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Bundestrainer in der Ballack-Krise : Der Abschied vom netten Herrn Löw

Ist das noch der Joachim Löw von einst? Bild: Thilo Rothacker

Der Bundestrainer ist nicht mehr der, der er mal war. Er hat sich nach der erfolgreichen, wenn auch holprigen EM verändert – nur haben das Ballack, Frings oder Kuranyi nicht mitbekommen. Der Preis der Veränderung ist allerdings hoch.

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          Es gibt Fragen, die werden Joachim Löw oft gestellt. Eine dieser Frage ist, ob er sich als Bundestrainer verändert hat. Wenn man Joachim Löw in diesen Tagen wieder diese Frage stellte, dann würde er das wohl weder bestätigen noch verneinen. Er würde behaupten, dass er dies von sich nicht sagen könne. Dann könnte er noch anfügen, dass er immer schon gewusst habe, wie er seinen Weg erfolgreich gehen könne, auf seine Art eben, ohne große und laute Worte.

          Michael Horeni
          Korrespondent für Sport in Berlin.

          So oder so ähnlich spricht Joachim Löw seit vier Jahren über Joachim Löw. Denn seit er im Sommer 2004 wie aus dem Nichts an die Seite von Jürgen Klinsmann in den Mittelpunkt des deutschen Fußballs rückte, wurde er immer wieder gefragt, wie ihn die neue Aufgabe denn nun verändert habe. Und nachdem zwei Jahre später aus dem Assistenten Löw auch noch der Chef Löw geworden war, sagte er ebenfalls immer wieder, dass er an Joachim Löw keine Veränderung ausmachen könne.

          Bundestrainer Löw zeigt in der Ballack-Krise „Profil“

          In den vergangenen Monaten allerdings, seit der Europameisterschaft, hat zumindest seine engere Umgebung in der Nationalmannschaft sehr wohl Veränderungen am Bundestrainer festgestellt. Wenn die Lage derzeit nicht so angespannt wäre, dann würde Joachim Löw auch über Joachim Löw reden, und seine Helfer würden das auch tun. So aber heißt es in der Ballack-Krise nur, dass Joachim Löw seit der Europameisterschaft „Profil“ zeigt.

          Der Bundestrainer, der Profil zeigt, hat sich jetzt aber wieder zurückgezogen. Bis zur Unterredung mit Michael Ballack, von der Löw seine Konsequenzen abhängig macht, wollte er in der Öffentlichkeit nicht mehr auftreten. Jedes Wort, so das Kalkül, könnte in der angespannten Lage ein Wort zu viel sein. An der Entschlossenheit des Bundestrainers, bei der Konfrontation mit Ballack nicht klein beizugeben, herrscht beim DFB jedenfalls kein Zweifel mehr.

          „Schön, dass der Trainer wieder das Gespräch sucht“

          Zumal sich die Situation nach dem Interview Ballacks, in dem er die Amtsführung des Bundestrainers attackierte und die Mitspieler Thomas Hitzlsperger und Simon Rolfes indirekt kritisierte (siehe: Michael Ballack im F.A.Z.-Interview: „Frings' Rücktritt wäre schlimm“), aus Sicht der Nationalmannschaftsführung in den vergangenen Tagen noch weiter zuspitzte. Schon Ballacks erste Einlassung („Schön, dass der Bundestrainer mit mir wieder das Gespräch sucht“) nach Löws Aufforderung zu einem klärenden Gespräch mitsamt dem Hinweis, der DFB solle bei Chelsea um einen Termin nachfragen, wurde als pure Provokation empfunden.

          Dass dann am Freitag das Treffen platzte und der Verband nach Lage der Dinge davon per Fax vom FC Chelsea erfuhr und nicht der Bundestrainer direkt von seinem Kapitän, verschärfte den Konflikt zusätzlich. Chelsea verbot die Reise mit dem Hinweis auf den Gesundheitszustand nach einem operativen Eingriff an Ballacks Füßen (siehe: Veto von Chelsea: Ballack darf nicht zum Gespräch mit Löw reisen).

          Entmachtung wahrscheinlich, Rausschmiss möglich

          Joachim Löw, Assistent Hansi Flick, Torwarttrainer Andreas Köpke und Manager Oliver Bierhoff haben sich daraufhin umgehend zu Beratungen verabredet – eine Entmachtung von Kapitän Michael Ballack ist wahrscheinlich, ein Rauswurf aus der Nationalmannschaft nicht mehr ausgeschlossen. Der Bundestrainer, das ist bekannt, reagiert auf Verstöße gegen die Teamregeln sehr empfindlich. Er verzieh schon Bernhard Peters nicht dessen öffentliche Kritik während der EM. Er ließ ihn trotz hoher Qualifikation und persönlicher Sympathie aus dem Sportkompetenzteam des Deutschen Fußball-Bundes werfen.

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