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BVB-Chef Watzke im Gespräch : „Der aktuelle Zustand tut der Bundesliga nicht gut“

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Borussia Dortmund ist völlig unterbewertet. Wenn der Investor KKR, ein Unternehmen, das etwas von der Materie versteht, Hertha BSC Berlin mit der gleichen Summe von gut 200 Millionen Euro bewertet, wie der Markt Borussia Dortmund bewertet, und andererseits die Allianz, die auch etwas davon versteht, die Bayern auf weit über eine Milliarde Euro taxiert, dann ist jedem klar, dass wir unterbewertet sind. Wir haben ein eigenes Stadion, auf dem mit rund 30 Millionen Euro unsere einzigen verbliebenen Verbindlichkeiten liegen. Das Stadion ist über 200 Millionen Euro wert. Wir haben einen Spielerwert von über 300 Millionen. Das sind schon 500 Millionen - von den anderen Dingen gar nicht zu reden. Und der Markt bewertet uns mit 220 Millionen Euro. Eine totale Diskrepanz. Sie haben recht, dass wir darüber nachdenken müssen, wie wir diese Diskrepanz aufheben können.

Welche Pläne haben Sie?

Langfristig betrachtet, empfände ich es durchaus als ein interessantes Denkmodell, mit strategischen Partnern zu kooperieren. Wobei Borussia Dortmund definitiv immer die Hand am Steuer behalten würde und es auch nicht viele Unternehmen gäbe, die für uns überhaupt in Betracht kämen. Aber das ist nur eine von mehreren Optionen. Mit unserer Aktionärsstruktur ist das nicht so einfach, bei Bayern München kann man so etwas leichter durchziehen. Für uns steht im Vordergrund, dass wir in den nächsten Jahren nachhaltig beweisen, sportlichen und wirtschaftlichen Erfolg sowie große Strahlkraft vereinen zu können.

Wie können Sie es verhindern, mehr als die deutsche Nummer zwei und ein Ausbildungsverein für die sechs oder acht finanzstärksten Klubs in Europa zu sein?

Wir wollen der zweite Fußball-Leuchtturm in Deutschland sein, für das intensive Fußballerlebnis stehen, und zwar nachhaltig. Der Leuchtturm muss nicht ganz so groß sein wie der rot-weiße im Süden - aber der schwarz-gelbe Leuchtturm muss stabil stehen, und er muss leuchten. Wer im Moment ein Gefühl dafür hat, was gerade im deutschen Fußball geschieht, der wird uns vielleicht die Daumen drücken. Für die Entwicklung des deutschen Fußballs ist es elementar wichtig, dass es diesen zweiten Leuchtturm gibt. Wenn Bayern auf Dauer in der Bundesliga konkurrenzlos ist, dann hilft die Champions League auch nicht, dann entwickeln sich die Bayern nicht weiter.

Watzke mit Erfolgs-Trainer Klopp: „Wir waren vor neun Jahren fast tot“
Watzke mit Erfolgs-Trainer Klopp: „Wir waren vor neun Jahren fast tot“ : Bild: dpa

Welche Ziele müssen Sie in dieser Saison erreichen, um Ihrem Anspruch vom kleineren Leuchtturm zu genügen?

Ich mache das bei uns jetzt genau neun Jahre. Und in dieser Zeit gab es gefühlt 200 Mal das angeblich wichtigste Spiel der Vereinsgeschichte. Für das Image von Borussia Dortmund wäre es natürlich genial und ein großer Erfolg, wenn wir uns gegen St. Petersburg für das Viertelfinale qualifizieren und nach dem Finale im Vorjahr dann wieder zu den acht besten Mannschaften in Europa gehören würden. Das wäre ein echtes Statement - vor allem, wenn man sich ansieht, wer vermutlich dieses Viertelfinale erreichen wird: die Beletage des europäischen Fußballs. Es drohen aber auch jetzt schon Vereine wie Arsenal oder der AC Milan auszuscheiden, denen man dennoch nicht absprechen würde, ein großer europäischer Klub zu sein.

Vielleicht auch Borussia Dortmund?

Wir müssen sicher lernen, dass wir unsere Ziele auch mal nicht erreichen. Dieses Lernen muss jetzt nicht ausgerechnet gegen St. Petersburg einsetzen - es würde uns aber nicht umwerfen. Wenn diese Saison eine richtig große Saison für Borussia Dortmund werden sollte, dann wären wir am Ende unter den besten acht Mannschaften in Europa, hätten die Champions League über die Bundesliga abermals direkt erreicht und stünden im Pokalfinale in Berlin. Und wenn dann noch was dazukommen würde - wir hätten nichts dagegen.

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