https://www.faz.net/-gtl-9r8v7

Dortmunds Paco Alcácer : Der Mann, der immer trifft

  • -Aktualisiert am

Bestens in Dortmund angekommen: Der Spanier Paco Alcácer grüßt als Borussen-Torjäger. Bild: EPA

Paco Alcácer bringt Borussia Dortmund entscheidend weiter – nicht mehr nur als Joker. Mit dem FC Barcelona hat der Torjäger noch eine Rechnung offen. Insbesondere mit Lionel Messi, vertraut man Diego Maradonas Worten.

          3 Min.

          Die Welt des Fußballs ist voller Gerüchte, Halbwahrheiten und Klischees, auch deshalb lässt sich in ihr so wunderbar mutmaßen und spekulieren. Über den Fußball-Trainer Lucien Favre heißt es zum Beispiel, er sei ein Trainer, der eine recht eigenwillige Sicht auf die Kunst des Stürmerspiels hat; der Brasilianer Raffael, mit dem der heutige Trainer von Borussia Dortmund beim FC Zürich, bei Hertha BSC und in Mönchengladbach zusammenarbeitete, gilt bis heute als Prototyp des Favre-Stürmers. Beschenkt mit einem vielseitigen Talent, schnell im Kopf, ein brillanter Techniker, ein kühler Torjäger. Zentrumsstürmer, die weniger versiert am Mannschaftsspiel teilnehmen, möge Favre nicht so gerne, besagt die Legende. Nicht zuletzt deshalb verwandelte er den Kombinationsspieler Mario Götze im Vorjahr in einen Experten für die Arbeit in der Sturmspitze.

          An diesem Dienstagabend, wenn der FC Barcelona in Dortmund antritt (21.00 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur Champions League und bei Sky), wird Götze aber sehr wahrscheinlich wieder nur auf der Bank sitzen, Paco Alcácer ist der Angriffsheld dieser ersten Dortmunder Saisonwochen.

          Champions League
          ANZEIGE

          „Er versteht Fußball“, hat Favre irgendwann in der vorigen Saison einmal über Alcácer gesagt, viel mehr grundsätzliches Lob für den Spanier ist ihm nicht zu entlocken. Es wäre nicht verwunderlich, wenn der Fußballtüftler aus der Schweiz heimlich immer noch hadert, wenn er Alcácer zusieht. Am Samstag beim 4:0 gegen Bayer Leverkusen hatte der 26 Jahre alte Profi in 88 Minuten lediglich 24 Ballaktionen, er gewann nur elf Prozent seiner Zweikämpfe und hatte bescheidene 8,59 Kilometer zurückgelegt. Der Held des Tages war Alcácer trotzdem.

          „Ein echter Torjäger von hoher fußballerischer Qualität“

          Er hatte das kostbare 1:0 erzielt, das 2:0 hatte er mit einer formidablen Finte vorbereitet, diese beiden Szenen ebneten den Weg zu einem sehr wichtigen Sieg. Für den BVB ist Alcácer damit – Pokal und Supercup eingerechnet – in allen sechs Pflichtspielen der laufenden Saison ein Tor gelungen. Hinzu kommen drei Treffer für Spanien in der Länderspielpause. „Er ist ein echter Torjäger von hoher fußballerischer Qualität“, sagt Michael Zorc, der Dortmunder Sportdirektor ist ein Spezialist im Aufspüren dieses Spielertyps. Er lockte schon Robert Lewandowski, Pierre-Emerick Aubameyang oder Lucas Barrios zum BVB – klassische Torjäger, die entscheidend zu Titelgewinnen beigetragen haben.

          Offensichtlich hat Favre sich mit dieser Dortmunder Tradition angefreundet, zumal Alcácer auch Fortschritte macht. „Letzte Saison war ich immer angeschlagen, ich konnte keine zwei, drei Spiele am Stück auf dem Platz stehen“, erinnert sich Alcácer im klubeigenen TV-Kanal. Damals taugte er nur als Einwechselspieler in den Schlussphasen der Partien des BVB, wobei seine zwölf Jokertore innerhalb einer Saison als Bundesliga-Rekord in die Annalen eingingen. Durchschnittlich traf Alcácer alle 67 Minuten, auch das ist eine Ligabestmarke unter den Spielern, die in einem Jahr zehn mal oder öfter zum Einsatz kamen. Allerdings war er auch immer wieder mal verletzt.

