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Comeback nach sieben Monaten : Warum die Rückkehr von Reus sogar den Gegner freut

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Wieder für Borussia Dortmund am Ball: Marco Reus, hier 2019 Bild: dpa

Er sollte vier Wochen ausfallen, am Ende fehlte Marco Reus sieben Monate. Nun steht er vor seinem sehnlichst erwarteten Pflichtspiel-Comeback. Doch es dürften schmerzhafte Erinnerungen wach werden.

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          Als Marco Reus zuletzt ein Pflichtspiel absolvierte, waren die Fußball-Stadien noch voll und das Coronavirus bereitete in Deutschland kaum jemandem Sorgen. An diesem Montag, 223 Tage nach seinem bislang letzten Spiel, soll Marco Reus vor nur 300 Zuschauern wieder auflaufen. Und es wird sich für ihn ein Kreis schließen. Denn seine hartnäckige Adduktorenverletzung hatte der Kapitän von Borussia Dortmund am 4. Februar beim Pokal-Aus bei Werder Bremen erlitten, sein Comeback steht beim Erstrunden-Spiel der neuen Saison beim Drittligateam MSV Duisburg an (20.45 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zum DFB-Pokal sowie in der ARD und bei Sky).

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          „Es macht Spaß, ihn wieder auf dem Platz zu sehen“, sagte Dortmunds Trainer Lucien Favre am Sonntag. „Marco spürt Fußball, er ist sehr, sehr clever.“ Wie sehr ein Einsatz des 31-Jährigen eine Signalwirkung für die gesamte Mannschaft haben könnte, zeigen auch die Aussagen von Giovanni Reyna. Der 17-Jährige durfte sich in Reus' Abwesenheit in der Vorbereitung auf dessen Position festspielen, nun droht ihm zumindest auf Dauer wieder eine Rückstufung. „Natürlich wäre es wohl ein bisschen einfacher für mich, wenn er noch nicht wieder gesund wäre“, sagt der Amerikaner: „Aber seine Rückkehr hat so positiven Einfluss auf uns alle.“

          Für den Teenager ist Reus ein sportlicher Ziehvater. „Er ist nicht nur unser Kapitän, er steht auf der Liste der Spieler, zu denen ich immer aufgeschaut habe, ganz oben an erster Stelle“, sagt Reyna: „Er hilft mir so viel, auf und neben dem Platz.“

          Aus diesem Grund sprach Manager Michael Zorc auch ein Machtwort, als es in der Sommerpause Gerüchte gab, der verletzungsanfällige Reus könne sein Kapitäns-Amt verlieren. „Marco ist und bleibt unser Kapitän. Das ist für Borussia Dortmund selbstverständlich“, stellte Zorc unmissverständlich klar, obwohl in Mats Hummels eine für viele logische Alternative bereitstand.

          Seinen sportlichen Wert für die Mannschaft deutete Reus schon am vergangenen Montag im Testspiel gegen Sparta Rotterdam (2:1) an. „Er ist bereit“, stellte Favre danach zufrieden fest: „Wir sind froh, dass er zurück ist.“ Und Lizenspieler-Chef Sebastian Kehl lobte: „Er hatte viele quirlige Aktionen, hat sein Tor gemacht. Das war auch für ihn ein wichtiges Zeichen.“

          Am Montag scheint ein Teilzeit-Einsatz für Reus möglich, auch wenn er vor Ehrgeiz brennt. Gegen Rotterdam habe er ihn zur Pause gefragt, ob er raus wolle, berichtete Favre: „Aber er hat gesagt, alles ist gut.“ Reus ging erst in der 70. Minute vom Feld, sieben Minuten nach seinem Tor. Doch insgesamt soll er auf jeden Fall langsam herangeführt werden. „Er hat seit Anfang Februar nicht mehr gespielt“, meinte Favre.

          Denn will der BVB gegen Triple-Sieger FC Bayern eine Chance im Titel-Rennen haben, braucht er Reus in Top-Form – und über die gesamte Saison. In den vergangenen sechs Jahren kam er verletzungsbedingt durchschnittlich nur auf 20 von 34 Bundesliga-Spielen. Dabei schien die letzte Verletzung eigentlich gar nicht dramatisch. Vier Wochen waren nach der Adduktorenverletzung prognostiziert. Am Ende stand eine zähe, über ein halbes Jahr anhaltende Reha mit missratenem Comeback-Versuch Anfang Juni.

          Nun ist Marco Reus zurück. Und das freut alle. Sogar den Gegner. „Ich freue mich, dass er wieder da ist“, sagte Duisburgs Trainer Torsten Lieberknecht: „Dass es einem Spieler, den Fußball-Deutschland so gerne sieht, wieder gut geht, ist schließlich eine gute Nachricht.“

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