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Zweite Bundesliga : Daums Erfolgsformel: schönreden statt schön spielen

Daum: „Ein eminent wichtiger Sieg” Bild: dpa

Zwei Konter, drei Punkte, Tabellenführung zumindest bis zum Sonntag - für den 1. FC Köln und Trainer Daum war das 2:0 beim FC St. Pauli in der Zweiten Fußball-Bundesliga mehr als nur ein Punktspiel-Auftakt nach Maß.

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          Vielleicht war es schon Ausdruck der „neuen Erfolgsmoral“, die Christoph Daum propagierte. Es wirkte jedenfalls eine Spur zu forsch, wie der Trainer des 1. FC Köln nach dem 2:0-Sieg beim FC St. Pauli auch das Spiel mit den Konjunktiven zu seinen Gunsten entscheiden wollte. Was denn passiert wäre, wenn seine Mannschaft beim Aufsteiger mit 0:1 in Rückstand geraten wäre, wurde Daum gefragt. Seine Antwort sollte besonders selbstgewiss wirken. „Dann hätten wir 2:1 gewonnen“, sagte er, „oder habe ich mich verrechnet?“

          Ein Rechenfehler war es nicht, aber doch eine arg vereinfachende Sicht auf die ersten neunzig Minuten der Kölner Aufstiegsmission. Auf Seiten der Hamburger zumindest fand sich an diesem stimmungsvollen Abend am Millerntor niemand, der Daums Einschätzung von einem „verdienten Sieg“ teilen wollte. „Ich habe nicht gesehen, dass die Kölner uns mannschaftlich oder individuell überlegen waren - ganz im Gegenteil“, sagte Verteidiger Ralph Gunesch.

          In den beiden übrigen Partien trennten sich Aachen und Jena 2:2 und gewann Osnabrück 2:1 gegen Freiburg (Siehe auch: 2. Bundesliga: Ergebnisse und Tabelle).

          Der SC Freiburg biss sich an Aufsteiger Osnabrück die Zähne aus

          Fast mit dem Rücken zur Wand

          Daums Rechnung muss dem Bewusstsein entsprungen sein, dass seine Mannschaft eine kritische Ausgangssituation mit dem bestmöglichen Ertrag gemeistert hatte. Als klarer Aufstiegsaspirant in die Saison gegangen, stand der FC schon vor dem Spiel in Hamburg fast mit dem Rücken zur Wand. Das Pokal-Aus vor einer Woche beim Regionalliga-Team von Werder Bremen hatte die Stimmung im anspruchsvollen Kölner Umfeld erheblich getrübt. „Bei einer Niederlage hier wäre wieder alles gleich in Frage gestellt worden“, sagte Daum.

          Mit einem Etat von rund 30 Millionen Euro, dem zweithöchsten der Liga, zählt für den FC in diesem Jahr nur die Rückkehr in die Bundesliga. Bei einem abermaligen Scheitern stünden „drastische Einschnitte“ bevor, hat Geschäftsführer Claus Horstmann schon angekündigt. Trainer Daum, der in Köln dank seiner Erfolge in der ersten Amtszeit Ende der achtziger Jahre immer noch verehrt wird, hat nach dem enttäuschenden neunten Platz in der Vorsaison einen Kader weitgehend nach seinen Wünschen zusammenstellen können. Gleich 15 Spieler mussten gehen, zwölf neue kamen. Doch die ersten Kritiken für das runderneuerte Team waren miserabel. Vor allem der Abwehr wurde nach der Pokal-Niederlage jede Tauglichkeit abgesprochen. „Bremen“, räumte auch Manager Michael Meier ein, „hat Spuren hinterlassen.“

          „Es gab schon einige Unsicherheiten“

          Während der Woche versuchte Daum, seine Profis mit Gesprächen auf Kurs zu bringen. „Wir wollten eine neue FC-Erfolgsmoral aufbauen“, erklärte er. Taktisch zog er gegen St. Pauli im Prinzip die richtigen Schlüsse. „In Bremen haben wir von Anfang an losgelegt und uns an uns selbst berauscht. Heute ging es einzig um das Resultat“, sagte er. Deshalb verordnete er seiner Mannschaft eine defensivere Ausrichtung.

          Doch das Ergebnis direkt aus dieser Maßnahme abzuleiten - wie Daum es versuchte - war durch das Geschehen auf dem Platz nicht gedeckt. Was die Viererkette um den neuen Abwehrchef Kevin McKenna und Aleksandar Mitreski (der den verletzten Mohamad vertrat) ablieferte, wirkte immer noch reichlich wackelig. „Wenn wir in der Abwehr sicherer stehen würden, wäre ich noch ruhiger. Es gab schon einige Unsicherheiten“, räumte auch der Coach ein. Von den Zugängen konnte allein der 36 Jahre alte Torwart Faryd Mondragón, in Bremen noch eine Schwachstelle, überzeugen.

          Stärke im Angriff

          Die Stärke des Kölner Kaders, das war auch schon in der vergangenen Saison so, liegt ohnehin woanders: im Angriff. Obwohl das auch in Hamburg bekannt war, waren die Kicker vom Aufsteiger überrascht, mit welcher Klasse Patrick Helmes (65. Minute) und Milivoje Novakovic (79.) zwei sehenswerte Konter abschlossen und damit auch St. Paulis Serie von 30 Ligaspielen ohne Heimniederlage beendeten. „Das war Lehrgeld für uns“, behauptete der Hamburger Gunesch. Der Kölner Nationalspieler Helmes sagte: „Wir wissen, dass wir eine Offensive haben, die nicht viele Chancen braucht. Das haben wir eindrucksvoll bewiesen.“

          Trainer Daum setzt nun auf den Faktor Zeit, um das offensichtliche Ungleichgewicht in seiner Mannschaft zu beseitigen. „Ich habe immer gesagt, dass wir fünf, sechs Spiele brauchen, um zusammenzuwachsen“, betonte er. Auch Manager Meier prophezeite: „Es wird noch etwas dauern, bis wir das wahre Gesicht des FC sehen.“ Die Fans nahmen das Ergebnis unterdessen als das, was es war. Besser nämlich als das des rheinischen Rivalen aus Leverkusen, der vor einer Woche im DFB-Pokal mit 0:1 am Millerntor verloren hatte. „Seht ihr, Bayer, so wird das gemacht“, sangen sie - und wirkten mit ihrem FC schon wieder mehr als versöhnt.

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