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Zweite Fußball-Bundesliga : Taktgeber vermisst

In Schieflage: Mergim Mavraj (Fürth), gefolgt von Mohamadou Idrissou (Eintracht)
          2 Min.

          Im letzten Heimspiel des Jahres hat sich die Frankfurter Eintracht nach einem bewegten Fußballjahr mit einem torlosen Unentschieden vom eigenen Publikum verabschiedet. Vor 35.500 Besuchern in der WM-Arena kam der Tabellenzweite der Zweiten Bundesliga am Montag über ein 0:0 gegen die Spielvereinigung Greuther Fürth nicht hinaus. Die Frankfurter, die vor der rund sechswöchigen Winterpause noch einmal antreten müssen, in sechs Tagen beim FC St. Pauli, liegen nach 18 Spieltagen nun mit drei Punkten hinter Spitzenreiter Fortuna Düsseldorf. Vor Fürth, dem aktuell ärgsten Verfolger, erarbeitete sich das Team um Trainer Armin Veh auch dank des glücklichen Teilerfolgs zum offiziellen Start der Rückrunde zwei Zähler Vorsprung.

          Marc Heinrich
          Sportredakteur.

          Vehs Marschroute für den Abend trug die Überschrift: „Mit vollem Risiko!“ Die Eintracht setzte im Sturm erstaunlicherweise auf die Dienste von Mohamadou Idrissou, ihrem zuletzt angeschlagenen Torjäger. Der Kameruner, der seit Anfang November von einer Knöchelverletzung gehandicapt wird, deswegen übers Wochenende einen Gips trug und laut Manager Bruno Hübner „demnächst auf jeden Fall operiert wird“, fand sich in vorderster Reihe wieder. In der Viererkette war es zudem Bamba Anderson, der trotz Knieschmerzen die Aufgabe des Abwehr-Mitorganisators übernahm und als Innenverteidiger sogleich gegen die forschen Franken mächtig zu tun bekam.

          Nicht weniger überraschend auch der abermalige Rollentausch zwischen den Pfosten: Der wieder genesene Oka Nikolov erhielt den Vorzug vor seinem jüngst überzeugenden Stellvertreter Thomas Kessler, der wieder ins zweite Glied rutschte.

          Schon nach vier Minuten konnte der Frankfurter Schlussmann sein Können beweisen, als er mit viel Geschick einen aus kurzer Distanz getretenen Schuss von Edgar Prib abwehrte. Prib und Nikolov waren es auch, die nach einer knappen Viertelstunde im Mittelpunkt einer Szene standen, die wohl in keinem Zweitliga-Jahresrückblick fehlen wird: Der Fürther Angreifer hatte den heraus geeilten Keeper mit viel Gefühl am Ball und einer Körpertäuschung bereits ins Leere laufen lassen, ehe er das Kunststück fertig brachte, die Kugel danach nicht ins leere Tore zu schieben, sondern an den Pfosten zu knallen. Mit dem Glück im Bunde war die Eintracht bei einem weiteren spektakulären Moment, als Sercan Sararer nach einem Sololauf durch den Strafraum auch Nikolov ausgetrickst hatte, doch Constant Djakpa kurz vor der Linie noch in höchster Not retten konnte (19.).

          Kabbelig: Eintrachts Constant Djakpa gegen Sercan Sararer Bilderstrecke
          Kabbelig: Eintrachts Constant Djakpa gegen Sercan Sararer :

          Den Frankfurtern fehlte es an einer ordnenden Kraft im Mittelfeld, die in der Rückwärtsbewegung und beim Umschalten auf Offensive den Kollegen als Taktgeber geholfen hätte. Pirmin Schwegler, der Kapitän und eigentliche Stratege der Elf, hatte genug damit zu tun, die vielen Lücken, die der laufstarke Fürther Olivier Occean immer wieder riss, zu stopfen. Chancenlos waren er und seine Mitstreiter in diesem Duell aber dennoch nicht. Benjamin Köhler (23.) und Theofanis Gekas (24.) scheiterten binnen Sekunden am aufmerksamen Torwart Maximilian Grün, ein Kopfball von Alexander Meier verfehlte sein Ziel nur um Zentimeter (32.).

          Dass die Eintracht in den Zweikämpfen mit der das Geschehen bestimmenden Spielvereinigung oft den entscheidenden Tick zu spät kam, ließ sich bis zur Pause auch an der Verteilung der Gelben Karte ablesen: Schiedsrichter Thorsten Kinhöfer verwarnte drei Frankfurter - und nicht einen Fürther.

          Nach dem Seitenwechsel blieb das Spiel umkämpft und ruppig, weil jetzt vor allem die Fürther hart einstiegen, es ging allerdings nicht mehr ganz so abwechslungsreich wie zuvor weiter. Die Vorstellung der Eintracht blieb auch deswegen nicht sonderlich ansehnlich, da es ihr kaum gelang, Idrissou und seinen Nebenmann Gekas vernünftig in Szene zu setzen.

          Mit der Einwechslung von Karim Matmour und Ümit Korkmaz für die erschöpft wirkenden Sebastian Rode und Gekas gab Veh nach rund siebzig Minuten das Signal zur Schlussoffensive, die frischen Schwung sowie den zwölften Saisonsieg bringen sollte - es verpuffte weitgehend; mehr als eine mittelprächtige Möglichkeit durch Korkmaz (89.) sprang nicht mehr heraus. Aufregend blieb es jedoch auch nach dem Schlusspfiff, als Occean und Djakpa aufeinander los gingen und nur mit viel Mühe ihrer weniger emotionsgeladenen Mitstreiter vor einer Prügelei bewahrt werden konnten.

          Eintracht Frankfurt - SpVgg Greuther Fürth 0:0

          Eintracht Frankfurt: Nikolov - Jung, Anderson, Schildenfeld, Djakpa - A. Meier, Schwegler - Rode (66. Matmour), B. Köhler - Idrissou (82. Hoffer), Gekas (71. Korkmaz)
          SpVgg Greuther Fürth: Grün - Nehrig, Kleine, Mavraj, Schmidtgal - Pekovic - Sararer (74. Pektürk), Fürstner, S. Schröck (89. Nöthe), Prib - Occean
          Schiedsrichter: Thorsten Kinhöfer (Herne)
          Zuschauer: 35.500
          Gelbe Karten: Anderson, Schwegler, Idrissou, Gekas, Hoffer - Nehrig, Pekovic, Occean

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