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Kritik vom Bundestrainer : Löw beklagt „Sittenverfall“ bei Fußballprofis

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„Fairness auf dem Platz und gegenüber den Schiedsrichtern sind das allerhöchste Gebot“: Joachim Löw Bild: dpa

Ständige Rudelbildung, Schwalben, Simulanten: Dem Bundestrainer gefällt ganz und gar nicht, was er in der Bundesliga sieht. DFB-Präsident Reinhard Grindel übt zudem Kritik an Niko Kovac und dem FC Bayern.

          Rudelbildung, Schwalben, Proteste – wenn Joachim Löw Spiele der Fußball-Bundesliga verfolgt, legt der Bundestrainer seine Stirn in Sorgenfalten. „Das Verhalten der Spieler auf dem Platz, da müssen wir den Hebel wieder ansetzen“, sagte der 59-Jährige am Sonntag beim Amateurfußball-Kongress in Kassel: „Fairness auf dem Platz und gegenüber den Schiedsrichtern sind das allerhöchste Gebot.“ In der höchsten deutschen Spielklasse werde inzwischen „wegen jeder Lappalie“ protestiert, sagte Löw: „Das sehen auch Kinder, das sehen die Amateure. Das müssen wir wieder in die richtige Richtung lenken, dass die Entscheidungen der Schiedsrichter wieder respektiert werden.“

          DFB-Präsident Reinhard Grindel beklagte zudem explizit den Sittenverfall unter den Trainern. „Wir müssen hier eindeutig besser werden“, sagte der 57-Jährige: „Dass da Trainer zum Teil ausrasten, wenn eine falsche Einwurf-Entscheidung vom Schiedsrichter getroffen wird, das will keiner mehr sehen, und das ist ein schlechtes Beispiel für die Basis.“ Die Profis „auf dem Spielfeld und auch am Spielfeldrand“ sollten sich von der Fair-Play-Liga des DFB in der F- und G-Jugend, in der unter anderem ohne Schiedsrichter gespielt wird, „eine Scheibe abschneiden“, sagte Grindel. 

          Angesprochen auf die Aussagen von Bayern Münchens Trainer Niko Kovac zum offensichtlichen Zeitspiel im Achtelfinal-Hinspiel der Champions League beim FC Liverpool (0:0) äußerte Grindel: „Ich würde mich freuen, wenn man das bei den Bayern intern einmal kritisch reflektieren würde.“ Kovac hatte zugegeben, dass Mittelfeldspieler Javi Martinez einen vermeintlichen Krampf in der Schlussphase wohl nur vorgetäuscht hatte. Löw wusste in Kassel sehr genau, wovon er sprach. Schließlich ist der Bundestrainer knapp einen Monat vor dem ersten Länderspiel des Jahres am 20. März in Wolfsburg gegen Serbien viel unterwegs. Am Samstag verfolgte der Weltmeister-Trainer in seiner Heimat das 5:1 des SC Freiburg gegen den FC Augsburg, am Sonntagabend stand das Spitzenspiel zwischen Borussia Dortmund und Bayer Leverkusen auf dem Programm.

          „Wenn keine Länderspiele anstehen, sind es zahlreiche Beobachtungen, die wir machen“, sagte der Bundestrainer, der in Kassel zusammen mit der neuen Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg vor etwa 150 Vertretern des Amateurfußballs auftrat: „Wir schauen überall da hin, wo unsere Spieler sind.“ Im Titelkampf könne es nach der Aufholjagd der Bayern bis zum Ende „spannend“ werden, sagte Löw: „Die Bayern haben diese unglaubliche Erfahrung und Qualität in der Breite. Sie können auch drei, vier Top-Spieler ersetzen mit ihrer starken Bank. Sie haben diese Nervenstärke, immer dranzubleiben.“ Borussia Dortmund hingegen habe zuletzt „ein bisschen an Boden verloren“, sagte Löw vor der Partie des Tabellenführers gegen Bayer: „Sie straucheln ein wenig.“ Die Bayern hatten bereits am Samstag 1:0 gegen Hertha BSC gewonnen und den BVB damit unter Druck gesetzt.

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