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Champions League : Die Bayern setzen ein Siegeszeichen an Europa

  • -Aktualisiert am

Oliver Kahn, im Rausch des Sieges Bild: REUTERS

Nach dem dritten Sieg im dritten Gruppenspiel sieht sich der deutsche Rekordmeister wieder auf Augenhöhe mit Europas Spitze. Selbst der Titelgewinn im wichtigsten europäischen Vereinswettbewerb scheint für die Münchner keine Utopie mehr.

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          Karl-Heinz Rummenigge mußte sich zwar erst noch einmal die Nase putzen, ehe er zur großen Analyse des eben erlebten 2:1-Sieges seines FC Bayern München über Juventus Turin anhob, doch es war dem Vorstandsvorsitzenden des deutschen Fußballmeisters anzusehen, daß er sich schon sichtlich besser fühlte. Den Mann hat, wie so viele derzeit, eine kleine Grippe erwischt. Spiele wie jenes am Dienstag abend sind da eine durchaus taugliche Medizin. „Das war unser bester Auftritt in der Champions League seit dem Finale 2001“, lobte Rummenigge seine Bayern, „wir haben Juve siebzig Minuten total dominiert und gezeigt, daß wir eine Klassemannschaft sind - nicht nur national, sondern auch international.“

          Der FC Bayern hat lange auf so einen Moment warten müssen. Abgesehen von einem Sieg in der vergangenen Saison über den FC Arsenal gelang dem deutschen Rekordmeister schon lange kein rauschender Erfolg mehr über eines von Europas wirklich großen Teams. Rummenigge wertete das 2:1 nun als „Zeichen für uns selbst: Wir können in Europa eine Rolle spielen.“

          Ambitionierten Ziele

          Noch ist es natürlich zu früh, um gehaltvolle Prognosen für den weiteren Verlauf der Champions League in dieser Spielzeit aufzustellen, doch scheint so viel sicher: Falls die Münchner ihre Form aus dem Duell mit Juve auch nur annähernd konservieren, könnten sie in der Lage sein, ihre ambitionierten Ziele zu erreichen. „Wir wollen den Cup gewinnen“, kündigte Trainer Felix Magath unmißverständlich an. Die Art und Weise, wie er den Triumph kommentierte, zeigte, wie überzeugt Magath von einer erfolgreichen Saison der Bayern in Europas Eliteliga ist. Die frühe Begeisterung von Rummenigge wollte der Trainer indes nicht teilen. „Ich falle jetzt nicht in Ohnmacht wegen des Sieges. Für mich war das selbstverständlich.“

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          Magath ist erkennbar bemüht, dem FC Bayern wieder das Selbstbewußtsein vergangener Tage einzutrichtern. „Wir brauchen uns doch nicht groß feiern lassen, nur weil wir gegen eine gleichwertige Mannschaft gewonnen haben“, hob er am späten Dienstagabend beiläufig hervor. Noch immer wundert sich der Trainer über die Skepsis, die seine Mannschaft bei Auftritten in Europa begleitet: „Ich habe immer gesagt: Wir sind soweit, die Champions League zu gewinnen. Das waren wir auch schon letzte Saison, da hatten wir gegen Chelsea Pech. Wir können jedes Team schlagen.“

          Gradmesser

          Die Münchner hatten den Vergleich mit dem italienischen Rekordmeister schon vor der Begegnung mit den Bianconeri zum Gradmesser dafür erklärt, ob sie sich seit den beiden 0:1-Niederlagen gegen Juve in der vergangenen Vorrunde weiter voranentwickelt hätten. Das scheint eindeutig der Fall zu sein. Jedem ist inzwischen bewußt, daß der aus Bremen verpflichtete Innenverteidiger Valerien Ismael ein größeres Kaliber als sein zu Juventus gewechselter Vorgänger Robert Kovac ist. Der Franzose ließ Seite an Seite mit dem brasilianischen Weltmeister Lucio dem vielgepriesenen Turiner Sturm keine Entfaltungsmöglichkeiten - sieht man von Ibrahimovics Treffer zum 2:1 in letzter Minute ab.

          Im Münchner Mittelfeld ist Martin Demichelis dabei, Erinnerungen an den jungen Jens Jeremies zu wecken. Mit Jeremies holten die Bayern 2001 die Champions League, der Argentinier interpretiert die Rolle vor der Abwehr noch deutlich eleganter als der Routinier. „Er spielt nicht nur mit, er setzt auch Akzente“, lobte Magath den am Dienstag überragenden Spieler und Torschützen zum 2:0 (39. Minute), „er hat eine feine Entwicklung hinter sich.“ Neben Demichelis gehört Sebastian Deisler - er schoß das 1:0 (32.) - derzeit zu den herausstechenden Erscheinungen eines funktionierenden Ensembles. „Er entwickelt sich eindeutig nach vorne“, sagte Magath, „er ist stabiler geworden, sein Tor gegen Juve sollte ihm Selbstvertrauen geben.“ Rummenigge glaubt, erkannt zu haben, daß der Nationalspieler „langsam seine Ruhe wiederfindet, er war ja oft überbemüht, aber jetzt legt sich die Hektik langsam bei ihm“. Deisler bestätigte Rummenigges Eindruck. „Solche Spiele brauche ich.“

          Sorgenkind Makaay

          So bleiben der nach seiner Verletzungspause noch seine Form suchende Michael Ballack sowie der derzeit verhinderte Torjäger Roy Makaay die einzigen Sorgenkinder, doch bei Ballack lehrt die Erfahrung, daß er ein paar Spiele braucht, um wieder Spiele entscheiden zu können. Und Makaay verabschiedete sich zufrieden mit sich in die Münchner Nacht: „Ich habe gut gespielt, die Tore kommen automatisch wieder. Mein Selbstvertrauen ist wieder da.“ Mit dem FC Bayern müsse man dieses Jahr rechnen, richtete der Niederländer der Konkurrenz aus, „jeder in Europa hat gesehen, daß Juve, das bisher ohne Niederlage ist, gegen uns keine Chance hatte“.

          Das alles ist für Magath kein Grund, sich zufrieden zurückzulehnen: „Es gibt noch einiges zu verbessern. Es stört mich, daß wir nur 2:1 gewonnen haben, keine Frage.“ Das Selbstbewußtsein des FC Bayern war stets ausgeprägter als bei vielen anderen Klubs. Seit Dienstag nacht hat es noch einmal einen gehörigen Schub bekommen.

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