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1:1 gegen Liverpool : Dortmund und Klopp tun einander noch nicht weh

Bild: AFP

Schiedlich-friedlich unentschieden: Nach dem Viertelfinal-Hinspiel in der Europa League zwischen Klopps ehemaligem Klub Borussia Dortmund und seinem aktuellen Arbeitgeber FC Liverpool ist noch nichts entschieden.

          Die Frage war ziemlich theoretisch. Was sollte Jürgen Klopp schon dazu sagen, wie er zu jubeln gedenke im Fall der Fälle. Es könnte passieren, so seine lapidare Antwort in der Pressekonferenz vor dem Spiel, ja, es sei sogar ziemlich wahrscheinlich, dass er „ganz normal jubeln“ würde. Warum auch nicht. Alles andere wäre doch etwas verwunderlich für einen Trainer, der in der Gegenwart lebt und nicht in der Vergangenheit – wenngleich sich in den zurückliegenden Tagen ziemlich viel um letztere gedreht hatte.

          Im Hier und Jetzt jedenfalls ballte Klopp die Fäuste, als es soweit war. Als sein FC Liverpool am Donnerstagabend nach 36 Minuten tatsächlich in Führung ging bei der Dortmunder Borussia, seinem früheren Verein - Divock Origi war der Schütze. Und auch wenn es nach dem Ausgleichstreffer von Mats Hummels (48.) am Ende 1:1 hieß in diesem Viertelfinal-Hinspiel der Europa League, konnte Klopp allemal zufrieden die alte Wirkungsstätte verlassen. „Rund ums 1:0 haben wir brettstark gespielt“, sagte Klopp. „Jetzt ist fürs Rückspiel richtig Pfeffer drin. Wir haben sicher nicht das Gefühl, durch zu sein.“

          BVB nutzt Überlegenheit nicht

          Die Dortmunder und ihr aktueller Trainer Thomas Tuchel hätten sich sicher eine bessere Ausgangsposition für das Rückspiel am kommenden Donnerstag an der Anfield Road erhofft. Doch der Bundesliga-Zweite machte gegen den Neunten der Premier League (mit zwei Spielen im Rückstand) lange Zeit zu wenig aus seiner Überlegenheit, baute später ab und offenbarte in der Rückwärtsbewegung die eine oder andere beunruhigende Lücke. „Wir sind nicht richtig ins Spiel gekommen“, sagte Roman Weidenfeller, der wie üblich in der Europa League für Roman Bürki im Tor stand.

          Am Sonntag wartet schon das nächste besondere Spiel für den BVB: das Revierderby beim FC Schalke 04. Dieser erste Teil des Duells mit Liverpool stellte in Punkto Aufregung - oder sollte man sagen: Aufgeregtheit? - indes schon vieles in den Schatten, was sich in den vergangenen Monaten und auch Jahren in Deutschlands größtem Fußballstadion abgespielt hatte. Das war schon vor der Arena zu spüren, wo zahllose Menschen auf der Suche nach Tickets waren. Aber auch drin, wo die Atmosphäre Erinnerungen an große Champions-League-Abende weckte, die den Borussen in der nächsten Saison ja wieder ins Haus stehen.

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          Schnell wurde an diesem Abend aber auch klar, dass es hier um Wettbewerb und um die Borussia ging und nicht um Klopp und Folklore. Der Applaus für ihn war warm, aber auch nicht enthusiastisch, als Norbert Dickel der Stadionsprecher, ihn begrüßte - auf freundliche, aber zugleich auch betont sachliche Weise. Natürlich wollten die Borussen selbst am allerwenigsten in die Klopp-Falle gehen, und so waren sie seit der Auslosung bemüht, möglichst wenig Ablenkung vom Wesentlichen zuzulassen.

          Der Ball lässt Klopp vergessen

          „Schluss mit Freundlichkeiten“, sagte Dickel, als der Ball rollen sollte. Und wie zu erwarten ging es gleich intensiv zur Sache zwischen diesen beiden Teams, die wie kaum zwei andere für Emotionen und Leidenschaft stehen. Wobei die Vorteile auf dem Platz zunächst klar bei der Borussia lagen. Es lief nicht alles wie am Schnürchen, mancher kleine Fehler, wie er bei maximierter Geschwindigkeit schon mal passieren kann, hielt die Dortmunder auf. Als aber einmal alles passte, nach 17 Minuten, hatten die Zuschauer den Torschrei schon auf den Lippen: Schmelzer legte, nach wunderbarerer Anbahnung von Weigl, den Ball von der Torauslinie zurück, Mchitarjan schoss - doch Sakho brachte noch sein Bein dazwischen.

          Nach einer halben Stunde dann waren die Borussen voll in ihrem Element und sie kreierten Chancen fast im Minutentakt. Doch Mchitarjan und Aubameyang fanden entweder nicht die entscheidende Lücke oder aber sie zielten knapp daneben. Klopps Team, obwohl zunächst aggressiv pressend, hatte bis dahin lediglich einmal für Gefahr gesorgt, bei einem Kopfball von Lovren nach einem Freistoß (21.). Dass die „Reds“ dann plötzlich in Führung lagen, mussten sich die Borussen selbst ankreiden. Origi, der überraschend anstelle von Firmino oder Sturridge die Liverpooler Spitze gab, hätte niemals so direkt und ungestört Richtung Tor ziehen dürfen, wie er es tat. Von Piszczeks eher passivem Begleitschutz ließ er sich jedenfalls nicht aufhalten.

          Danach brauchte der BVB eine Weile, um sich wieder zu sortieren. Richtig hitzig wurde es erst wieder in der Nachspielzeit, als zunächst die Borussen zu einer Doppelchance - erst Aubameyang, dann Reus - kamen, dann aber plötzlich Origi frei auf Weidenfeller zulief. Diesmal parierte der Torwart, der nach Abpfiff noch Gelb sah, weil er sich darüber beschwert hatte, dass die Partie weitergelaufen war, obwohl ein Borusse verletzt in der gegnerischen Hälfte lag.

          Der Ton für die zweiten 45 Minuten war damit schon einmal gesetzt. Tuchel brachte Sahin für den schwachen Durm. Und nach nicht einmal drei Minuten stand es 1:1. Hummels köpfte eine Flanke von Mchitarjan ins Tor. Sicherheit aber brachte der Ausgleich aber nicht - der BVB blieb gegen die von Klopp gut eingestellten Liverpooler Störenfriede verwundbar. Drei Mal in gut dreißig Sekunden musste Weidenfeller sich gehörig strecken, um einen abermaligen Rückstand zu verhindern. Gegen Ende verlor das Spiel dann an Intensität und auch an Niveau. Die Dortmunder wirkten müde, Tuchel brachte noch Pulisic und Sokratis für Aubameyang und Bender, die „Reds“ wiederum waren zufrieden. Klopp gewiss auch. „Während der 90 Minuten war ich komplett im Spiel drin. Danach habe ich mich gefreut, dass ich die Jungs doch noch drücken konnte“, sagte er.

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