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Zweite Bundesliga : Köln gegen Wehen - Ein Spiel mit „Brodel-Faktor“

  • -Aktualisiert am

Der Vulkan aus Wiesbaden: Trainer Christian Hock Bild: dpa

Absteigen wird Aufsteiger Wehen Wiesbaden wohl nicht mehr. Dennoch tut eine knappe Niederlage wie die in Köln weh. Vor allem, weil die Gäste alles andere als einverstanden mit der Leistung des Schiedsrichters waren.

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          Ein herausragender Torhüter Faryd Mondragon sicherte dem 1. FC Köln einen 2:1-Sieg gegen den Zweitliga-Aufsteiger SV Wehen Wiesbaden und den Sprung auf Platz vier. Dass es trotz einer dürftigen Vorstellung des Aufstiegsaspiranten in der zweiten Halbzeit zu drei Punkten vor 40.000 Zuschauern im Kölner WM-Stadion reichte, dafür sorgten neben sensationellen Paraden des Kölner Keepers auch zweifelhafte Entscheidungen des Schiedsrichters Michael Gräfe.

          Nicht ganz zu Unrecht beschwerte sich Gäste-Trainer Christian Hock hinterher: „80 Prozent der Schiedsrichterentscheidungen sind heute gegen uns ausgefallen.“ Darüber regte sich Hock so sehr auf, dass er in der 63. Spielminute wegen Meckerns auf die Tribüne verwiesen wurde. Der Auslöser für den an der Seitenlinie ausbrechenden Wehener Vulkan, dessen Nachbeben auch eine Stunde nach Spielende noch deutlich zu spüren waren (Hock: „In mir brodelt es immer noch so sehr, dass ich gerne noch mehr über den Schiedsrichter sagen würde, es mir aber besser verkneife.“), war eine sehr penible Regelauslegung des Schiedsrichters.

          „Der Schiedsrichter hat uns verschaukelt“

          Hätte Gräfe in der 59. Minute nicht den von Ales Kokot verwandelten Elfmeter wiederholen lassen, das Spiel zwischen dem Zweitligakrösus und dem vermeintlichen Dorfverein mit einem Budget von 6,5 Millionen Euro hätte vielleicht eine ähnlich kuriose Wendung genommen wie das Hinspiel, das Wehen in der Frankfurter WM-Arena nach grandioser Aufholjagd mit 4:3 für sich entschieden hatte.

          Genau wie am 30. September letzten Jahres lag der SV Wehen Wiesbaden zunächst auch im Rückspiel am Ostersonntag mit 0:2 zurück, kam auf 1:2 heran und hatte eigentlich auch schon das 2:2 erzielt, doch dann „verschaukelte uns der Schiedsrichter“, wie der Wehener Stürmer Ronny König es ausdrückte. Dabei war er es gewesen, der zusammen mit dem Kölner Marvin Matip eine Zehntelsekunde zu früh in den Strafraum gelaufen war und Gräfe dazu animierte, den Strafstoß wiederholen zu lassen.

          „Angst, dass meinem Spieler der Kopf abgerissen wird“

          Im zweiten Anlauf schoss Kokot abermals unten links ein, doch dieses Mal ahnte der Kolumbianer die Ecke und parierte den Ball. Das brachte König in Rage: „Wenn er den ersten wiederholen lässt, muss er den zweiten auch wiederholen, weil da mindestens genauso viele Spieler in den Strafraum gelaufen sind.“ Damit hatte König Recht und deshalb sah auch Hock „rot“, denn bei Roda Antars Traumtor per Fallrückzieher (19.) hatte Hock bereits „Angst, dass meinem Spieler der Kopf abgerissen wird. Der Schiedsrichter hätte auch das schon abpfeifen können.“

          Bei Nemanja Vucicevic' 2:0 (31.) hatte der 37-Jährige zwar nichts gegen Gräfe einzuwenden, denn dieses Mal war Verteidiger Kristjan Glibo an der eigenen Strafraumgrenze auf dem Ball ausgerutscht und hatte das Gegentor dadurch eingeleitet. „Da hätte Glibo den Ball einfach nur weghauen müssen, dann wäre da nichts passiert“, sagte Hock, „doch in der Summe fühle ich mich ungerecht behandelt. Der Schiedsrichter hat Sachen gegen uns entschieden, die so ein Spiel entscheiden.“

          Glänzender Mondragon verhindert den Ausgleich

          Auch Christoph Daum, der wegen seiner Schiedsrichterbeleidung nach der Partie am 20. August gegen Alemannia Aachen selbst noch mit zwei Spielen Innenraumsperre belegt worden war, erkannte, dass die Partie in der zweiten Halbzeit zu kippen drohte. Er reagierte und brachte in der 61. Minute für Marvin Matip Matthias Scherz und für Patrick Helmes Milivoje Novakovic, der wegen „mangelnder Berufsauffassung“ zunächst auf der Bank schmoren musste.

          Der Führende der Zweitliga-Torschützenliste wäre selbst bei seinem Kurzeinsatz wahrscheinlich zu seinem achtzehnten Tor gekommen, hätte ihn Wehens Innenverteidiger Marko Kopilas nicht mit einer Notbremse (79.) daran gehindert. Kopilas bekam dafür berechtigterweise die Rote Karte, doch selbst mit zehn Akteuren wäre Wehen beinahe zum gerechten Ausgleich gekommen. Allein ein glänzend aufgelegter Mondragon verhinderte mit einer sensationellen Parade, dass Enis Alushi einen Freistoß aus 22 Metern über die Mauer hinweg zum 2:2 neben den Pfosten zirkelte.

          Müssen die Kölner Sieger ins „Straf-Trainingslager“?

          Hock rang nach dem Schlusspfiff um Fassung und versuchte die Niederlage mit einem 12:2-Eckenverhältnis zugunsten seiner Mannschaft abstrahiert von Schiedsrichter Manuel Gräfe zu betrachten: „Wir haben uns in der ersten Halbzeit auch von diesem Stadion und den Fans einlullen lassen. Das kann in der ersten Zweitligasaison passieren, denn man muss bedenken, dass acht Leute von uns letztes Jahr noch Regionalliga gespielt haben.“

          Ob Christoph Daums mit Großverdienern gespickte Mannschaft mit dieser Leistung den Aufstieg realisieren kann, ist weiter fraglich. Deshalb möchte Daum noch das Spiel gegen die Offenbacher Kickers am kommenden Sonntag abwarten, bevor er entscheidet, ob er sein Team in einem „Straf-Trainingslager“, wie es der Kölner Boulevard betitelte, in Bitburg zusammenzieht. Dort behält sich der Trainer vor, seine Mannschaft, bei der er die nötige Disziplin vermisst, konzentriert auf die darauf folgenden drei Partien in neun Tagen gegen Mönchengladbach (7. April), Paderborn (11. April) und Osnabrück (15. April) vorzubereiten.

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