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Fußball-Nationalmannschaft : Drei Neulinge für Löw – Götze kein Thema

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„Ich plane ohne euch die Qualifikation und die EM“: Bundestrainer Joachim Löw zu Hummels, Boateng und Müller. Bild: Reuters

Der Bundestrainer setzt für die Zukunft des DFB-Teams auf neue Spieler. Löw erklärt, warum Götze nicht eingeladen wird – und wie die Chancen auf ein Comeback von Hummels, Boateng und Müller stehen.

          Für Mats Hummels, Jérôme Boateng und Thomas Müller wird es keine Comeback-Chance von Joachim Löw geben. Das unterstrich der Bundestrainer auf einer Pressekonferenz am Freitag in Frankfurt. Er habe den drei früheren Münchner Weltmeistern ehrlich und klar gesagt: „Ich plane ohne euch die Qualifikation und die EM.“ Alles andere wäre ein „Eiertanz gewesen“, unterstrich Löw vor den ersten Spielen der deutschen Fußball-Nationalmannschaft im Jahr 2019. Es sei seine Aufgabe als Bundestrainer, den Spielern „klar aufzuzeigen, wie ich denke“. Er wolle nun den jungen, neuen Spielern die Möglichkeit geben, „sich zu entwickeln“.

          Löw reagierte auf die Kritik an der Ausbootung der Münchner Weltmeister mit Unverständnis. „Wir haben sie nicht verbannt, und sie haben nichts verbrochen“, sagte Löw. „Ich finde es befremdend, wenn manche über Respekt und Wertschätzung urteilen, obwohl sie gar nicht beim Gespräch dabei waren. Zeit ist auch kein Indikator für die Qualität eines Gesprächs.“

          Bei der Kader-Nominierung für die Länderspiele gegen Serbien in Wolfsburg (Testspiel am 20. März um 20.45 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zu Länderspielen und bei RTL) und gegen die Niederlande in Amsterdam (EM-Qualifikation am 24. März um 20.45 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zu Länderspielen und bei RTL) sprach Löw von „allerallergrößter Wertschätzung und Dankbarkeit“ gegenüber Boateng, Müller und Hummels. „Emotional ist mir das wahnsinnig schwer gefallen. Diese Spieler sind mir auch als Menschen enorm wichtig.“ Er habe mit allen nochmals „in aller Ruhe telefoniert“.

          Dabei hätten Müller und Hummels ihm mitgeteilt, dass sie trotz Löws Ansage „weiter zur Verfügung stehen“. Am Dienstag vergangener Woche hatte Löw den Bayern-Weltmeistern eröffnet, dass er die Zukunft der Nationalmannschaft ohne sie plant. Das bekräftigte er am Freitag. Nach anfänglichem Lob für seine Konsequenz gab es Kritik von vielen Seiten am Stil – unter anderem von Müller und Bayern-Verantwortlichen, aber auch von den Nationalspielern Leon Goretzka und Joshua Kimmich.

          Löw hate den DFB-Präsidenten Reinhard Grindel vorab nicht über die Ausbootung der früheren Münchner Weltmeister informiert. Nationalmannschaftsdirektor Oliver Bierhoff habe dies am Vormittag der Mitteilung telefonisch übernommen, berichtete Löw. „Sportliche Entscheidungen treffe ich autark. Ich habe die absolute Entscheidungshoheit“, stellte Löw klar. „Warum wir manche Leute nicht informiert haben: Der Kreis war klein, Oliver Bierhoff plus mein Trainerteam.“ Seine Aufgabe sei, Entscheidungem mit Bierhoff abzusprechen: „Er war involviert.“

          Die Frankfurter Allgemeine Zeitung hatte berichtet, dass in DFB-Kreisen die Frage aufgeworfen wurde, ob Löw seine Kompetenzen überschritten habe. Ein solcher Vorgang weise, so hieß es beim DFB und der Deutschen Fußball Liga (DFL), über sportliche Fragen hinaus. Liga-Chef Reinhard Rauball bestätigte der F.A.Z., dass er gegenüber Grindel „Defizite“ in dieser Angelegenheit angesprochen habe. Nach der Ausbootung der Spieler, berichtete Löw nun am Freitag, habe er Grindel persönlich angerufen.

