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Neustart beim DFB-Team : Die Forderungen des Joachim Löw

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„Wir brauchen vor allem auch wieder gute Ergebnisse“: Joachim Löw Bild: dpa

Die Turbulenzen sind enorm rund ums Nationalteam: Löw-Vorgänger Klinsmann übt harte Kritik. DFB-Präsident Grindel rudert zurück. Nun setzt der Bundestrainer seine jungen Spieler unter Druck – und erklärt, was er von ihnen erwartet.

          Joachim Löw setzt vor dem Neustart mit der stark verjüngten deutschen Fußball-Nationalmannschaft seine „jungen Wilden“ unter Druck. Die Nachrücker für das von ihm ausgebootete Weltmeister-Trio stünden „jetzt an vorderster Stelle“, sagte der Bundestrainer der Welt am Sonntag: „Sie müssen mehr geben und mehr investieren.“ Jeder dieser Nationalspieler müsse „jetzt noch einen Schritt nach vorn machen und das Gefühl vermitteln: 'Hallo, jetzt bin ich da. Jetzt stehe ich für Deutschland auf dem Platz. (...) Ich will ein Turnier gewinnen. Ich bin kein Mitläufer mehr.' Das ist es, worum es jetzt geht“, führte Löw aus. Er traue es den Youngstern aber „ohne Wenn und Aber“ zu und wolle ihnen „Raum für Fehler“ geben.

          Dass der Druck nach der geräuschvollen Verabschiedung von Thomas Müller, Jerome Boateng und Mats Hummels auch auf ihn gestiegen ist, weiß Löw (59). Es besser zu machen sei „ein großer Antrieb, das motiviert mich“, sagte er vor den Länderspielen am Mittwoch in Wolfsburg gegen Serbien (20.45 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur Länderspielen und bei RTL) und am Sonntag zum Start der EM-Qualifikation in Amsterdam gegen Erzrivale Niederlande: „Jetzt brauchen wir zwar auch eine gute Spielweise mit viel Enthusiasmus. Aber wir brauchen vor allem auch wieder gute Ergebnisse. Und dazu brauchen wir den Mut zu Veränderungen.“

          Er freue sich auf die Arbeit auf dem Platz „und darauf, der Mannschaft ein neues Gesicht zu geben“, meinte Löw: „Das Turnier 2020 treibt mich an, auch die Veränderungen, die wir vorgenommen haben und noch vornehmen wollen. Die WM im vergangenen Jahr hat wehgetan, aber ich habe neue Energie daraus geschöpft.“ Löw mahnte abermals die Entwicklung eines temporeicheren Spielstils an, und betonte: „Das aber geht auch nicht auf Knopfdruck.“

          Eine Warnung von Vorgänger Jürgen Klinsmann und kritische Worte von DFB-Boss Reinhard Grindel zeigten derweil, wie groß der Druck auf Löw zum Jahresstart der Nationalmannschaft: Wenn der Bundestrainer am Montag im Ritz Carlton Hotel in Wolfsburg den nächsten Neuanfang nach dem WM-Desaster einläutet, steht er nach seinen umstrittenen Personalentscheidungen unter einem bislang nicht gekannten Ergebnisdruck. Ausgerechnet Verbandspräsident Grindel befeuerte mit Aussagen im fernen Florida die Stil-Debatte um den Fußball-Bundestrainer, die nach der heiß diskutierten Ausmusterung von Mats Hummels, Jérôme Boateng und Thomas Müller entbrannt ist.

          Zwar ruderte der DFB-Chef am Sonntag zurück und fühlte sich mit seinen eindeutigen Anmerkungen zu Löws Kommunikationspolitik falsch verstanden. Klar ist aber unabhängig von diesem präsidialen Schlingerkurs: Die auch nach dem WM-Debakel und dem Abstieg in der Nations League demonstrierte Nibelungentreue zu Löw und Direktor Oliver Bierhoff ist vor dem Länderspielauftakt am Mittwoch im Test gegen Serbien und dem Hammerstart in die EM-Qualifikation in Holland am Sonntag brüchig geworden.

          Auch bei zwei Niederlagen zum Jahresstart wolle man sicher nicht sofort wieder eine Personaldebatte um den Bundestrainer starten, hieß es aus höchsten DFB-Kreisen. Erst zum Ende der EM-Ausscheidungsrunde werde im Herbst Bilanz gezogen, ob die hohen Ansprüche beim Turnier 2020 auch zu erfüllen sind. Ein Fehlstart gegen die gefährlichen Serben und ein abermaliges Ergebnis-Desaster wie beim 0:3 im Herbst in Amsterdam würde den öffentlichen Druck jedoch wieder enorm erhöhen.

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