht, das ist nicht die Rolle, in der sich Mourinho gefiele. Mit der Akkuratesse, in der er seine fehlerfreie Abwehr organisiert hat, mit der Raffinesse, zu der er Deco und seine Mittelfeldkumpane angeleitet hat, und mit der Kaltschnäuzigkeit, die er seinen Spitzen eingeschärft hat, spielte Meistermacher Mourinho sein Stück. "Ganz ehrlich", sagte der Beau mit den ersten Silberstreifen im dunklen Haar, "ich würde Porto gern verlassen." Damit kündigte der Geschäftsmann Mourinho seinen Wechsel an, zumal er später noch nachlegte: "Ich werde mit Chelsea sprechen und weiß, daß mein Agent einige Dinge in seiner Tasche hat. Das Land, in dem ich gern arbeiten möchte, ist England." Stadt, Land, Fluß mit Jose Mourinho, das war ein Teil des rätselhaften Nachspiels vom Mittwoch, aus dem sich die Monegassen mangels vorzeigenswerter Leistungen vollends verabschiedet hatten.

          Der Trainerstar Mourinho, der nicht mehr aus der Porto-Kasse zu bezahlen ist, tat andererseits aber auch so, als hätten ihn die Glücksgefühle derart übermannt, daß er über seine Zukunft kein Wort mehr verlieren mochte. Zum Glück traf Mourinho noch am selben Abend Peter Kenyon, den Vorstandsvorsitzenden des FC Chelsea, um sich aus dem Zwiespalt, mal im Hochgefühl, mal verstandeskühl, zu befreien.

          "Ich möchte besser und besser werden"

          Der Chefanalyst der Portuenser Erfolgsgeschichte hatte ja schon während des Spiels bewiesen, wie kalt er seine Ratio zugunsten seines Teams zu nutzen verstand. Während Mourinhos Kollege Didier Deschamps fast so hilflos wie seine Mannschaft argumentierte und darüber redete, wie "schwierig es mit diesem Gegner war", lieferte der Portugiese die Antworten auf das Warum. "Das erste Tor hat das Gleichgewicht des Spiels zerstört", konstatierte Mourinho; "als Giuly (verletzt an den Adduktoren) gehen mußte, machte das den Riesenunterschied aus"; "in der zweiten Halbzeit hatten wir den Platz, unsere Art des (Konter-)Spiels durchzusetzen".

          Und das in der von Mourinho für unerläßlich gehaltenen "Diamant-Formation". Was in Deutschland Raute heißt, glänzt in Porto um so mehr, da der Edelsteinschleifer Mourinho dem neuen Champion in einem Jahr des Stromausfalls bei Real Madrid, dem AC Mailand, Bayern München und Manchester United, ebenjenes Selbstbewußtsein methodisch injizierte, das er selber hat. Mourinho weiß, daß sein weiterer Fortschritt an Bedingungen geknüpft ist, die auch mit noch soviel Geld vom FC Chelsea nicht zu bezahlen ist: "Ich möchte besser und besser werden", lautet sein ehrgeiziger Vorsatz, "ich möchte als Trainer weiter wachsen." Die Grenzen seines Wachstums sind momentan nicht in Sicht, eher die des FC Porto ohne seinen Startrainer.

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