https://www.faz.net/-gtm-6vglh

Zweite Bundesliga : Fortuna-Kult auf 46er Pumps

  • -Aktualisiert am

Symbolfigur: Andreas Lambertz hat alle Aufstiege der Fortuna mitgemacht Bild: dapd

Auf den ersten Blick wirkt Andreas „Lumpi“ Lambertz nicht wie ein Fußballprofi. Doch der Mannschaftskapitän ist das Herz, die Lunge und die Seele des Düsseldorfer Spiels. Nun träumt er von der Bundesliga.

          3 Min.

          Wenn Andreas Lambertz eines Tages auf seine Karriere zurückblickt und dies in Buchform tun sollte, könnte der Titel lauten: Fußball bis zur Erschöpfung. In die Katakomben der Düsseldorfer Arena schlurft er nach getaner Arbeit stets auf buchstäblich qualmenden Socken. Die Fußballschuhe in Größe 44 in der Hand. Fortuna-Trainer Norbert Meier neigt nicht dazu, seine Zweitligaprofis größer zu machen als sie sind. Für "Lumpi", wie Lambertz nur genannt wird, machte der Coach am späten Montagabend nach dem 2:1-Erfolg im Spitzenspiel gegen Greuther Fürth eine Ausnahme. Und wenn es nur die Schuhgröße ist. "In seinen 46er Pumps hat er sich wieder die Lunge aus dem Hals gerannt", sagte Meier anerkennend.

          Es ist müßig zu diskutieren, ob Kapitän Lambertz Identifikations-, Symbol- oder schon Kultfigur bei der Fortuna ist, die als Tabellenführer zielsicher Richtung Bundesliga strebt. Mit seinen etwas zu großen Füßen, etwas zu gebogenen Beinen und etwas zu langen Armen auf 1,75 Meter Körpergröße wirkt er auf den ersten Blick nicht wie ein Leistungssportler. Doch der Eindruck täuscht, wenn man auf sein immenses Laufpensum gepaart mit seiner auch fußballerischen Klasse im defensiven Mittelfeld achtet. Lambertz hetzt über das Feld wie ein Bluthund auf seiner Spur, sein Aktionsradius ist so groß wie die Ausmaße eines Fußballplatzes, er erobert im Laufe eines Spiels Bälle an allen vier Eckfahnen und weiß auch etwas mit ihnen anzustellen. Lambertz steht für Fußball total, ganz oder gar nicht.

          Jubelnde Fortunen: Die Düsseldorfer kehren mit dem Sieg gegen Fürth an die Tabellenspitze zurück

          33.000 Zuschauer in der Düsseldorfer Arena jubelten, als vor dem Anpfiff die Vertragsverlängerung mit Lambertz bis 2014 verkündet wurde. "Seine Art zu spielen, kommt beim Publikum an. Solche Spieler brauchst du", sagt Trainer Meier. Und solche Spieler, gleichzeitig Herz der Mannschaft und Seele des Vereins, sind selten im Profigeschäft. Entwaffnend ehrlich antwortete Lambertz auf die Frage, warum er in Düsseldorf verlängert hat: "Ich bin neun Jahre bei Fortuna. Wo soll ich denn sonst hin?"

          Sinnbild des Aufschwungs

          Der Siebenundzwanzigjährige, der schon in der A-Jugend das Fortuna-Trikot trug, steht sinnbildlich für den Aufschwung des Traditionsvereins. "Ich habe in der vierten Liga hier gespielt und jetzt kratzen wir in der zweiten Liga oben dran. Da sieht man mal, was hier möglich ist", sagt Lambertz, der für Fortuna bislang 22 Mal in der vierten, 150 Mal in der dritten und 67 Mal in der zweiten Liga spielte.

