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Zweite Bundesliga : Stuttgarter Frischzellenkur

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Im Jubel vereint: Stuttgarter Profis Christian Gentner (l-r), Alexandru Maxim, Emiliano Insua und Daniel Ginczek Bild: dpa

Mit neuen Männern, neuen Ideen und neuen Prinzipien steht der VfB Stuttgart schon an diesem Sonntag vor der Rückkehr in die Bundesliga. Für den nachhaltigen Veränderungswillen des Vereins stehen drei Namen.

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          Auf dem Weg zurück nach oben schreckt den VfB Stuttgart auch nicht die Königsetappe dieser Rückrunde: das Auswärtsspiel bei Hannover 96 an diesem Sonntag (15.30 / Liveticker bei FAZ.NET). „Wir haben das Selbstvertrauen, in Hannover etwas zu holen“, sagt Hannes Wolf, der Trainer des Tabellenersten der Zweiten Bundesliga, vor der Reise zum Dritten, Hannover 96. Etwas holen? Ein Sieg beim Mitabsteiger aus der vorigen Saison, und die Schwaben hätten den großen Preis schon am vorletzten Spieltag sicher: den Wiederaufstieg in die erste Liga. Es wäre die Krönung einer Spielzeit, die der Traditionsklub mit mehr als 50.000 Mitgliedern nicht nur dazu genutzt hat, einen Betriebsunfall umgehend zu reparieren. Mehr noch: Der VfB hat den zweiten Bundesliga-Abstieg der Vereinsgeschichte nach 1975 personell, strukturell, sportlich und wirtschaftlich zu einer Art Facelift genutzt.

          Mit neuen Männern, neuen Ideen, neuen Prinzipien und neuem Elan. Diese Frischzellenkur könnte weit über die bevorstehende Rückkehr in vertraute erstklassige Gefilde hinaus dazu führen, dass der runderneuerte VfB auch in der Bundesliga wieder mehr anzubieten haben dürfte als den zehrenden Abstiegskampf der vergangenen Jahre.

          Drei Männer stehen für den nachhaltigen Veränderungswillen des VfB, der den ganzen Klub und seine große Anhängerschaft zu beflügeln scheint: Trainer Hannes Wolf und Sportvorstand Jan Schindelmeister als Anschieber des sportlichen Erfolgs sowie Vereinspräsident Wolfgang Dietrich. Ihm könnte es bei der außerordentlichen Mitgliederversammlung am 1. Juni nach vergeblichen Anläufen zuvor gelingen, die Profiabteilung des eingetragenen Vereins in eine auf einen Unternehmensgesamtwert von 350 Millionen Euro hochgerechnete Aktiengesellschaft auszugliedern und damit unter anderem auch frisches Geld – im Gespräch sind 100 Millionen Euro – zu akquirieren.

          24,9 Prozent der AG-Anteile stünden zum Verkauf, zwölf Prozent davon gingen an den langjährigen Partner, die Daimler AG, die verbindlich zugesagt hat, gegen eine Zahlung von 41,5 Millionen Euro als Investor einzusteigen. Immer vorausgesetzt, der VfB Stuttgart spielt in der kommenden Saison wieder in der obersten Liga. Bliebe der Klub ein weiteres Jahr zweitklassig, reduzierte sich das Investment bei einer vorerst nur fünfprozentigen Daimler-Teilhabe an der neuen AG auf 10,5 Millionen Euro.



          „Der VfB ist ein sportliches Symbol dieser Region“, sagt Dietrich, der Nachfolger des nach dem Abstieg 2016 zurückgetretenen Bernd Wahler. Etwas später trennte sich der Klub von Sportvorstand Robin Dutt, unter dem sich die vorher schon krisenhafte Lage der Stuttgarter weiter verschlimmert hatte. Ihn ersetzte am 8. Juli Schindelmeiser, der für ein paar Jahre raus war aus dem Bundesliga-Business und zuvor wesentlich daran mitgewirkt hatte, den Aufstieg der TSG Hoffenheim von der Regionalliga bis in die Bundesliga möglich zu machen.

