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Champions League : Bayern auch ohne Streithammel nicht zu brav

  • -Aktualisiert am

Rensing soll den Bayern den Rücken frei halten Bild: REUTERS

Die Ausgangsposition wirkt entmutigend: der FC Bayern muss ohne die „Leitwölfe“ Kahn und Van Bommel heute beim AC Mailand bestehen. Ein Jahr nach der Demontage an gleicher Stelle soll die Basis für den Halbfinaleinzug geschaffen werden.

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          Mit 19 Profis ist der FC Bayern München in Mailand gelandet, für den meisten Gesprächsstoff sorgten die beiden Spieler, die zu Hause geblieben waren. Wie wird, wie kann der deutsche Fußball-Rekordmeister das Fehlen von Oliver Kahn und Mark van Bommel an diesem Dienstag (20.45 Uhr ) im Viertelfinalhinspiel der Champions League beim AC Mailand kompensieren (Im: FAZ.NET-Liveticker)?

          Bezüglich des Torwarts fällt die Antwort einfach aus, wenn man sie auf das rein Sportliche beschränkt. Michael Rensing hat schon des Öfteren bewiesen, dass er mit seinen 22 Jahren den Kollegen Kahn auf der Linie ordentlich vertreten kann. Stürmer Roy Makaay sieht Rensing auf einer Höhe mit den beiden anderen jungen deutschen Torhütern, die gerade bei Schalke und Bayer Leverkusen auf sich aufmerksam machen. "Michael hat ganz sicher das gleiche Potential wie Neuer und Adler. Er hat eine große Zukunft als Torwart, und das wird er morgen beweisen."

          Rensing fehlt die Extraqualität

          Die Zukunft Rensings liegt allerdings noch in weiterer Ferne als die seiner jungen Konkurrenten (Siehe auch: FC Bayern: „Noch heißer als sonst“ - aber reicht das?). Hitzfeld kündigte an, dass Kahn auch in der kommenden Saison "generell meine Nummer eins sein wird". Nur wenn mehrere englische Wochen aufeinander folgten, sei angedacht, einmal das Personal im Tor rotieren zu lassen. "Wir werden das aber nur sehr selten praktizieren." Für den Bayern-Trainer ist Kahn auch mit fast 38 Jahren immer noch einer der besten Torhüter der Welt.

          Trainer Hitzfeld instruiert Owen Hargreaves

          Bei aller Begabung fehlt Rensing diese Extraqualität Kahns über das Sportliche hinaus. Diesen Faktor Furcht, den der Routinier sogar dann ins Spiel bringt, wenn er Gegner nur umarmt, wie am vergangenen Samstag den Schalker Stürmer Larsen, kann der Twen nicht auslösen.

          Wer übernimmt die Verantwortung?

          Auch Mark van Bommel nimmt mit seiner ausgelebten Aggressivität den Gegenspielern oft den Spaß am Sport. Trainer Ottmar Hitzfeld hat dennoch nicht die Sorge, dass der Bayern-Auftritt in San Siro ohne die "Streithammel" zu brav geraten könnte. "Wir haben immer noch genug Spieler in der Mannschaft, die die Verantwortung übernehmen." Hitzfeld freut sich über einen Nebeneffekt der Sperren. "Ich glaube, es gibt morgen weniger Gelbe Karten für uns, also wird es auch ruhiger für mich."

          Für den Bayern-Trainer liegt der Schlüssel im Erfolg darin, dass seine Profis als Einheit auftreten. "Milan hat vielleicht die besseren Einzelspieler, es wird entscheidend sein, dass wir das bessere Team sind." Im Team soll auch Mittelfeld-Stratege van Bommel ersetzt werden - Owen Hargreaves und Andreas Ottl sollen es bilden. Hitzfeld schonte den leicht angeschlagenen englischen Nationalspieler im Bundesliga-Spitzenspiel gegen Schalke, um dem 22jährigen Ergänzungsspieler Ottl Spielpraxis für die Champions League zu vermitteln. "Er hat gegen Schalke für Ordnung im defensiven Mittelfeld gesorgt", lobte Hitzfeld.

          Es wird wohl kein Leckerbissen

          Der Bayern-Trainer erwartet nicht gerade einen Leckerbissen für die Fußballfreunde im Guiseppe-Meazza-Stadion. Hitzfeld äußert das nicht direkt, aber sein Hinweis, dass zwei defensiv sehr gut organisierte Mannschaften aufeinandertreffen, darf durchaus als Drohung aufgefasst werden. "Kleine Fehler werden entscheiden. Ich bin davon überzeugt, dass wir in Mailand fast genauso gute Chancen haben, zu gewinnen, wie zu Hause. Hier wie dort könnte schon ein Tor den Ausschlag geben." Ein Blick in die Statistik legt die Vermutung nahe, torarme Viertelfinalspiele zu erleben. In den acht Begegnungen des AC Mailand in der Königsklasse fielen genau 13 Tore - so wenig wie bei keinem anderen Team. Dabei erzielten die Italiener neun Treffer und mussten nur vier hinnehmen. Zwei Drittel der Tore Milans schoß ein Spieler - Kaka.

          Hitzfeld wich der Frage aus, wer den brasilianischen Star stoppen solle: "Das wird das Spiel zeigen. In der Theorie ist Kaka leichter zu stoppen als in der Praxis." Falls die Bayern genauso viele Tore gegen Milan schießen wie die bisherigen Gegner, nämlich 0,5 pro Begegnung, darf überhaupt kein Mailänder treffen, wenn das Glücksspiel Elfmeterschießen vermieden werden soll. Für Makaay ist das kein unmögliches Unterfangen, obwohl das letzte Aufeinandertreffen der beiden Rivalen etwas anderes suggeriert. Vor einem Jahr gingen die Bayern im Achtelfinalrückspiel der Champions League in Mailand 1:4 unter. Aber damals waren die Münchner nach einem 1:1 in der ersten Partie zur Offensive gezwungen. Der niederländische Nationalspieler legt Wert auf einen kleinen Unterschied: "Diesmal spielen wir zuerst auswärts, das wird ein ganz anderes Spiel."

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