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Champions League : Bayern genießt die Niederlage: „Träumen erlaubt“

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Endlich wieder ein wichtiger Erfolg für Oliver Kahn Bild: REUTERS

Nach dem 0:1 gegen Arsenal, das dank des 3:1-Polsters aus dem Hinspiel ein Erfolg für den FC Bayern war, streben die Münchener in der Champions League nach Höherem. „Egal, wen wir ziehen im Viertelfinale. Eines sind wir nicht mehr: Außenseiter“, sagte Rummenigge.

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          Die Siegesfeier der erschöpften Bayern-Stars nach der süßesten Europapokal-Niederlage seit 18 Jahren fiel kurz und bescheiden aus, die Kampfansage an Europas Top-Clubs und den FC Schalke 04 nicht. „Egal, wen wir ziehen im Viertelfinale - wir werden möglicherweise nicht Favorit sein, aber eines sind wir seit heute mit Sicherheit auch nicht mehr: Außenseiter“, sagte Karl-Heinz Rummenigge am Mittwoch abend bei seiner Bankett-Rede im Ballsaal des Luxushotels „The Landmark“ nach dem folgenlosen 0:1 im Achtelfinal-Rückspiel der Champions League gegen Arsenal London.

          Der Vorstandsvorsitzende redete sogar schon vom „großen Ziel Istanbul“, wo am 25. Mai das Finale steigt: „Seit heute ist der eine oder andere Traum erlaubt“, rief er Spielern und Edelfans zu. Kurzfristig sind aber alle Blicke der Bayern nach Schalke gerichtet. Es war gerade Mitternacht in England, da hatten sich Trainer Felix Magath und die Spieler bereits wieder auf ihre Zimmer zurückgezogen. Mit schweren Beinen, aber breiter Brust geht der Tabellenführer in das direkte Titelduell am Sonntag. „Wer so gut gegen Arsenal spielen kann, kann auch bei Schalke gewinnen“, verkündete Magath.

          „Darauf sollten wir stolz sein“

          „Wir sind wieder wer!“ Dieses Gefühl verbreiteten die Bayern, nachdem das 3:1-Polster aus dem Hinspiel gereicht hatte und der Rekordmeister einmal mehr die Ehre des deutschen Fußballs gerettet hatte. „Wir haben uns eindrucksvoll in Europa zurückgemeldet. Bayern München ist der einzige deutsche Club, der noch im Europapokal dabei ist. Darauf sollten wir stolz sein“, erklärte Rummenigge. (Champions League: Aus für Leverkusen und Madrid)

          Sein herrliches Tor ließ Arsenal wieder hoffen: Thierry Henry

          Oliver Kahn konnte sich nicht erinnern, „wann ich mich über ein 0:1 so gefreut habe. Aber es war ganz wichtig für uns, daß wir nach drei Jahren wieder im Viertelfinale stehen“, sagte der Kapitän. (Oliver Kahn im Interview: „Es ging nicht um diese Torwart-Geschichte“)

          Am 22. April 1987 hatte eine Bayern-Elf zuletzt nach einer Niederlage so ausgelassen gejubelt, wie der Urschreie ausstoßende Kahn und der dem Himmel dankende Weltmeister Lucio unmittelbar nach dem Abpfiff im Highbury-Stadion. Das damalige 0:1 bei Real Madrid bedeutete nach einem 4:1-Sieg im Hinspiel den Einzug ins Endspiel des Meistercups, das Klaus Augenthaler und Co. allerdings in Wien gegen den Außenseiter FC Porto mit 1:2 verloren.

          Lehmanns „bitterster Sieg“

          18 Jahre später trennen die Bayern noch zwei K.o.-Runden von einer abermaligen Endspiel-Teilnahme. Aber der Glaube an eine Wiederholung des Triumphes von 2001 ist geweckt. „Es ist alles möglich“, frohlockte Robert Kovac. „Die Power unserer Mannschaft hat mir das Gefühl von 2001 gegeben“, meinte Bixente Lizarazu. „Wir haben das Gefühl, daß wir im Moment jede Mannschaft schlagen können“, sagte Sebastian Deisler. Kahn hofft zunächst auf Losglück am 18. März, während sein unterlegener Torhüter-Rivale Jens Lehmann nach dem „bittersten Sieg meiner Karriere“ den Bayern sogar den Titel zutraut: „Fußballerisch gibt es stärkere Mannschaften, aber die Bayern sind sehr physisch.“

          Ein Moment der Unaufmerksamkeit beim Tor von Superstar Thierry Henry (66.) brachte die Bayern in London noch einmal in Gefahr und rief bei Uli Hoeneß sogar den Albtraum des Endspiels gegen Manchester United (1:2) anno 1999 in Erinnerung. „Ab der 90. Minute habe ich an Barcelona gedacht“, gestand der Manager. Auch Magath mißfiel das Zittern in den Schlußminuten, als Kahn noch einen Kopfball von Kolo Touré entschärfen mußte (88.). Ansonsten hatte der Trainer lediglich einen Kritikpunkt: „Wir haben nur versäumt, ein Tor zu machen.“

          Kahn punktet gegen Lehmann

          Dafür ist Roy Makaay unerläßlich, auch wenn der 21jährige Paolo Guerrero den verletzten Torjäger recht gut vertrat. Die defensive und mannschaftliche Kompaktheit war dafür beeindruckend. „Ich muß ganz, ganz weit zurückdenken, wann ich eine bessere Bayern-Mannschaft gesehen habe als in der ersten Halbzeit“, schwärmte Kahn.

          Im Prestige-Duell mit Lehmann war er der Gesamtsieger, auch wenn beide im Rückspiel ihre Klasse unter Beweis stellen konnten. Kahn wies Triumphgefühle weit von sich, aber er hat nun den Vorteil, sich weiter auf der europäischen Bühne präsentieren zu können. Allerdings widersprach Lehmann, der 2002 mit Borussia Dortmund im Uefa-Cup-Finale stand und 2004 mit Arsenal in der Champions League auch weiter kam als Kahn mit dem FC Bayern: „Wenn es danach geht, hätte ich bei der letzten WM und EM im Tor stehen müssen.“

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