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Europa League in Saloniki : So hat Dortmund gegen Bayern kaum eine Chance

Auch Marcro Reus ist derzeit weit von seiner Bestform entfernt. Bild: Picture-Alliance

Nach elf Siegen gelangen Dortmund nur drei Remis. Die Rotation beim 1:1 in Saloniki tut dem BVB-Spiel nicht gut. Bayern-Trainer Guardiola dürfte die Schwächen der Borussia vor dem Bundesliga-Topspiel registriert haben.

          Es ist nicht überliefert, ob Pep Guardiola am Donnerstagabend die Partie zwischen Paok Saloniki und Borussia Dortmund im TV gesehen hat, um sich und den FC Bayern auf das Bundesliga-Gipfeltreffen gegen den BVB am Sonntag (17.30 Uhr / Live bei Sky und im Bundesliga-Ticker bei FAZ.NET) vorzubereiten.

          Allein: Selbst wenn der Münchner Trainer das 1:1 (1:0)-Remis der Dortmunder am Fernseher verfolgt hat – er könnte daraus wohl nur wenig Rückschlüsse auf das mögliche Auftreten der Elf von BVB-Coach Thomas Tuchel in der Allianz-Arena ziehen.

          Denn vor allem gegen Spielende besonders tief stehende Griechen verzichtete der Dortmunder Trainer in Saloniki auf die defensiven Stabilisatoren Hummels und Sokratis, auf Kagawa und Gündogan als Ideengeber im Mittelfeld und zudem auf die Explosivität von Aubameyang in der Sturmspitze.

          Insgesamt baute Tuchel sein Team gegenüber dem 2:2 gegen Darmstadt am vergangenen Sonntag auf acht Positionen um. Das merkte man dem BVB-Spiel an. Zwar verzeichnete der Tabellenzweite der Bundesliga in allen relevanten Statistiken eine positive Bilanz (73:27 Prozent Ballbesitz, 52:48 Prozent gewonnene Zweikämpfe, 21:9 Torschüsse), doch trotzdem wirkte das Spiel der Dortmunder streckenweise fahrig und ideenlos.

          Torschütze Castro (links) im Zweikampf gegen Berbatov. Bilderstrecke

          Gegen die dominanten Münchner hätte der BVB so vermutlich nur wenige Chancen. Besonders die neu ins Team gerückten und zu Saisonbeginn neu verpflichteten Offensivspieler Gonzalo Castro und Adnan Januzaj fanden keine Bindung zu ihren Mitspielern, wurden freistehend häufig nicht angespielt, liefen ins Leere und mussten somit versuchen, sich mit Einzelaktionen zu profilieren.

          Bezeichnenderweise fiel daher auch der Ausgleich durch Castro nicht nach einer herausgespielten Kombination, sondern war vielmehr ein Zufallsprodukt mit freundlicher Unterstützung von Paok-Torhüter Olsen (72.). Zuvor hatten sich die Dortmunder nicht nur durch die zwischenzeitliche Spielunterbrechung zu Beginn der zweiten Halbzeit, als griechische Polizisten den BVB-Block stürmten, aus dem Konzept bringen lassen.

          Natürlich ist es höchst unwahrscheinlich, dass sich der FC Bayern in der heimischen Arena ähnlich weit zurückziehen und die Räume derart eng machen wird, wie die Griechen nach ihrem glücklichen Führungstreffer durch den ehemaligen Nürnberger Robert Mak (33.).

          Doch selbst wenn Reus, Mchitarjan und Co. gegen den deutschen Meister offensiv wieder mehr Freiräume bekommen: die Dortmunder Defensive wird in München vermutlich deutlich mehr Arbeit bekommen, als dies gegen Saloniki zu jeder Zeit der Fall war.

          Auch aus diesem Grund wird die in Griechenland agierende Viererkette aus Park, Bender, Subotic und Pisczek in dieser Konstellation bei den Bayern wohl nicht mehr auflaufen. Zwar ließen die Dortmunder gegen Paok nur wenige große Torgelegenheiten zu, doch vor allem Neven Subotic konnte die Reise nach Griechenland nicht nutzen, um sich bei Tuchel für weitere Einsätze in der Startelf zu empfehlen.

          Aufgrund von Rückenproblemen in dieser Saison in der Liga erst einmal zum Einsatz gekommen, hob der Serbe nicht nur beim 1:0 durch Mak das Abseits auf, sondern ermöglichte Paok im zweiten Durchgang durch einen schwach geführten Zweikampf auch noch die große Chance auf das zweite Tor. Und auch sonst wirkte der Innenverteidiger zumeist verzagt und war dem BVB gegen die sich einigelnden Griechen im Spielaufbau keine besondere Hilfe.

          Besser machte es hingegen der erst spät eingewechselte Marcel Schmelzer: In nicht einmal einer halben Stunde Einsatzzeit setzte der Außenverteidiger über seine linke Seite mehr Akzente, als fast die komplette BVB-Offensive in den sechzig Minuten zuvor und kam auf 37 Ballkontakte, drei eigene Torschüsse und sogar dem Assist zu Castros Ausgleich.

          Wahrscheinlich auch deshalb bescheinigten nach der Partie daher sowohl Sven Bender als auch Tuchel den Dortmundern ein „dominantes Spiel“, mit einer „super ersten halbe Stunde“ und eine alles in allem „in dieser Konstellation bemerkenswerten Leistung“. Ob diese jedoch ausreicht, um in München zu bestehen, bleibt fraglich. Nach elf Siegen in Serie zum Saisonauftakt und dem nun bereits dritten Remis in Folge bleibt der Eindruck, dass die Dortmunder zumindest ein wenig den Faden und das Selbstverständnis der ersten Partien verloren haben. Pep Guardiola wird zumindest dies registriert haben.

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