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Champions League : Auge für den Paß, Schußkraft, Verbissenheit

  • -Aktualisiert am

Hinter Zidane - aber nicht in seinem Schatten: Pavel Nedved Bild: AP

Italiens Meisterschaft hat Pavel Nedved schon entschieden: Mit Juventus Turin holte der Tscheche den zweiten Titel. In der Champions League soll Nedved Juve gegen Real Madrid zum Einzug ins Finale verhelfen.

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          Der Spieler, der Italiens Meisterschaft entscheidet, heißt Pavel Nedved. In seinem zweiten Jahr bei Juventus Turin holte der tschechische Mittelfeldspieler am Wochenende den zweiten "Scudetto". Nedved wird der Titel beinahe zur Gewohnheit, hatte der 30 Jahre alte Spielmacher vor drei Jahren doch bereits mit Lazio Rom triumphiert. Seinem heutigen Gegenspieler, dem gleichaltrigen Zinedine Zidane in Diensten von Real Madrid, blieb diese Freude in seinen letzten drei Spielzeiten bei Turin versagt, bevor er 2001 nach Madrid wechselte und dort ebenfalls die für die Meisterschaft erforderliche Konstanz vermissen ließ. Während Zidane in den Pokalwettbewerben lieber als "Feiertagsspieler" brilliert, ist auf Nedved auch im ödesten Liga-Alltag Verlaß.

          Nicht zuletzt wegen Nedveds anhaltender Weltklasseform wird der jüngste Meistertitel dem Tschechen von Italiens Sportpresse quasi persönlich gutgeschrieben. Auch als "Weltfußballer des Jahres" hat sich der Tscheche jetzt nachhaltig ins Gespräch gebracht. Trotz überharter Manndeckung schaffte es der wendige Spieler, in der Serie A auch die vermeintlich schwachen, aber tückischen Gegner mit Freistößen oder Feldtoren niederzuzwingen. Nedved, dessen Ausnahmetalent in jungen Jahren noch eine gewisse Laxheit entgegenstand, hat sich seit seinem Arbeitsantritt in Italien vor sieben Jahren die verbissene Härte und die Durchsetzungsfähigkeit angeeignet, die ein Spieler seines Formats heute benötigt. Unter Trainer Marcello Lippi war er sich auch für Defensivarbeit nie zu schade.

          Nedved sieht im Halbfinale der Champions League gegen den Titelverteidiger Real nicht ohne Grund "das wichtigste Spiel meines Lebens", trifft er doch an diesem Mittwoch auf Zinedine Zidane und Luis Figo, die beiden beherrschenden Mittelfeldspieler des Weltfußballs der vergangenen Jahre. Weniger ballverliebt und genialisch als Zidane und nicht so athletisch und kämpferisch wie Figo, hat Nedved gleichwohl diverse Qualitäten, die ihn an beide Stars heranreichen lassen: das Auge für den überraschenden Paß, große Schußkraft, latenten Zug zum Tor sowie unermüdliche Verbissenheit in den Zweikämpfen. Dabei bleibt offen, ob Lippi ihn auf seiner Lieblingsposition hinter den beiden Spitzen, Del Piero und Trezeguet, oder aber im linken offensiven Mittelfeld agieren läßt. Nedved wird hoffen, im entscheidenden Rückspiel dynamischer und markanter aufzutreten als bei der 1:2-Niederlage in Madrid. Da lief er allzuoft nebenher und wirkte am Ende einer kraftraubenden Saison fast ein wenig überspielt.

          Nedved hat seine zwölf Spielzeiten im Profifußball gebraucht, um "zum Maximum, zur vollen Kraft" zu reifen, die er sich in diesen Tagen selber attestiert. 1996 kam bei der Europameisterschaft der internationale Durchbruch, als er mit Tschechien das Endspiel gegen Deutschland erreichte und zuvor mit einem Tor zum 1:0 Italien aus dem Wettbewerb warf, bevor er sogleich dorthin wechselte. Dieser Transfer zu Lazio Rom machte Nedved mit allen üblen Tricks des internationalen Profifußballs vertraut. Fünf Jahre später, beim Wechsel vom nahezu bankrotten Lazio Rom nach Turin, hatte sich dann der Marktwert des Spielers von drei auf rund zwanzig Millionen Euro versiebenfacht.

          Daß "Juve" sich gegen Real längst nicht nur auf Nedved verlassen kann, hat allerdings Michel Platini, der seine eigene Glanzzeit in Turin verlebte, mit Kennerblick klargestellt: Diese neue Meistermannschaft basiere in erster Linie auf der Abwehr mit dem spielenden Torwart Buffon und nahezu fehlerlosen Verteidigern wie Tudor, Ferrara, Thuram oder Montero, der nach einer Sperre nun wieder ins Team rückt. Damit hat der einst so brillante Platini auf die taktische Disziplin des italienischen Fußballs hingewiesen, gemäß derer ein kompaktes Aufbauspiel den gegnerischen, aber auch den eigenen Vorderleuten immer nur seltene Gelegenheiten bietet. Um so kostbarer wiegen da Nedveds Treffer, die er meist nach druckvollen, mit o-beinigen Stampfschritten vorgetragenen Vorstößen erzielt.

          Gegen Real will der Spielmacher mit "Terrierqualitäten" naturgemäß seinen Lauf fortsetzen. Sollte er nach einem eventuellen Triumph in Madrid, wo man ja Weltklassekönner sammelt wie Sonderbriefmarken, für die kommende Saison umworben werden, hat Nedved schon eine originelle Antwort parat: Er will sich bei Zidane, Figo und Roberto Carlos in den Konkurrenzkampf nur dann einreihen, wenn Real künftig einen zwölften Superstar aufs Feld schicken darf. Und wer sollte das wohl sein, wenn nicht er selbst?

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