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4:1 bei den Stuttgarter Kickers : Dortmunder Pflichtsieg beim Reus-Comeback

  • -Aktualisiert am

Wegweisend? Marco Reus bei seinem Comeback Bild: REUTERS

Borussia Dortmund besiegt die Stuttgarter Kickers problemlos in der ersten Runde des DFB-Pokals. Zugleich gewinnt der BVB einen Spieler zurück: Marco Reus steht überraschend in der Startelf.

          3 Min.

          Er ist wieder da und noch lange nicht weg. Marco Reus hat sich am Samstagnachmittag an seinem Arbeitsplatz Stadion zurückgemeldet. Als Spieler von Borussia Dortmund, dem sein Trainer Jürgen Klopp im Erstrundenpokalduell bei den Stuttgarter Kickers einen Einsatz von Anfang an zutraute. Die Zeiten, da der 25 Jahre alte Nationalspieler vor allem als Spekulationsobjekt galt, über den andere besserwisserisch redeten, sind erst einmal vorbei. Endlich kann Reus also wieder seiner Leidenschaft Fußball frönen nach zwei für ihn schweren Monaten.

          Umso besser wird der gebürtige Dortmunder ab sofort die verpasste Weltmeisterschaft verschmerzen können, nachdem er sich am Tag vor dem Abflug nach Brasilien eine schwere Verletzung im abschließenden Test gegen Armenien zugezogen hatte. Damals, am 6. Juni, war es still geworden in der Arena des Bundesligaklubs Mainz 05, als Reus, gestützt von zwei Helfern, vom Rasen humpelte und anschließend die niederschmetternde Diagnose, Syndesmosebandriss und knöcherner Bandausriss am Fersenbein, mitgeteilt bekam.

          Aufbauspiel gegen Drittligaverein

          Diesmal wurde es laut im Stadion des großen Kickers-Nachbarn VfB, als Reus als Kapitän seines Teams einlief und wieder ins Geschehen eingreifen konnte. Ihm galt der ungeteilte Jubel aller 37.000 Zuschauer in der Mercedes-Benz-Arena. Schließlich konnte jeder nachempfinden, was es für den Dynamiker und Dribbler der Schwarzgelben bedeutet haben muss, den weltmeisterlichen Triumph seiner Kameraden nur am Bildschirm verfolgen zu können. Es war frustrierend für einen wie ihn, der einer der großen Stars dieser von Deutschland geprägten WM hätte werden können.

          Lockere Übung: Henrich Mchitarjan und Pierre-Emerick Aubameyang (l.) schießen sich für die Bundesliga warm

          So traf es sich fast logisch, dass der seit knapp einer Woche wieder mit der Mannschaft trainierende Reus sein Comeback in einer Pokalbegegnung mit einem Drittligaverein gab, denn auch einer wie er muss sich erst einmal wieder hineinfühlen in die erstklassigen Anforderungen, die ihm nun von Woche zu Woche intensiver abverlangt werden. Immerhin durfte er sich über einen 4:1-Arbeitssieg des BVB freuen, den Mchitarjans Treffer nach einer halben Stunde und Tore von Aubameyang (55./78.) sowie Ramos (89.) bei einem Gegentor durch Edwini-Bonsu (60.) besiegelten.

          Reus in der Startelf

          Schon tags zuvor hatte Trainer Klopp die Rückkehr des sehnlichst erwarteten blonden Wirblers in aller Vorsicht angekündigt. Unter Vorbehalt. „Es würde mehr Sinn machen“, sagte Klopp, „ihn noch mal trainieren zu lassen, er ist aber sicherlich so weit, dass man über einen ganz kurzen Einsatz nachdenken könnte.“ Über Nacht war Klopp dann anderes in den Sinn gekommen: die Startelfnominierung. Reus‘ Neuanfang über immerhin 57 Minuten kam erwartungsgemäß nicht mit Glanz und Gloria daher, doch deutete der als zentraler Mittelfeldmann in einer Raute aufgestellte Dortmunder unübersehbar an, dass er schon bald wieder auf der Höhe seiner Möglichkeiten sein könnte.

          Reus, umschwärmt von anderen Vereinen, wird mindestens noch in dieser Saison das Juwel der Dortmunder Abteilung Attacke sein. Mag Karl-Heinz Rummenigge, der Vorstandsvorsitzende des FC Bayern München, zur unüberhörbaren Verärgerung der Dortmunder Bosse auch die (nicht dementierte) festgeschriebene Ablösesumme von 25 Millionen Euro, gültig von der kommenden Saison an, ausgeplaudert haben, so muss das kein Indiz für einen bevorstehenden Orts- und Vereinswechsel des stürmischsten Mittelfeldspielers der Bundesliga sein. Zum einen, weil die großen Rivalen der Bayern den bis 2017 laufenden Vertrag mit Reus zu erheblich besseren Konditionen für den Spieler alsbald verlängern wollen; zum anderen, weil Reus selbst Münchner Anwerbeversuchen schon zweimal widerstanden haben soll.

          Dortmunder Perspektiven

          Nicht auszuschließen, dass er sich schließlich doch zu seinem Heimatklub und seiner Heimatstadt bekennt, wenn die geldlichen Dinge geregelt sind und die Perspektive stimmt.

          Die aber sieht in diesem Jahr fast besser als vor zwölf Monaten aus, obwohl Robert Lewandowski, der bis dahin einzigartige, aber im Grunde auch einzige Stürmer des BVB seinen angekündigten Abschied zu Meister Bayern vollzogen hat. Die Borussen haben erst gar nicht versucht, den Polen eins zu eins zu ersetzen, sondern die Zahl ihrer offensiven Optionen erhöht. Für knapp 19 Millionen Euro kam Ciro Immobile, der Torschützenkönig der Serie A, vom FC Turin. Er saß am Samstag trotzdem auf der Bank, weil Adrian Ramos, für neun Millionen Euro vom Berliner Bundesligaklub Hertha BSC verpflichtet, von Anfang an spielte.

          Dazu waren die beiden großen Gewinner der Saisonvorbereitung und Torschützen zum 2:0-Erfolg im Supercup über die Bayern dabei: Mchitarjan und Aubameyang, die wie schon andere Borussen, das komplexe Dortmunder Spiel zwischen Pressing, Gegenpressing, Offensiv- und Defensivaufgaben erst im zweiten Vertragsjahr so richtig begriffen zu haben scheinen. Zur Erinnerung: Auch der immer noch nicht wieder völlig gesunde Mittelfeldkünstler Ilkay Gündogan brauchte eine Spielzeit, um Klopps rasanten Fußball zu verinnerlichen. Offensive also wird beim BVB dieses Jahr ganz groß geschrieben. Das bekamen auch die Kickers zu spüren an einem Tag, an dem die Borussen nicht einmal besonders schwungvoll attackierten.

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