https://www.faz.net/-gtl-15x11

Champions League : Ballack bleibt der Unvollendete

  • Aktualisiert am

Ballack scheitert mit Chelsea im Viertelfinale Bild: REUTERS

Ausgewechselt, ausgeschieden, ausgeträumt: Michael Ballacks Traum vom Gewinn der Champions League ist wieder einmal geplatzt. Mit Chelsea schied er nach einer 0:1-Niederlage im Achtelfinal-Rückspiel gegen Inter Mailand aus.

          2 Min.

          Am Ende hätte der frustrierte Michael Ballack bei der großen Ernüchterung an der Stamford Bridge am liebsten weggeschaut. Ausgewechselt, ausgeschieden, ausgeträumt - seine Karriere ist weiter unvollendet. Nach dem frühen K.o. seines FC Chelsea im Champions League-Achtelfinale gegen Inter Mailand muss der Kapitän der deutschen Fußball-Nationalmannschaft weiter auf seinen ersten internationalen Titel warten.

          Und während Chelseas ehemaliger Trainer José Mourinho nach dem 1:0-Triumph mit Inter Mailand an alter Wirkungsstätte auch von Englands Medien gefeiert wurde und sich als der Größte fühlte, fühlte der deutsche Vorzeige-Kicker die große Leere. „Es tut weh, so früh auszuscheiden“, gab der Mittelfeldstar nach der ebenso schmerzlichen wie folgenschweren ersten Heimschlappe in der Königsklasse seit gut vier Jahren zu.

          Denn der bald 34-Jährige weiß, dass ihm viele Gelegenheiten zum Coup auf der großen Fußball-Bühne nicht mehr bleiben. Mit der Nationalelf kann er auf den WM-Titelgewinn im Sommer in Südafrika und vielleicht noch bei der EM 2012 in Polen und der Ukraine hoffen. Bei Chelsea, wo er gerade um die Verlängerung seines im Sommer endenden Vertrags kämpft, hat er auch höchstens noch zwei Chancen in Europas Meisterliga. Nach dem unverhofften Aus will er sich in der Premier League im Dreikampf mit Manchester United und dem FC Arsenal schadlos halten, sagte er. „Wir müssen das schnell abhaken. Jetzt ist die Liga unser großes Ziel.“

          Er bleibt wohl der Unvollendete: Michael Ballack
          Er bleibt wohl der Unvollendete: Michael Ballack : Bild: AFP

          Nach 62 Minuten auch noch ausgewechselt

          Erst zum zweiten Mal binnen sieben Jahren erreichten Ballacks ambitionierte, aber in Europas Königsklasse noch stets gescheiterte „Blues“ nicht mindestens das Halbfinale. „Nachdem wir die Champions League in den letzten Jahren mit dominiert haben, ist das schon enttäuschend. Die haben uns den Zahn gezogen mit ihrer Cleverness“, sagte Ballack mit Blick auf das unerwartet frech auftrumpfende Inter-Team. Zu seinem sichtlichen Unwillen wurde er nach 62 Minuten auch noch von Trainer Carlo Ancelotti ausgewechselt.

          Aber nicht der sieggewohnte italienische Chelsea-Coach, sondern dessen Vor-Vorgänger Mourinho, der Chelsea bis zu seiner Entlassung im September 2007 drei Jahre lang mit viel Erfolg geführt hatte, war nach seiner „perfekten“ Revanche obenauf. „So habe ich in der Kabine noch nie gejubelt. Das war eine unglaubliche Leistung“, erklärte der Portugiese, der sich in der Arena an der Stamford Bridge öffentliche Triumph-Gesten erst ganz verkniff - mit dem Schlusspfiff verschwand er sofort in den Katakomben. „Heute war Inter viel besser als Chelsea“, lobte er zurecht seine Akteure, ehe wieder der „alte“ Mourinho auftrat. „Dieses Ergebnis beweist, dass ich hier zu Hause bin. Denn hier gewinne ich immer - mit oder gegen Chelsea“, meinte der Portugiese stolz.

          „The Sun“ gab Ballack eine „5“

          Chelseas Europa-Bilanz trotz der Investition in Höhe von 750 Millionen Euro durch Club-Eigner Roman Abramowitsch beschreibe er als „Geschichte der Frustration“. Inters Clubchef Massimo Moratti, der in 15 Jahren rund eine Milliarde Euro ins Team gesteckt hat, kann nach dem Siegtor durch Samuel Eto'o (78. Minute) dagegen weiter seinem jahrelang gehegten Traum vom Triumph bei den Champions nachgehen.

          „Die erste Halbzeit war noch o.k., aber in der zweiten haben wir keine Antworten mehr gefunden. Wir sind alle ein wenig konsterniert. In ähnlichen Situationen haben wir sonst mit Wucht noch eine Wende erzwingen können“, so Ballack, der Mourinho und der von ihm glänzend eingestellten Inter-Elf Respekt zollte.

          Für seine Leistung erntete er von Englands Sportpresse dagegen Kritik. „The Sun“ gab Ballack wie dem für ihn eingetauschten Joe Cole mit einer „5“ die mieseste Note. „Warum hast Du ihn rausgeworfen, Rom?“, wollte „The Sun“ dagegen von Abramowitsch wissen. „Mourinho ist zurückgekehrt, um sich ein letztes Mal in Chelseas Geschichtsbuch einzutragen“, schrieb „The Guardian“, „genauer gesagt - einen hässlichen Klecks in die Annalen des Clubs.“

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Beim Grillfest der SPD in Rostock: Ministerpräsidentin Schwesig

          Schwesig im Wahlkampf : Als stünde sie allein im Ring

          Beflügelt durch die Beliebtheit der Ministerpräsidentin steht der SPD in Mecklenburg-Vorpommern ein historischer Sieg bevor. Wie ist das Manuela Schwesig gelungen?
          Armin Laschet mit den Ministerpräsidenten Sachsens und Sachsen-Anhalts, Reiner Haseloff und Michael Kretschmer, sowie der sächsischen Staatsministerin für Kultur und Tourismus, Barbara Klepsch

          Wahlkampf : Mit Attacken in die letzte Woche

          Im Schlussspurt des Wahlkampfs überziehen Union und SPD einander mit Vorwürfen. Selbst die Grünen greifen nun Olaf Scholz an. Und auch zwischen CDU und CSU knirscht es wieder einmal.
          Mitarbeiter einer lokalen Wahlkommission leeren am Sonntag eine Wahlurne in einem Wahllokal in Moskau.

          Duma-Wahl : Ließ Putin mit E-Voting das Wahlergebnis fälschen?

          Einiges Russland ist laut offiziellen Zahlen der klare Sieger der Duma-Wahl. Doch die Auszählung der online abgegebenen Stimmen deutet auf Betrug hin. Die Opposition spricht von „irrwitzigen Ergebnissen“.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.