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BVB empfängt Werder : Dortmunder Sternleuchten

  • -Aktualisiert am

Wegweiser für die Dortmunder Rückkehr nach oben: Jürgen Klopp Bild: dpa

Rechtzeitig zum Jubiläumsjahr hat Borussia Dortmund sein Image aufpoliert. Den meisten Glanz verbreitet derzeit noch der Trainer - doch auch das Team ist auf einem guten Weg. An diesem Mittwoch winkt der Einzug ins Pokal-Viertelfinale.

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          Die Fans von Borussia Dortmund sind gehalten, eine halbe Stunde vor dem Anpfiff ihre Plätze einzunehmen. Bevor die Mannschaften in den Mittelpunkt treten, will der Revierklub auf dem Rasen die ersten Knalleffekte setzen. Ein Feuerwerk soll die Zeremonie krönen, die zum Eintritt in das hundertste Jahr des Bestehens abgehalten wird. Präsident Reinhard Rauball wird die in der Dreifaltigkeitskirche geweihte Fahne aus den Händen eines Pfarrers in Empfang nehmen. Donnerschläge und die Hymne „Leuchte, mein Stern Borussia“ untermalen den Start in das Jubiläumsjahr. Dem weihevollen Vorspiel wollen die Borussen an diesem Mittwoch ein würdevolles Fußballspiel folgen lassen, im Achtelfinale des DFB-Pokals gegen Werder Bremen (19.00 Uhr: DFB-Pokal im FAZ.NET-Liveticker).

          Der Gegner in dieser Runde ist der gleiche wie im Jahr zuvor. Sonst erinnert nicht allzu viel an jene Saison, in der das 2:1 über Werder zu den wenigen Farbtupfern gehörte. Manches spricht dafür, dass die Borussia in ihrem hundertsten Jahr frischer, bunter, lebhafter daherkommt als in den späten neunziger Jahren der Vereinsgeschichte. Inzwischen nämlich haben sie einen charismatischen Trainer. Binnen weniger Monate in Dortmund zu einer Art Kultfigur avanciert, gibt Jürgen Klopp dem Klub das unverwechselbare Gesicht, das der Mannschaft noch fehlt - nach einer Hinrunde, die in den Augen des Trainers „nicht so schlecht war, aber auch nicht dazu geeignet, die Fans in Freudentaumel zu versetzen“.

          Weidenfeller mit frischem Selbstbewusstsein

          Dennoch hat auch die Mannschaft sich zu ihrem Vorteil verändert. Die Borussia, in der Liga etwa auf einem Level mit Schalke und Bremen, hat Forschritte gemacht: besonders die Defensive, in der vergangenen Saison eine Problemzone, die nicht nur unter Altersschwäche litt. Torwart Roman Weidenfeller scheint auf dem Weg zu der Form, die ihn einmal ausgezeichnet hat. Vor einem Jahr fehlte er gegen Bremen verletzt, später war er sportlich umstritten. Diesmal steht er im Tor, ausgestattet mit frischem Selbstbewusstsein und einem neuen Vertrag, bei dessen Abschluss ihm allerdings auch der gescheiterte Versuch, Timo Hildebrand zu verpflichten, zugute gekommen sein soll. Von Weidenfellers damaligem Konkurrenten Marc Ziegler, der gegen Bremen einen Strafstoß parierte, spricht inzwischen niemand mehr.

          Im Abwehrzentrum haben sich unter der Regie Klopps dessen Mainzer Günstling Neven Subotic und der aus München ausgeliehene Mats Hummels entwickelt und etabliert. Hummels allerdings fehlt derzeit wegen einer Verletzung; er wird vermutlich von Felipe Santana vertreten.

          Dieser Dritte im Bunde der forschen Juniorenverteidiger dürfte nicht nur wegen seiner Jugend die besseren Chancen gegenüber Robert Kovac besitzen. Der 34 Jahre alte Kroate hat offenbar eingesehen, dass sein Dortmunder Stern im Sinken begriffen ist. Kovac liebäugelt mit einem Wechsel zu Dinamo Zagreb. „Kein Verein braucht einen unzufriedenen Spieler, und ich bin unzufrieden bei der Borussia“, sagte er einer kroatischen Tageszeitung. Er sei zuversichtlich, künftig für den Landesmeister Dinamo spielen zu können und sich so für die WM 2010 zu empfehlen. Kovacs Nachfolger ist ohnehin längst gefunden: Mats Hummels. Ob der BVB ihn jedoch behalten kann, hängt von den Verhandlungen mit dem FC Bayern ab, der das Talent bis Ende dieser Saison ausgeliehen hat.

          Hanseatische Haushaltspolitik

          Vor acht oder zehn Jahren hätte Dortmund so ein Problem mit Geld gelöst. Aber das ist lange her. Inzwischen gehöre der Klub zwar „wieder zu den wirtschaftlich stärkeren in der Liga“, sagt Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke. Vor dem Spiel gegen Bremen präsentierte er stolz den Abschluss eines lukrativen Ausrüstervertrages mit der italienischen Firma Kappa, die bis Ende der Saison noch Werder Bremen ausstattet.

          Aber gerade diesen Termin nutzte der Geschäftsführer als Forum für Haushaltsdisziplin und gab auch der sportlichen Leitung öffentlich zu verstehen, dass er, zumal in der einstigen Hansestadt Dortmund, eine konservative, ja hanseatische Haushaltspolitik bevorzuge. Der BVB werde „nicht wieder damit anfangen, Luftschlösser zu bauen und das Geld mit beiden Händen zum Fenster hinauszuwerfen“. Personalpolitisch sei „eine ausgeglichene Transferbilanz das Ziel“, erst recht während einer allgemeinen Wirtschaftskrise. Trainer und Manager sitzen daneben und lauschen, obwohl sie im Westen vermutlich gern ein paar Dollar mehr hätten.

          Ein Fleckchen im Fahnenmeer

          Eingangs der Rezession steht Klopp für den Aufschwung, auch wenn er sportliche Ziele mehr am Erlebnis als am Ergebnis orientiert. Watzke indes steht für das Maßhalten. Dieser Doppelpass ist nicht immer einfach. Zumindest rhetorisch spielen beide ihn passabel, als wären sie bis ins kleinste Detail einer Meinung. Wenn es um Geld geht, mag sogar Klopp in Dortmund an Grenzen stoßen - den Trost findet er in den Worten seines Chefs. Wer in diesen Zeiten mit Augenmaß wirtschafte, behauptet Watzke, werde „langfristig zu den Gewinnern gehören“.

          Als das Programm mit den leuchtenden Sternen und der symbolträchtigen Fahnenübergabe vorgestellt wurde, hatte Klopp den Tagesgewinn schon vor Augen, fühlte sich aber für einen Moment nicht im Bilde - über den Stand der Feierlichkeiten. „Auf was muss ich mich da einstellen?“, fragte er, als wüsste er ausnahmsweise nicht, worum es ging. Es machte ihm nichts aus. „Hauptsache, wir haben auf dem Rasen genug Platz, uns aufzuwärmen.“ Da wird sich im Fahnenmeer bestimmt ein Fleckchen finden lassen.

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