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Celia Sasic : Abgang als Unvollendete

Schuhe aus: Celia Sasic beendet ihre Karriere Bild: AFP

Karriereende als WM-Torschützenkönigin: Die deutsche Fußball-Nationalspielerin Celia Sasic beendet überraschend früh ihre Laufbahn. Sie will sich ihrer Familie widmen.

          3 Min.

          Als Celia Sasic vor zwei Jahren beim FFC Frankfurt erstmals den Trainingsrasen betrat, gab es eine große Überraschung: Auf ihrer Trainingshose prangte die Nummer „9“. Diese Ziffer hatte FFC-Manager Siegfried Dietrich erst zwei weitere Jahre zuvor für künftig nicht mehr verfügbar erklärt, nachdem ihre Stammträgerin Birgit Prinz ihre Karriere beendet hatte. Celia Sasic hatte derweil auch nicht auf der prominenten Rückennummer bestanden, ihre bevorzugte „7“ war aber eben schon vergeben und so ließ sich die damals 25 Jahre alte Torjägerin eben auf den Vergleich mit der großen Prinz ein. Zwei Jahre später ist Rückennummer „9“ beim FFC Frankfurt nun endgültig wieder frei.

          Und es ist gewiss, dass Celia Sasic die große Birgit Prinz weder in den Annalen des FFC, noch des deutschen Frauenfußballs verdrängen wird. Denn sie hat im Alter von nur 27 Jahren ihre Karriere sehr frühzeitig und ohne den ganz großen Erfolg beendet, gewissermaßen als eine Unvollendete. „Elf Jahre durfte ich in der Frauen-Bundesliga und lange zehneinhalb Jahre in der deutschen Frauenfußballnationalmannschaft unvergessliche Momente erleben und Teil einer unglaublichen Entwicklung sein. Das macht mich stolz. Nichtsdestotrotz habe ich mich nun dazu entschieden neue Wege zu gehen und meine aktive Laufbahn im Profifußball zu beenden“, schrieb die im Urlaub befindliche Stürmerin am Donnerstag auf ihrer Facebook-Seite. Sasic ist nach Nadine Angerer die zweite Spielerin aus dem WM-Kader, die ihre Laufbahn beendet.

          Torschützenkönigin der WM

          Die Weltmeisterschaft in Kanada hat Celia Sasic zwar vor anderthalb Wochen als Torschützenkönigin abgeschlossen. Zufriedenstellend war das Turnier indes nicht verlaufen. Sasic war bei der dem vom amerikanischen Team gewonnenen Turnier hinter den Erwartungen zurück geblieben. Sie hatte ihr Ziel, ihr Spiel auf Weltklasseniveau zu heben, nicht erreicht. Stattdessen prägten wie eh und je technische Defizite das Spiel der deutschen Mittelstürmerin. Im Halbfinale gegen die Vereinigten Staaten hatte die zuvor sichere Elfmeterschützin zudem einen Strafstoß vergeben, der dem deutschen Team trotz großer Unterlegenheit die Führung hätte bescheren können.

          Schon vor der WM hatte sie bei ihrem Verein FFC Frankfurt Gebrauch gemacht von einer Kündigungsoption. Mit dieser Klausel beendete sie einen eigentlich bis 2016 datierten Vertrag bereits ein Jahr früher, damit sie im Anschluss an die WM unabhängig über ihre Zukunft entscheiden konnte. Das hat sie nun getan: Sasic will sich fortan ihrem Privatleben widmen. „Ich freue mich jetzt auf eine ganze Menge neuer Dinge, die vor mir liegen: mein Studium beenden, mich beruflich orientieren, eine Familie gründen und vieles mehr“, schreibt Sasic, die vor zwei Jahren ihren langjährigen Lebensgefährten Marko Sasic geheiratet hatte. Zunächst steht nun statt der Torejagd in ihrem Studium der Kulturwissenschaften die Magisterarbeit zum Thema „Erinnerung und Gedächtnis bei Platon“ an.

          Champions-League-Sieg als größter Vereinserfolg

          Immerhin hat Sasic vor der WM ein großes persönliches Ziel erreicht: Nachdem sie zuvor bereits 2009 und 2013 zwei Europameistertitel mit dem Nationalteam erringen konnte, gelang ihr der erste große Titel mit einer Klubmannschaft. Nachdem sie die meiste Zeit ihrer Karriere beim SC 07 Bad Neuenahr im Mittelmaß der Bundesliga verbracht hatte, krönte sie die zwei Jahre beim Spitzenklub FFC Frankfurt mit dem Sieg in der Champions League, Sasic hatte beim 2:1-Finalsieg gegen Paris St-Germain ein Tor erzielt. 2014 hatte sie bereits zum Gewinn des DFB-Pokals beigetragen. Ein deutscher Meistertitel blieb ihr indes verwehrt.

          „Das ist eine außergewöhnliche Entscheidung einer außergewöhnlichen Frau“, sagte Siegfried Dietrich, Manager von Sasic’ letztem Klub FFC Frankfurt. „Da gehört wahnsinnig viel Mut dazu, in einer Situation aufzuhören, wo man so im Mittelpunkt und auf dem höchsten Niveau steht mitten im Leben als Berufsfußballerin. Sie hätte auch noch manche Einnahmen generieren können.“ Dietrich hatte bis zuletzt gehofft, dass Sasic doch weiter für seinen Klub auf Torejagd gehen möge. Gemeinsam mit Trainer Colin Bell ist er nun auf der Suche nach einer Nachfolgerin. „Wir sind in Überlegungen, es gibt Ideen. es steht aber noch nichts final fest“, sagt Dietrich.

          Abschiedstreffer gegen Frankreich: Celia Sasic mit der letzten „Siegprämie“, einer französisichen Tipp-Kick-Figur Bilderstrecke

          Sasic beendet ihre Laufbahn derweil nach 111 Länderspielen und 63 Toren, in den vergangenen beiden Spielzeiten war sie Torschützenkönigin der Bundesliga. Bessere Torquoten haben vor ihr nur die drei größten Torjägerinnen der deutschen Frauenfußballgeschichte, die dreifache Weltfußballerin Birgit Prinz, Heidi Mohr und Inka Grings, erreicht. Hinter diesem Trio wird sie sich künftig nun lediglich als Nummer vier in der Hierarchie der deutschen Torjägerinnen einreihen müssen.

          „Ich bedauere die Entscheidung von Celia, kann sie aber auch nachvollziehen, denn Fußball ist nicht alles im Leben, und irgendwann kommt der Zeitpunkt, wo man andere Prioritäten setzen muss“, lässt sich Bundestrainerin Silvia Neid auf der Homepage des DFB zitieren. „Für uns ist das ein echter Verlust, weil Celia eine bedeutende Persönlichkeit ist, die große Fußspuren hinterlässt.“

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