          Anders als Dutt, der zwar viele Konzepte im Kopf, aber wenige Lösungen anzubieten hatte, verband Schindelmeiser, bestens im Fußball vernetzt, von vornherein mittelfristige Ziele mit kurzfristigen Verbesserungschancen. Er setzt auf mehr Jugend, Dynamik und Tempo. Ausgeliehene Profis wie Carlos Mané (Sporting Lissabon), Takuma Asano (FC Arsenal) oder Josip Brekalo (VfL Wolfsburg) brachten Feuer und Action ins Spiel. Auch andere Neu-Stuttgarter wie der Franzose Benjamin Pavard oder der Ghanaer Ebenezer Ofori beflügelten den jugendlichen Elan. „Wir sind auf dem Platz eine Einheit, der Erfolg schweißt zusammen“, sagt Stürmer Daniel Ginczek, der sich nach dem zweiten Kreuzbandriss seiner Karriere wieder nah an die Stammelf herangekämpft hat und nicht neidisch auf Simon Terodde ist, den mit bisher 23 Treffern besten Torschützen der zweiten Liga. Terodde, Ginczek, Mannschaftskapitän Christian Gentner, seit kurzem auch wieder Alexandru Maxim – das sind die erfahrenen Schlüsselspieler.

          Trainer Hannes Wolf: ein 36 Jahre alter Westfale, der das weiß-rote Perpetuum auf Touren bringt. Bilderstrecke
          Trainer Hannes Wolf: ein 36 Jahre alter Westfale, der das weiß-rote Perpetuum auf Touren bringt. :

          Trainer Hannes Wolf, ein 36 Jahre alter Westfale, ist derjenige, der das weiß-rote Perpetuum mobile Woche für Woche auf Touren bringt. Ihn wählte Schindelmeiser aus, nachdem die Chemie zwischen ihm und dem aufstiegserprobten, noch vor seiner Zeit geholten kauzigen Niederländer Jos Luhukay von vornherein nicht stimmte. Mit Wolf bildet der Sportvorstand, der auch die Trennung des Klubs vom affärenbelasteten Weltmeister Kevin Großkreutz schadlos hinbekam, eine harmonische Achse. Wolf, der zuvor als Jugendtrainer mit der U17 und U19 von Borussia Dortmund deutsche Meisterschaften feierte, wird von Frank Wormuth, dem Chefausbilder im Deutschen Fußball-Bund, mit dem Hoffenheimer Saisonaufsteiger Julian Nagelsmann („ein ähnlicher Typ“) verglichen.

          Fast 50.000 Zuschauer im Schnitt in der zweiten Liga

          Wolf selbst spürt eher die segensreichen Einflüsse, die seine Dortmunder „Mentoren“ Jürgen Klopp, der ihn zur Borussia holte, und Thomas Tuchel auf ihn gehabt hätten. Kopiert hat er keinen der beiden, dafür ist Wolf zu sehr Original. Er sagt, „Trainer des VfB zu sein ist für mich eine unglaubliche Chance zu wachsen.“ Der Wachstumsprozess dieses Trainers und seiner Mannschaft ist vom Publikum honoriert worden, das dem VfB die Treue hielt, als wäre er nie abgestiegen. Im Durchschnitt 50.030 Zuschauer kamen in der Saison 2015/16, als das Malheur passierte, zu den Bundesliga-Heimspielen der Stuttgarter; durchschnittlich 49.317, neuer deutscher Zweitligarekord, waren es nach 15 Heimbegegnungen in dieser Spielzeit. „Diese Unterstützung von den Rängen“, sagt Wolf, „trägt immer wieder dazu bei, dass die Spieler bis zum Schluss an sich glauben.“ Der Glaube an den Aufstieg wird auch in Hannover, gestützt von 5000 Stuttgarter Fans, nicht leiden. Notfalls wird der Gipfel, falls das Ziel an diesem Sonntag noch nicht erreicht ist, eine Woche später in Angriff genommen: beim Heimspiel gegen die Würzburger Kickers.

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