          Mit den drei Neulingen Niklas Stark, Lukas Klostermann und Maximilian Eggestein geht Löw in die ersten Länderspiele des Jahres. Zehn Tage nach der überraschenden Ausmusterung von Hummels, Boateng und Müller nominierte der Bundestrainer Hertha-Verteidiger Stark, den Leipziger Abwehrspieler Klostermann und den Bremer Mittelfeldspieler Eggestein in sein 23-köpfiges Aufgebot. Weitere Gruppengegner in der EM-Qualifikation neben den Niederlanden sind Nordirland, Weißrussland und Estland.

          Mario Götze, der sich aufgrund seiner bislang überzeugenden Rückrunde Hoffnungen auf ein Comeback gemacht hatte, wurde von Löw wieder nicht berücksichtigt. „Auf der offensiven Position haben wir – so wie im Moment auch auf der Halbposition – gute Möglichkeiten mit jungen Spielern, mit denen ich sehr zufrieden bin“, sagte Löw. Der 26 Jahre alte Götze hatte sich zuletzt bei Borussia Dortmund in verbesserter Verfassung gezeigt. „Ich habe registriert, dass Mario Götze sehr gut gespielt hat“, sagte Löw. Für die jetzt anstehenden Spiele im März sei der WM-Endspieltorschütze von 2014 aber „kein Thema“. Sein bisher letztes von 63 Länderspielen hat Götze im November 2017 bestritten.

          Der Leipziger Defensiv-Spezialist Marcel Halstenberg, der sein Länderspiel-Debüt schon im November 2017 gegen England (0:0) gab, kehrt nach langer, auch durch Verletzung bedingter Pause ins Aufgebot zurück. Der angeschlagene Julian Draxler von Paris Saint-Germain fehlt. Auf den Kölner Zweitligaspieler Jonas Hector, der sich zuletzt mit einem grippalen Infekt plagte, und den Schalker Sebastian Rudy verzichtet Löw. Matthias Ginter von Borussia Mönchengladbach soll trotz einer Muskel-Blessur am Montag anreisen, wenn Löw seinen Kader in Wolfsburg zwei Tage vor dem Serbien-Spiel versammelt.

          Manuel Neuer bleibt Stammtorwart in der deutschen Nationalmannschaft. Das betonte Löw. „Ich habe meine Aussage nicht irgendwie verändert“, sagte der Bundestrainer: „Manuel Neuer ist aktuell unsere Nummer eins.“ Aber auch der 32 Jahre alte Kapitän müsse „bei uns Leistungen bringen“, ergänzte Löw. Der Konkurrenzkampf würde auch die Torhüter-Position betreffen, bemerkte Löw: „Marc-André ter Stegen, der mittlerweile genauso auf Weltklasseniveau agiert, wird seine Chancen bekommen. Die werde ich ihm einräumen, dann wird man sehen.“ Der beim FC Barcelona seit Monaten stark spielende ter Stegen setzt darauf, dass es auch bei den Torhütern einen Neuanfang im DFB-Team geben müsse.

          Das deutsche Aufgebot im Überblick

          Tor: Manuel Neuer (Bayern München), Marc-Andre ter Stegen (FC Barcelona), Kevin Trapp (Eintracht Frankfurt)

          Abwehr: Matthias Ginter (Borussia Mönchengladbach), Marcel Halstenberg (RB Leipzig), Thilo Kehrer (Paris Saint-Germain), Lukas Klostermann (RB Leipzig), Antonio Rüdiger FC Chelsea), Nico Schulz (TSG Hoffenheim), Niklas Stark (Hertha BSC), Niklas Süle (Bayern München), Jonathan Tah (Bayer Leverkusen)

          Mittelfeld/Angriff: Julian Brandt (Bayer Leverkusen), Maximilian Eggestein (Werder Bremen), Serge Gnabry (Bayern München), Leon Goretzka (Bayern München), Ilkay Gündogan (Manchester City), Kai Havertz (Bayer Leverkusen), Joshua Kimmich (Bayern München), Toni Kroos (Real Madrid), Marco Reus (Borussia Dortmund), Leroy Sane (Manchester City), Timo Werner (RB Leipzig) 

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