          Zoff mit Messi?

          Der physische Zustand, in dem Alcácer aus Katalonien ins Revier gekommen war, muss für einen Fußballprofi ziemlich außergewöhnlich gewesen sein. Erst jetzt, ein Jahr später, wirkt er wirklich fit. In diesem Bereich habe der Angreifer „einen deutlichen Schritt nach vorne gemacht“, sagt Sebastian Kehl, der Leiter der Lizenzspielerabteilung des BVB. „Wir sind froh, dass er die Kraft hat, alle zwei Tage zu spielen.“ Es hat ein Jahr gedauert, bis die körperlichen Defizite aufgeholt waren, was ein Schlaglicht auf Alcácers Zeit in Barcelona wirft. Dort stand er lange im Schatten der Giganten Lionel Messi, Luis Suárez und Neymar und fühlte sich auch menschlich nicht immer gut aufgehoben, wie er in einem Interview mit „Radio Cadena SER Catalunya“ erzählt: „Ich habe Respekt vor vielen Leuten und vielen ehemaligen Teamkollegen. Viele Leute haben sich sehr gut gegenüber mir verhalten und andere haben sich sehr schlecht benommen. Einige Leute beim FC Barcelona haben ihr Wort nicht gehalten.“ Diplomatie und Dankbarkeit klingen anders.

          Pablo Alcácer hier noch im Trikot des FC Barcelona. Im Dezember 2017 hatte er in der Champions League gegen Sporting Lissabon sogar doppelt getroffen.

          In kritischen Fankreisen soll er in Anspielung an seinen Vornamen „paquete“ („Paket“) genannt worden sein, was im Fußballjargon Spaniens so viel heißt wie „Lusche“ oder „Flasche“. Womöglich hat ihn seine Situation so sehr frustriert, dass er sich nicht besonders gewissenhaft um seine Fitness gekümmert hat. Die argentinische Fußball-Ikone Diego Maradona hat nach Alcácers Wechsel zum BVB im mexikanischen Ableger von Fox behauptet, es habe persönliche Animositäten zwischen Messi und Alcácer gegeben: „Paco ist viel besser als Messi. Er hatte leider keine Chance bei Barça, weil ihn Messi schlecht behandelt hat.“ Aber so eine Aussage muss natürlich mit Vorsicht betrachtet werden, weil Messi und der WM-Held von 1986 alles andere als Freunde sind und der ehemals beste Spieler der Welt häufiger das Maß verliert, wenn er redet.

          In jedem Fall hat Alcácer nicht vor, pietätvoll auf einen Torjubel zu verzichten, wenn er gegen seine alten Kollegen treffen würde. „Ich würde das in dem Moment entscheiden“, erwidert er auf die Frage nach seinen Plänen. Nur treffen muss er jetzt noch gegen diesen Klub, bei dem er nie auf einen Trainer traf, der Gefallen an seiner sehr speziellen Stürmerkunst fand.

          Weitere Themen

          Der BVB meldet sich zurück

          1:0 gegen Mönchengladbach : Der BVB meldet sich zurück

          Die eine Borussia gewinnt, die andere bleibt zumindest bis Sonntag Tabellenführer: Der BVB vermeidet ausnahmsweise mal einen späten Ausgleich und schließt zu Mönchengladbach auf. Ein Tor des Kapitäns genügt in einem rasanten Spiel.

          Topmeldungen

          Eine Familie flieht am Samstag auf einem Motorrad aus der Region um die Stadt Ras al Ain.

          Nordsyrien : Kurden räumen Grenzstadt zur Türkei

          Die brüchige Waffenruhe nutzen kurdische Einheiten zum Rückzug aus einer umkämpften Stadt. Außenminister Maas nennt den türkischen Angriff völkerrechtswidrig, und in der Nato schließt unter anderem Deutschland den Bündnisfall aus.

          Johnson und der Brexit : Drei Briefe und ein einziges Ziel

          Boris Johnson will weiter versuchen, das Brexit-Abkommen bis Ende des Monats zu ratifizieren. Schon am Montag könnte die Regierung in London eine neue Abstimmung über den Brexit-Vertrag ansetzen – wenn John Bercow das zulässt.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.