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Champions League : Bayern verspielen 2:0-Führung beim AS Rom

Borriellos 1:2 brachte Rom zurück ins Spiel Bild: AFP

Für den FC Bayern läuft in Rom alles nach Plan. Nach zwei Gomez-Treffern verlieren die Münchner jedoch den Faden und brechen ein. Zwei Gegentore innerhalb von 180 Sekunden besiegeln die Bayern-Pleite. Und doch gibt's was zu feiern.

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          Den Sieg verschenkt, den vorzeitigen Gruppensieg in der Champions League aber geschafft: Der FC Bayern kehrt einerseits mit leeren Händen aus Rom zurück, wo er ein überlegen geführtes Spiel völlig unerklärlich aus der Hand gab und nach 2:0-Pausenführung 2:3 verlor. Doch in der Gruppe E ist er nicht mehr von Platz eins zu verdrängen.

          Christian Eichler

          Sportkorrespondent in München.

          Im mit etwa 43.000 Zuschauern nur spärlich besetzen Olympiastadion von Rom erzielte Mario Gomez in der 33. und 39. Minute seine Treffer Nummer 13 und 14 in den letzten zehn Partien. Der Anschlusstreffer durch Marco Borriello (49.) ließ die lange schläfrigen Römer munter werden, so dass Daniele de Rossi der verdiente Ausgleich gelang (80.). Der eingewechselte Altstar Francesco Totti erzielte per Foulelfmeter noch den unerwarteten Siegtreffer (83.).

          Dabei wäre ein Sieg bitter nötig gewesen, um dem Meister wieder etwas Ruhe zurückzubringen. Denn nur wenige Stunden vor Anpfiff war abermals neuer Zündstoff in das zuletzt gereizte Binnenklima des FC Bayern gekommen. In einem TV-Interview, das vor dem Spiel öffentlich wurde, wehrte sich Franck Ribéry gegen die Kritik von Trainer Louis van Gaal, der dem Franzosen im Testspiel gegen Unterhaching am Mittwoch mangelnde Motivation vorgeworfen hatte.

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          Van Gaal: „Liebe auf den ersten Blick“

          „Ich gebe mein Bestes, tue alles, um wieder fit zu sein“, sagte der Franzose. „Aber wenn der Trainer immer schlecht über einen redet, wenn er einen immer wieder runterzieht, dann wird es schwierig. Weil ich ja seine Hilfe, sein Vertrauen benötige.“ Er sei „sehr enttäuscht, das in der Presse zu sehen und so davon zu erfahren. Ich hätte es besser gefunden, dass er es mir direkt sagt.“

          Der frühere Superstar der Bayern, der seit fast anderthalb Jahren seiner alten Form hinterherläuft, forderte längere Einsatzzeiten: „Wenn ich nur 25 oder 30 Minuten spiele, werde ich so nie mein altes Niveau zu 100 Prozent wieder erreichen. Ich muss 90 Minuten spielen.“ Immerhin sprachen van Gaal und Ribéry vor der Partie. Das Fazit des niederländischen Trainers: „Heute haben wir miteinander gesprochen, und es war Liebe auf den ersten Blick.“

          Ribéry und Gomez als Vorbereiter

          Die Chance, über einen längeren Zeitpunkt sein Können zu zeigen, bekam Ribéry in Rom. Zum ersten Mal seit seinem Bänderriss im rechten Fuß im September stand er in Rom in der Startelf. Und tatsächlich ließ er seinen Worten Taten folgen. Nach einer ersten halben Stunde, in der die Bayern zwar Spielkontrolle und Ballbesitz, aber keine Gefahr und keinen einzigen Torschuss produziert hatten, schlich er sich vom linken Flügel in die rechte Strafraumseite, legte intuitiv den Ball gegen die Laufrichtung der Verteidiger quer in Richtung Elfmeterpunkt, wo dadurch Gomez Platz erhielt - und der Stürmer schaltete schneller als Cassetti und lenkte den Ball im Fallen über den Innenpfosten ins Tor.

          Sechs Minuten später fing Thomas Müller einen Querpass von Jérémy Menez vor dem italienischen Strafraum ab und bediente den abermals am schnellsten schaltenden Gomez zum 0:2. Kurz vor der Pause hätte Toni Kroos mit dem dritten Bayern-Schuss aufs Tor beinahe das dritte Tor erzielt, doch Torwart Julio Sergio konnte den abgefälschten Flachschuss mit Mühe abwehren.

          Schwimmunterricht der Bayern-Abwehr

          Die Bayern hatten das Spiel auch ohne den gesperrten Bastian Schweinsteiger im Griff - und gaben es mit einem ihrer für diese Saison typischen rätselhaften Leistungseinbrüche nach der Pause wieder aus der Hand. Ménez flitzte am rechten Flügel davon, und Borriello lenkte die flache Hereingabe im Fallen gekonnt ins lange Eck. Danach kam mehr Zug in die Aktionen der zuvor eher pomadigen Römer. Weil die Bayern-Abwehr mehr und mehr Schwimmunterricht nahm, bekam Ersatztorwart Thomas Kraft, der überraschend anstelle von Jörg Butt aufgeboten worden war, nach wenig Beschäftigung in den ersten 45 Minuten nun Gelegenheit, sich auszuzeichnen.

          Vor allem gelang ihm das in der 61. Minute: Da schien der Ball unweigerlich auf dem Weg ins Bayern-Tor, doch erst wehrte Kraft den Kopfball von Simplicio, dann den scharfen Nachschuss von Brighi mit energischem Einsatz ab.

          Doch in der Schlussphase war Kraft machtlos. Eine Hereingabe von Riise verwertete de Rossi zum Ausgleich, und kurz danach konnte Kraft den allein durchstartenden Borriello nur noch mit einem Foul stoppen. Totti verwandelte den fälligen Foulelfmeter, und die Bayern schlichen geschlagen vom Platz.

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