https://www.faz.net/-gtl-9827p

0:0 in Salzburg : Borussia scheitert torlos

Auch Drohgebärden helfen nicht: Michy Batshuayi (links) redet auf Salzburgs Schlussmann Alexander Walke ein Bild: Reuters

Leidenschaftsloser Auftritt in Salzburg: Borussia Dortmund scheitert nach dem „Abstieg“ aus der Champions League auch frühzeitig im Cup der Verlierer. Salzburg gelingt das vierte Weiterkommen eines österreichischen Teams gegen einen deutschen Gegner.

          3 Min.

          Sie brauchten mindestens zwei Tore. Aber sie bekamen kein einziges zustande. So endete sie auf passende Art am Donnerstagabend in Salzburg, die blamabelste europäische Saison von Borussia Dortmund, seit man 1956 das erste Auswärtsspiel im Europapokal der Landesmeister bei Spora Luxemburg verlor. Mit dem 0:0 beim FC Salzburg ist der BVB nach dem 1:2 im Hinspiel auf klägliche Art im Achtelfinale der Europa League ausgeschieden und hat damit inklusive der Gruppenphase der Champions League von zehn europäischen Spielen in dieser Saison nur ein einziges gewonnen, in der Nachspielzeit gegen Atalanta Bergamo.

          Christian Eichler

          Sportkorrespondent in München.

          „Wir haben uns viel vorgenommen, es aber zu keiner Zeit umgesetzt. Wir haben eine Top-Qualität. Es bringt aber nichts, wenn wir unsere Qualität nicht einsetzen können. Wir haben uns den Schneid abkaufen lassen. Es hat uns jeglicher Mut und Energie gefehlt. Mit so einer Leistung ist es normal, dass die Fans pfeifen“, sagte André Schürrle und zeigte sich selbstkritisch. Ähnlich äußerte sich Trainer Peter Stöger: „Die erste Halbzeit war richtig schlecht. Wir haben uns überhaupt nicht darauf eingestellt, was uns erwartet. Wir waren zu behäbig und haben uns das Leben selbst schwer gemacht. Wir reden viel über Qualität, aber Qualität ist das, was ich auf dem Platz sehe. Salzburg ist in zwei Spielen verdient weiter gekommen.“

          Europa League

          Zu den seit Monaten bekannten spielerischen Nöten der Dortmunder waren kurz vor Beginn der Partie auch noch personelle Probleme gekommen. Für den von einem Infekt geschwächten Flügelflitzer Christian Pulisic musste der viel langsamere Mario Götze auf die rechte Seite und blieb dort auf erschütternde Art wirkungslos. Und für den angeschlagenen Ömer Toprak musste der erst 18-jährige Franzose Dan-Axel Zagadou in der Innenverteidigung aushelfen, wo ihn die bissigen Salzburger früh als Schwachstelle ausmachten, vor allem wenn Zagadou, ein Kerl wie ein Baum, aber genauso hölzern, den Ball notgedrungen im Spielaufbau bekam, der großen Dortmunder Baustelle. Die erste Gelegenheit der Salzburger hatte dann der schnelle Koreaner Hee-Chan Hwang, der mit seinem Abschluss an Roman Bürki scheiterte.

          Kein Durchkommen für den BVB

          Der Dortmunder Torwart, oft kritisiert in dieser Saison, war beim europäischen Abschied der einzige Dortmunder von europäischem Niveau. Mehrfach rettete der Schweizer glänzend, vor allem in der 32. Minute, als die Führung der besseren Österreicher unvermeidlich schien. Nach einem Einwurf schaltete Xaver Schlager am schnellsten, und sein Schuss ließ die österreichischen Zuschauer und auch den deutschen Trainer der Salzburger, Marco Rose, schon aufspringen, den Torschrei auf den Lippen - doch Bürki lenkte den Ball mit den Fingerspitzen noch um den Pfosten, eine Weltklasseparade.

          “Wir spielen am besten mit zehn Stürmern“, hatte Mittelfeldspieler Gonzalo Castro scherzhaft gefordert, angesichts des Sturmlaufs, der nötig schien. Doch auch zehn Stürmer von der Qualität, die die Dortmunder an diesem Abend boten, hätten kein Tor zustande gebracht. Bei den beiden einzigen Gelegenheiten vor der Pause, bei denen sie den bissigen Gegenspielern einmal entwischen konnten, machten sie sich den Ball zum Gegner. Marco Reus, von Mahmoud Dahoud fein freigespielt, beförderte sich den Ball beim Versuch, mit einer halben Pirouette in Schussposition zu kommen, an den falschen Fuß und fiel um. Und als Reus kurz vor der Pause einmal Michy Batshuayi steil schicken konnte, schlug er seinen Pass nicht auf den Fuß des belgischen Stürmers, sondern auf dessen Hinterteil.

          Großer Trainererfolg: Marco Rose bleibt auch gegen Borussia Dortmund ungeschlagen Bilderstrecke

          Nach der Heimblamage im Hinspiel hatte Kapitän Marcel Schmelzer erklärt, „dass wir einiges wieder gutmachen müssen“, und Trainer Peter Stöger bezog Zuversicht daraus, „dass wir Phasen im Spiel haben, die richtig gut sind“. In Salzburg allerdings gab es bis zur Pause nur Phasen, die richtig schlecht waren. Und so ging Stöger aufs Ganze, nahm Götze und Reus heraus und zog für die Offensive die letzten Karten aus dem Ärmel, Maximilian Philipp und den 18-jährigen Schweden Alexander Isak. Die beiden bekamen dann auch die besten Dortmunder Torchancen auf den Fuß. Isak scheiterte in der 70. und 73. Minute aus kurzer Distanz an Torwart Alexander Walke, dazwischen war Philipp im letzten Moment geblockt worden.

          So wurde es am Ende unumgänglich, das vierte Ausscheiden eines deutschen Teams im 24. Europapokalduell der beiden Nachbarländer. 1994 waren Eintracht Frankfurt und der Karlsruher SC im Uefa-Pokal an Austria Salzburg gescheitert, 1997 folgte 1860 München gegen Rapid Wien. Nun hat auch der große BVB einen Platz in dieser peinlichen Ahnengalerie sicher.

          Weitere Themen

          Der Musterschüler des Joachim Löw

          Serge Gnabry : Der Musterschüler des Joachim Löw

          Der Bundestrainer gerät nach der Gala von Serge Gnabry gegen Nordirland regelrecht ins Schwärmen. Den Bayern-Stürmer macht der neue Status selbstbewusst. Dabei scheut er auch keine kritischen Töne.

          Wellenreiten für zwischendurch Video-Seite öffnen

          Lagerhalle in Berlin : Wellenreiten für zwischendurch

          Wellenhöhe wie auch Wasser-Fließgeschwindigkeit lassen sich individuell an die Bedürfnisse des Wellenreiters anpassen. Für Anfänger steht zusätzlich eine Haltestange bereit, bis zu sechs Neulinge können gleichzeitig üben.

          Topmeldungen

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.