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Carlos Dunga : Schluss mit dem brasilianischen Fußballzirkus

  • -Aktualisiert am

Jeder ordnet seine Tatbeiträge dem kollektiven Erfolg unter

Die Erfolge heilen manche Wunden, haben sich doch Brasiliens Fußballfreunde seit Dungas Amtsantritt oft am fehlenden Spaßfaktor gerieben. Nun würde ein dritter Confed-Cup-Gewinn den Rekordweltmeister (fünf Titel) auch in dieser Pokalwertung an die Spitze bringen. Doch erst einmal wollen die Brasilianer an diesem Sonntag (20.30 Uhr / Live im DSF) in Pretoria ihr drittes Spiel der Gruppe B gegen Weltmeister Italien erfolgreich zu Ende bringen.

Mit einer Mannschaft, die eine wunderbare Balance gefunden hat zwischen den brasilianischen Urtugenden des schnellen Passspiels, der trickreichen Momente und der oft unwiderstehlichen Durchsetzungsfähigkeit vor des Gegners Tor sowie der europäischen Hartnäckigkeit auf dem Weg zum Erfolg und deren Disziplin zum Erreichen der selbstgesteckten Ziele. Außer Robinho ordnet in diesem Ensemble jeder seine Tatbeiträge dem kollektiven Erfolg unter.

Kaka - aumunternde statt herrische Gestik in der Chefrolle

Schließlich geht der Stararchitekt der Seleção mit bestem Beispiel voran: Kaká. Der 27 Jahre alte Mittelfeldstratege, für den Real Madrid 63 Millionen Euro an den AC Mailand überweist, muss nicht mehr wie früher einen Platz neben dem selbstverliebten Wunderknaben Ronaldinho suchen. Er spielt bei Dunga keine Rolle mehr. Kaká ist der Chef, und er demonstriert seine Anführerqualität nie mit herrischer, sondern stets mit aufmunternder Gestik.

Dieser Spieler aus gutem Hause ist der sanfte Riese in Brasiliens Auswahl, die so gut wie lange nicht abgemischt wirkt. So kann Dunga auf der rechten Seite gleich zwei Spitzenkombinationen aufbieten: Entweder harmonieren Dani Alves und Elano oder, wie gegen die Amerikaner, Maicon und der junge Ramires prächtig miteinander.

„In unserer Mannschaft kann sich niemand ausruhen“

Das jahrelang chronische Torwartproblem ist mit Julio Cesar von Inter Mailand längst gelöst; den Abwehrchef gibt der Münchner Bayern-Profi Lucio als Kapitän der Mannschaft mit Hingabe; im defensiven Mittelfeld haben der erfahrene Gilberto Silva im Verbund mit Felipe Melo, einer der Lieblingsschüler des Trainers, die alte Dunga-Rolle mit neuer Kunstfertigkeit übernommen; und im Angriff ergänzen sich der schillernde Robinho und Luis Fabiano, ein Brecher mit Gefühl, ohne Reibungsverluste.

„Niemand in meiner Mannschaft ist gesetzt“, sagt Dunga, „es ist an den Spielern, sich zu empfehlen.“ Auch Robinho weiß, dass Dunga aus einem riesigen Talentepool fischen kann. Deshalb sagt der Künstler: „In unserer Mannschaft kann sich niemand auf seinem Lorbeer ausruhen.“ Dafür sorgt schon Dunga, dessen programmatischer Grundsatz lautet: „In dem Moment, in dem Brasilien denselben Antrieb und dieselbe Willenskraft hat wie andere Mannschaften, wird unsere Technik den Unterschied ausmachen.“ In Südafrika zeigt Dungas Lehre schon Wirkung. Weltmeister Italien ist gewarnt. Mit den brasilianischen Spielernaturen ist nicht mehr zu spaßen.

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