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HSV verliert in Heidenheim : Das bittere Ende naht

Nicht zu fassen: der HSV vergeigt das Spiel in Heidenheim. Bild: dpa

Der Hamburger SV stellt sich in Heidenheim selbst ein Bein. Platz vier könnte die bittere Realität werden. Der direkte Aufstieg ist schon jetzt nicht mehr möglich.

  • -Aktualisiert am
          2 Min.

          Dieses späte Gegentor wirkte wie ein historischer Tiefschlag. Beim Hamburger SV ist das gesamte Konstrukt der HSV Fußball AG auf die Bundesliga und ihre Einnahmen ausgelegt. Sicher, auch das nun bevorstehende dritte Jahr in der Zweitklassigkeit kann der norddeutsche Traditionsklub überstehen; darauf hat Finanzchef Frank Wettstein vor einigen Wochen hingewiesen. Sogar einiges am Schuldenberg hat der HSV zuletzt abgebaut. Aber der natürliche Wettbewerbsraum eines Klubs dieser Größe muss die Bundesliga sein – irgendwann wird die Kluft zwischen Ober- und Unterhaus nämlich so groß, dass man sich als Aufsteiger ganz weit hintenanstellt.

          2. Bundesliga

          Der HSV kassierte das 1:2 am Sonntag in Heidenheim nach knapp 95 Minuten. Trainer Dieter Heckings Mannschaft wollte sich zum Remis mogeln, und wie zuletzt in Fürth und Stuttgart sowie gegen Kiel ging das schief. Die siebte Saisonniederlage beschert den Hamburgern die ungünstige Ausgangslage, am letzten Spieltag gegen Sandhausen gewinnen zu müssen, während Heidenheim in Bielefeld nicht siegreich sein darf. Platz vier wie im Vorjahr könnte die bittere Realität einer Saison sein, die gut begann, aber immer schleppender verlief. Der direkte Aufstieg ist schon jetzt nicht mehr möglich.

          Wie es der HSV schafft, sich verlässlich selbst ein Bein zu stellen, ist ein Fall für den Psychologen – den es in Gestalt von Patrick Esume ja seit ein paar Wochen gibt, seines Zeichens Mental-Trainer der Hamburger Fußballprofis. Auch er hat die Angst der Akteure vor dem späten Gegentor offenbar nicht beseitigen können.

          Mag das Drama um den HSV unterhaltsam für die Fußballöffentlichkeit sein, mussten Spieler und Trainer in Heidenheim erleben, wie spät, ganz spät der Ertrag der ganzen Saison verdarb. „Es scheint so zu sein, dass der Fußball-Gott nicht auf unserer Seite ist“, sagte Hecking, „aber wir sind auch selbst schuld, dass wir es nicht schaffen.“ Der HSV war in Heidenheim zunächst auf der Höhe, hatte durch Joel Pohjanpalo kurz nach der Halbzeit das 1:0 erzielt. Erst in der 80. Minute kam der 1. FCH zum Ausgleich, weil der Ball vom Hamburger Jordan Beyer ins Tor rollte. Als Heckings Team wackelte und nichts sehnlicher als einen Punkt wollte, traf Konstantin Kerschbaumer zum Sieg.

          Von einem glücklichen Ende einer schwachen Saison ist der HSV trotz des namhaften Trainers und eines starken Kaders weit entfernt. Sollten die Hamburger wieder Vierter werden, dürfte sich Dieter Hecking wohl in die lange Liste der Kurzzeittrainer im Volkspark eintragen.

          Viele Wünsche waren Hecking im Sommer 2019 erfüllt worden. Im Winter legten Kaderplaner Michael Mutzel und Sport-Vorstand Jonas Boldt nach. Es entstand eine Gruppe, die allemal die Fähigkeiten haben müsste, die zweite Liga zu dominieren. Doch je mehr den gegnerischen Trainern einfiel, den Hamburger Ballbesitzfußball zu bespielen, desto weniger hatte Hecking entgegenzusetzen.

          Pech bei Schiedsrichterentscheidungen sowie fehlende Entschlossenheit beim Verteidigen und Toreschießen ließen den HSV seit Wiederbeginn Mal um Mal ausrutschen. Sollte der Fußballgott am nächsten Sonntag kein Hamburger sein, steht den Verantwortlichen nun der nächste Neuaufbau bevor.

          Die Lage in der zweiten Liga

          Der VfB Stuttgart steht dicht vor dem Aufstieg in die Fußball-Bundesliga. Durch das beeindruckende 6:0 beim 1. FC Nürnberg festigten die Schwaben Rang zwei hinter Aufsteiger und Meister Arminia Bielefeld. Theoretisch braucht der VfB im Heimspiel am nächsten Sonntag gegen Darmstadt noch einen Punkt, um die direkte Rückkehr in die 1. Liga zu fixieren, er geht jedoch mit einer um elf Treffer besseren Tordifferenz gegenüber dem 1. FC Heidenheim in das Saisonfinale. Die Heidenheimer besiegten den Hamburger SV mit 2:1 und verdrängten den HSV dadurch vom Relegationsplatz. Mit einem eigenen Sieg in Bielefeld würde der FCH in die Relegation einziehen.

          Dynamo Dresden und der SV Wehen Wiesbaden sind dagegen so gut wie abgestiegen. Schlusslicht Dresden hat nach dem 1:0 in Sandhausen genauso wie Wehen, das 1:3 in Darmstadt verlor, jeweils 31 Punkte auf dem Konto. Beide haben drei Zähler Rückstand auf den Karlsruher SC, der nach 0:3-Rückstand ein 3:3 gegen Bielefeld erkämpfte. Der KSC hat gegenüber Wehen aber eine um zehn und gegenüber Dresden sogar um 14 Treffer bessere Tordifferenz. Nürnberg könnte im Falle eines Karlsruher Sieges und eines Unentschiedens in Kiel noch auf den Relegationsplatz abrutschen, aber nicht mehr direkt absteigen.

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