          Die Fortuna-Bosse betrachten die Personalie Lambertz als Signal an die Mannschaft, dass die Kontinuität gewahrt werden soll, die den Klub zuletzt ausgezeichnet hat. Das eingespielte, weil im Vergleich zum Vorjahr kaum veränderte Team dankt es, indem es keine Spiele mehr verliert. Fortuna ist die einzige noch ungeschlagene Mannschaft im deutschen Profifußball. Saisonübergreifend sind es schon 25 Pflichtpartien ohne Niederlage. Noch stolzer ist die Heimserie: Daheim holten die Fortunen in den vergangenen 22 Spielen 64 von 66 möglichen Punkten.

          Meier vermeidet „Aufstieg“ und „Bundesliga“

          Bundesligareif? Nach 15 Jahren Abstinenz? Trainer Meier braucht man zum perspektivischen Denken gar nicht erst anregen. Man müsse das alles "piano sehen", sagt der Fußballlehrer. "Im Fernsehen gibt es den Telefon- und den 50:50-Joker, bei uns ist alles Produkt harter Arbeit." Die Begriffe "Aufstieg" und "Bundesliga" kommen in Meiers Wortschatz und dem seiner Spieler jedenfalls nicht vor. Immerhin: Tobias Levels, einst Kapitän in der ersten Liga in Mönchengladbach und nun rechter Verteidiger in Düsseldorf, stellte fest: "Bei uns haut sich jeder für den anderen rein. Es ist brutal schwer, uns zu schlagen." Dies misslang am Montagabend auch Greuther Fürth, dem nach den Düsseldorfer Treffern durch Fink (18. Minute) und Langeneke per Foulelfmeter (38.) in der zweiten Halbzeit nur noch das 1:2 durch Edgar Prib (63.) gelang.

          Die Fürther reden aber im Gegensatz zu den Rheinländern über den möglichen Aufstieg. Auch wenn ihnen am Montag in den Augen ihres Torschützen Prib "die Leichtigkeit gefehlt hat, die man mit Freunden auf dem Bolzplatz an den Tag legt". Nur Vierter, ihre aktuelle Tabellenposition, wollen die Franken nicht werden, die seit Jahren zuverlässig knapp am Klassenziel vorbeischrammen.

          Traum von der Bundesliga

          Bei den Fortunen tanzte ausgerechnet Lambertz aus der Reihe der Von-Spiel-zu-Spiel-Denker. Nachdem er bekundet hatte, dass ihm die greifbar nahe Herbstmeisterschaft "so was von egal" ist, sagte der Kapitän: "Es ist mein Traum, mit Fortuna in der Bundesliga zu spielen - je früher, desto besser." Die Replik seines Trainers ließ nicht lange auf sich warten. "Er ist ein gestandener Spieler und darf seine Meinung vertreten. Morgen bekommt er dafür einen auf den Deckel."

          Wenn Lambertz eines Tages nicht der Sinn nach dem Verfassen einer Fußballer-Biographie stehen sollte, kann er sich auch noch die vor wenigen Tagen von zwei Fans veröffentlichte DVD greifen. Der Titel: "Nie mehr Oberliga - zwei Jahre in der Viertklassigkeit mit Fortuna Düsseldorf". Freilich mit „Lumpi“ Lambertz in einer Hauptrolle.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Der türkische Präsident mit seiner Ehefrau Emine in der Hagia Sophia

          Zukunft der Türkei : Kommt jetzt das Kalifat?

          Versperrte Wege: Wofür die Türkei dem Westen nicht mehr zur Verfügung steht und wohin sie unter dem „neuen Sultan“ treibt. Ein Gastbeitrag.
          Der Hauptangeklagte Stephan E. mit seinem Verteidiger.

          Geständnis von Stephan E. : „Es war falsch, feige und grausam“

          Eine schwere Kindheit, Jähzorn und Ausländerhass, der vom Vater übernommen sein soll. Nach dem Geständnis von Stephan E., Walter Lübcke erschossen zu haben, ist dessen Familie empört.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.