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Champions League : Bremer Blamage gegen Debütant Famagusta

  • -Aktualisiert am

Gespenstisch: für Per Mertesacker und die Bremer war es wohl noch nie so leicht, den Champions-League-Auftakt zu gewinnen - die Gelegenheit wurde vergeben Bild: AP

Werder Bremen ist mit einem enttäuschenden 0:0 gegen Anorthosis Famagusta in die internationale Saison gestartet und verpatzte damit zum fünften Mal in Folge den Auftakt in der Champions League.

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          Nur zu gern wäre Werder Bremen bei der fünften Champions League-Teilnahme zum ersten Mal als Sieger des Auftaktspieles vom Platz gegangen. Es hat ja schon Tradition, dass Werder den Start in die kontinentale Königsklasse verpatzt und dann hinterherlaufen muss. Dabei blieb es bis auf weiteres auch in der Spielzeit 2008/2009: Mehr als ein enttäuschendes 0:0 gelang Werder nicht am Dienstagabend gegen den zyprischen Meister Anorthosis Famagusta.

          Der sehr defensiv eingestellte Gegner machte Bremen das Leben schwer und gab seine defensive Grundordnung kaum einmal auf. Bremen war an Ideenlosigkeit nicht zu überbieten: breitwandig angelegte Angriffe gaben Famagusta alle Zeit, die Abwehrwand aufzubauen. Weil Werder sich bei den Angriffen mit allen Spielern in Gegners Hälfte befand, gab es sogar die Gefahr einer Niederlage, hätten die Zyprer besser gekontert. Meist aber versuchten sie es erst gar nicht.

          Famagusta mit ultradefensiver Aufstellung

          Die beste Chance für Werder vergab Hugo Almeida in der 79. Minute, als er den Ball in den Lauf bekam, dann aber unbedrängt drei Meter vorbei schoss. Auch Sanogo zog sich durch einige stümperhafte Aktionen den Zorn des Publikums zu. So gab es Pfiffe nach Werders Premiere in der Champions League 2008. Werder-Sportdirektor Klaus Allofs kommentierte die Partie scharf: „Uns fehlte der Biss, das war viel zu wenig. Wenn wir nicht besser spielen, brauchen wir gar nicht zu rechnen beginnen, wie wir weiterkommen können.“

          Diego bemühte sich um überraschende Spielzüge, doch mit fortdauernder Spielzeit gingen auch dem Brasilianer die Ideen aus
          Diego bemühte sich um überraschende Spielzüge, doch mit fortdauernder Spielzeit gingen auch dem Brasilianer die Ideen aus : Bild: AP

          Famagusta sei kein kleines Team, das sich hinten reinstelle und bloß hoffe, irgendwie ohne Gegentor davonzukommen, hatte Allofs schon vor dem Spiel gesagt. Vor allem deswegen, um die Öffentlichkeit davon zu überzeugen, dass es kein einfaches Spiel für Werder werden würde. Denn Anorthosis Famagusta, das klingt ja nicht gerade nach großer Fußballwelt.

          Auch solch ein Gegner will ja geschlagen werden

          Klein oder groß - die Zyprer taten zumindest das, was man insgeheim wohl doch von ihnen erwartet hatte. Mit ultradefensiver Aufstellung begegneten sie den Bremern zum Auftakt von Werders fünfter Champions-League-Teilnahme hintereinander. Für Famagusta war es die Premiere auf höchstem europäischen Parkett in diesem Spiel der Gruppe B. Und auch solch ein Gegner will ja geschlagen werden.

          Schon nach zehn Minuten fühlte man sich im empfindlich kühlen Weserstadion an das Bremer Geduldsspiel gegen Energie Cottbus in der Bundesliga am Samstag erinnert. Vorn stand für die Zyprer nur der Pole Lukasz Sosin. Hinten, zum Teil nur zehn Meter vor dem Strafraum, warteten dann meist sieben Spieler des Meisters von der Mittelmeerinsel. Werder Bremen war von Trainer Thomas Schaaf offensiv ein- und aufgestellt, doch die Ideenlosigkeit wurde mit dem Ticken der Uhr immer frappierender.

          Viele Abspielfehler und Unkonzentriertheiten

          Womöglich wäre ein früher Treffer die Lösung gegen diesen nicht einmal bei Kontern vernünftig aufrückenden Gegner gewesen. Doch Werder vergab ein paar gute Chancen: Pizarro lenkte den Ball in der 16. Minute knapp am Tor vorbei, köpfte acht Minuten später in die Arme des unsicheren Torwarts Arian Beqai und schlug in der 45. Minute nach einer langen Flanke von Boenisch ein Luftloch.

          „Wir hatten fünf oder sechs große Gelegenheiten und haben diese nicht genutzt. Gegen einen solchen Gegner muss man energischer spielen. Da gibt es nur eine Devise: richtig hingehen, richtig marschieren, richtig draufgehen. Die Möglichkeiten waren gegeben, aber man muss eben richtig nachsetzen“, sagte Trainer Schaaf nach dem Spiel - auch ihm war aufgefallen, dass viele Abspielfehler und Unkonzentriertheiten den gewohnten Bremer Spielfluss verhinderten.

          Diego verzettelte sich einige Male, und auch dem aktiven Mesut Özil fehlten die ganz großen Momente. Zudem hatte Werder sogar ein bisschen Glück, dass es nicht mit einem Rückstand in die Pause ging: bei der einzigen ordentlichen Offensivaktion der Gäste hätte der Portugiese Paulo Costa beinahe das 1:0 für Famagusta erzielt (8.). Mit links schoss er übers Tor.

          Es war kein Spiel der Stürmer

          Nach der Pause erschreckte Famagusta die Bremer zunächst mit einer großen Möglichkeit, als der eingetauschte Hawar Taher an Tim Wiese im Bremer Tor vergab. Für den Moment wagte sich der Gegner nach vorn und wich etwas von seiner vorsichtigen Grundhaltung ab. Doch bald hatte Werder das Spiel wieder im Griff - allerdings nicht mehr Ideen oder Inspiration als zuvor.

          Die 35.000 Zuschauer im Weserstadion sahen ein ganz schwaches Bremer Heimspiel. Es wurde auch nicht viel besser, als Schaaf seinen ersten Sturm austauschte und für Pizarro und Rosenberg Hugo Almeida und Boubacar Sanogo brachte. Beide bekamen ihre Chancen, doch es war kein Spiel der Stürmer, dieses lahme 0:0.

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