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Champions League : Der Retter von Sir Alex - ein etwas anderer Holländer

Karriere auf Umwegen: Ruud Van Nistelrooy Bild: AP

Neunzig Millionen Euro Transfer-Investitionen, aber keinen Titel: Die beiden Spielzeiten, seit Alex Ferguson seinen geplanten Ruhestand wieder rückgängig machte, taugen nicht gerade als Argument für eine Verlängerung der Lebensarbeitszeit. Hätte die Trainer-Ikone von Manchester United nicht wenigstens einen großen Transfertreffer erwischt, er hätte wohl noch seinen guten Ruf riskiert. Doch die 74 Tore in 97 Spielen von Ruud van Nistelrooy sind wie ein Schutzschild gegen jede Kritik am Sachverstand von Sir Alex.

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          Neunzig Millionen Euro Transfer-Investitionen, aber keinen Titel: Die beiden Spielzeiten, seit Alex Ferguson seinen geplanten Ruhestand wieder rückgängig machte, taugen nicht gerade als Argument für eine Verlängerung der Lebensarbeitszeit. Hätte die Trainer-Ikone des früheren Gewohnheitsmeisters Manchester United neben dem Luxuskicker Juan Veron, dem Chancentod Diego Forlan und dem 46-Millionen-Euro-Ausputzer Rio Ferdinand nicht wenigstens einen großen Transfertreffer erwischt, er hätte wohl auf die späten Tage noch seinen guten Ruf riskiert. Doch die 74 Tore in 97 Spielen von Ruud van Nistelrooy sind wie ein Schutzschild gegen jede grundsätzliche Kritik am international inzwischen wohl etwas verstaubten Sachverstand von Sir Alex.

          Christian Eichler
          Sportkorrespondent in München.

          Ferguson kann sich glücklich schätzen, daß er 2001 das Angebot für den schon ein Jahr zuvor beinahe verpflichteten, dann aber schwer am Knie verletzten Niederländer wiederholte. Die dreißig Millionen Euro, die man dem PSV Eindhoven zahlte, haben sich trefflich rentiert. In diesem Frühjahr legte der reichste englische Klub noch einmal mehr als das drauf, um van Nistelrooy langfristig zu binden. Für einen neuen Vertrag hob man den Stürmer in die Gehaltsklasse von Kapitän Roy Keane und Showstar David Beckham und garantierte ihm für die kommenden fünf Spielzeiten jeweils zwischen sieben und acht Millionen Euro. Van Nistelrooy gilt als intelligent, bescheiden, fleißig, ohne Allüren. Privat ist er häuslich, beruflich aber ständig in Bewegung, und vor allem schießt er Tore. So einen, der keine Probleme macht, sondern löst, will jeder.

          Für eine spielerisch von Real Madrid im Viertelfinalhinspiel vor zwei Wochen überforderte Mannschaft ist van Nistelrooy eine Art letzter Hoffnung. Sein Kopfball zum 1:3 hauchte Fergusons Elf noch einmal Lebensgeist ein für das Rückspiel. Am Ostermontag war ihm in einer Notoperation der entzündendete Blinddarm entfernt worden.

          Neun Tore in den letzten sechs Spielen bezeugen unterdessen van Nistelrooys Gefährlichkeit. Noch imposanter ist die Saisonstatistik der Champions League. Für seine elf Tore in nur acht Spielen benötigte er nur 25 Schüsse, von denen nur fünf das Tor verfehlten - eine schier unglaubliche Zielsicherheit, die um Längen vor allen anderen Topstürmern Europas liegt. Diese Effektivität zeigt sich auch in der kühlen Dynamik, mit der van Nistelrooy seine Elfmeter verwandelt. Nachdem er seinen ersten für Manchester verschossen hatte, hat der 26jährige Niederländer 16 Elfmeter in Folge verwandelt, fast alle wuchtig halbhoch in die linke Ecke. Nahezu alle Torhüter wissen das inzwischen, trotzdem kommt keiner hin: "Ich könnte auch in die andere Ecke schießen. Aber meistens will ich nicht."

          Nicht nur vom Elfmeterpunkt ist van Nistelrooy, der anders als alle anderen großen Oranje-Kicker aus dem katholischen Süden der Niederlande stammt, ein ziemlich untypischer holländischer Fußballer. In seiner Heimatprovinz Brabant seien die Menschen "freundlicher und weniger arrogant als im Norden", urteilt Simon Kuper, einer der besten Kenner des niederländischen Fußballs, und skizziert einen Kulturunterschied auch in der sportlichen Tradition. "Der holländische Süden produziert keine Fußballer, nur Radfahrer." Van Nistelrooy machte Karriere auf Umwegen, nicht über die Schule der Fußball-Exzellenz von Ajax. Hätten die Niederländer seine Treffsicherheit schon bei der WM 1998 gekannt, als er noch ein Provinztalent in Heerenveen war, während der am selben Tage geborene Patrick Kluivert schon als Weltstar galt, oder bei der EM 2000, als er verletzt war, es hätten große Dinge passieren können - beide Male scheiterten die Holländer erst in Schönheit und dann im Elfmeterschießen. Die WM 2002 vermasselten sie schon in der Qualifikation, so bleibt van Nistelrooy nur die Bühne der Champions League. Die hat er mit 21 Toren in 22 Spielen für Manchester eindrucksvoll genutzt.

          Nach jedem Training übt er noch ein paar Elfmeter. Sie gehören zu seiner Definition des kompletten Angreifers, gemäß seinem großen Vorbild Marco van Basten, mit dem ihn der frühere Bondscoach Michels längst vergleicht. Anders als etwa Ronaldo oder Henry, die nicht richtig köpfen können, macht er alle Arten von Toren: mit links, mit rechts, per Kopf, aus dem Gewühl oder mit Gefühl. Der mentale Krampf mancher Kollegen, daß ein Tor auch noch schön sein muß, ist ihm fremd. Und ganz nebenbei beweist van Nistelrooy vom Punkt, daß der statistisch ohnehin widerlegte Spruch, wonach der Gefoulte nie selber schießen solle, für ihn schon gar nicht gilt. Bei fünf der neun Elfmeter, die er diese Saison verwandelte, war er selbst gefoult worden.

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