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Zweite Fußball-Bundesliga : Die Pfälzer Nullrotation ist bundesligareif

  • -Aktualisiert am

Grenzenloser Jubel: der Lauterer Markus Steinhöfer (r.) will Florian Dick nach seinem Tor zum 1:0 gegen die Münchner gar nicht mehr loslassen Bild: dpa

Der 1. FC Kaiserslautern kann nach dem 4:0-Heimsieg gegen 1860 München endgültig für die Bundesliga planen. Der Traditionsverein aus der Pfalz baut dabei auf eine althergebrachte Personalpolitik. Trainer Kurz vertraut noch auf eine Elf.

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          Wenige Meter unterhalb des Kaiserslauterer Betzenbergs steht seit seligen Tagen der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 eine durchaus charmante Skulpturensammlung. „Elf Freunde“ heißt das gewollt naive Kunstwerk, und es repräsentiert die Helden der Fritz-Walter-Elf aus den 50er Jahren. Damals, in den Zeiten vor der fußballneuzeitlichen Erfindung des Ersatzspielers und der Möglichkeit von taktischen Wechseln, war es noch gang und gäbe, dass eine Mannschaft tatsächlich aus elf Mann bestand, die eine Saison ohne Veränderungen durchspielte, wenn sich nicht gerade der sensible Fritz einen Schnupfen oder der robustere Werner Liebrich einen Beinbruch zugezogen hatte.

          Daniel Meuren

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          So gesehen knüpft der FCK des Jahres 2010 am Montag mit seinem 4:0-Heimsieg im Montagsspiel der Zweiten Liga gegen 1860 München an die glorreichen alten Zeiten der größten Lauterer Generation an - nicht nur wegen seiner nahezu sicheren Rückkehr in die Bundesliga (siehe: Zweite Bundesliga: Tabelle und Ergebnisse ). Denn wo andernorts über Schonung der Spitzenspieler und die Notwendigkeit zur Rotation diskutiert wird, fährt FCK-Trainer Marco Kurz einen traditionellen Kurs: Der 40 Jahre alte, stets mit einem Schal seines Klubs um den Hals am Spielfeldrand arbeitende Fußballlehrer hat in dieser Saison neun Spielern vom ersten Spieltag an die höchstens einmal form-, verletzungs- oder sperrebedingt für 90 Minuten unterbrochene Treue erwiesen. „Sicher ist es nicht von Nachteil, ein Kollektiv zu haben, das oft miteinander spielt. Aber wenn es keinen Erfolg hätte, würde ich es anders machen.“, sagte Kurz. „Ich mache das nicht aus Prinzip, sondern weil die Spieler in der Startelf mir lange keinen Anlass geben, etwas zu verändern.“ Die fünf Spieler des Defensivverbunds, Torwart Tobias Sippel und die Verteidiger Florian Dick, Markus Amedick, Rodnei und Alexander Bugera, verpassten deshalb sogar keine einzige der bislang 2430 Minuten in den ersten 27 Spielen der Saison - eine solche Konstanz dürfte es seit Einführung der Viererabwehrkette im deutschen Profifußball und vermutlich auch seit den Tagen der Walter-Elf nicht mehr gegeben haben. Für diese ungewöhnliche Bestleistung brauchte der FCK sicherlich auch ein wenig Glück mit der Gesundheit seiner Akteure - dennoch belegt die Statistik auch die Politik des Trainers, der nebenbei auch dazu steht, althergebrachte Trainingsmethoden nicht aus grundsätzlichem Modernisierungswahn heraus abzulehnen (siehe: FCK-Trainer Kurz: „Das Kopfballpendel ist ein wunderbares Gerät“).

          Auch im Spiel gegen die „Münchner Löwen“, für die Kurz bis zu seiner Entlassung vor 13 Monaten insgesamt fast ein Jahrzehnt lang als Spieler und Trainer tätig war, vertraute der konservative Modernisierer des FCK am Montagabend wieder der Mannschaft, die bis auf einen Spieler bei jedem Spiel der Rückrunde grundsätzlich zum Anpfiff auf dem Platz stand. Genau diese eine Abweichung vom Prinzip der „Pfälzer Nullrotation“ brachte seine Mannschaft auf die Siegerstraße: Markus Steinhöfer, der erst seit vier Spielen als Stammkraft geltende und im Winter aus Frankfurt gekommen Leiharbeiter, verwandelte einen Eckball direkt - freilich dank der regelwidrigen Unterstützung seines Teamkameraden Erik Jendrisek, der den Münchner Torwart Gabor Kiraly im Fünf-Meter-Raum mutwillig abdrängte und von einer Abwehraktion abhielt. Schiedsrichter Guido Winkmann übersah das offensichtliche Foul jedoch in seiner 50. Zweitligapartie trotz bester Sicht auf Tatort und Täter.

          Enger Zweikampf: der Lauterer Florian Dick (oben) wird von dem Münchner Djordje Rakic gefoult
          Enger Zweikampf: der Lauterer Florian Dick (oben) wird von dem Münchner Djordje Rakic gefoult : Bild: dpa

          Katastrophaler Fehler von Beda

          20 Minuten später schon entschied Jendrisek die Begegnung vor 39.619 Zuschauern im Fritz-Walter-Stadion deutlich regelkonformer: Eine Vorlage von Adam Nemec, der von einem katastrophalen Fehler des ehemaligen FCK-Kapitäns Matthieu Beda profitierte, bereitete mustergültig für seinen slowakischen Sturmpartner vor, Jendrisek verwandelte aus sieben Metern sicher (30.).

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