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Zukunft der Bundesligarechte : Das nötige Kleingeld

Wer sieht was wann und wo? Der Kampf um die Bundesligarechte wird verbissen geführt Bild: dpa

Im Wettbieten um die Bundesligarechte steht die Telekom in der Kritik, weil an dieser der Staat beteiligt ist. Wieso kümmert kaum einen, was ARD und ZDF raushauen?

          Es ist schon erstaunlich, dass bei der Vergabe der Bundesligarechte alle über die Telekom sprechen, niemand aber über die ARD. Was war das für ein Geschrei, als der Ligaverband DFL die verschiedenen Rechtepakete vorstellte, von denen eines auch die Erstausstrahlung nicht im klassischen Fernsehen, sondern im Internet vorsieht: Die „Sportschau“ vor dem Aus! Untergang des Abendlandes!

          Michael Hanfeld

          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

          Und jetzt? Keine Rede mehr davon. Die ARD ist als potentieller Erstabnehmer im Fernsehen nämlich wieder einmal fast allein auf weiter Flur. Der Privatsender Sat.1 macht zwar pro forma Konkurrenz, hat es aber eher auf die samstägliche Zusammenfassung abgesehen, die im Augenblick das ZDF im „Sportstudio“ hat, und/oder auf die Sonntagszusammenfassungen, die derzeit der Spartensender Sport1 besitzt und auf die beiden Sonntagsspiele.

          Für das große Samstagspaket dürfte Sat.1 das nötige Kleingeld fehlen. Zwischen 75 und hundert Millionen Euro hat die ARD zuletzt pro Saison für die Bundesliga bezahlt. Ihr neues Gebot muss also um einiges darüber im dreistelligen Millionenbereich liegen. Das ist für den Gebührensender locker drin. Kaum jemand rechnet damit, dass das Erste in den Jahren 2013 bis 2017 ohne die „Sportschau“ auskommen muss.

          Der Abosender will das Original sein

          Im Fernsehen lautet die eigentliche Konkurrenz also Sat.1 gegen ZDF gegen Sport1. Elektrisierender ist derweil der Wettbewerb im Bezahlfernsehen. Die Telekom bietet nämlich dem Vernehmen nach für alle Bezahlrechte, nicht nur für die im Internet. Das würde den Abosender Sky ins Mark treffen - Rupert Murdoch könnte seine Investition in den Sender getrost abschreiben. Ohne Fußball würde Sky seine gerade erreichten drei Millionen Abonnenten niemals halten können.

          Der Sky-Vorstandschef Brian Sullivan hat sich zum dem Bieterverfahren, dessen erste Runde am Montag endete, gestern bei der Hauptversammlung seines Senders wohlweislich ausgeschwiegen. Er gab aber einen entscheidenden Hinweis: „Bei Sky dreht sich alles um exklusive und hochqualitative Inhalte.“ Will heißen: Ohne die Bundesliga ist alles nichts. Die Bilanz von jetzt 1,14 Milliarden Euro Umsatz und einem Verlust von 155 Millionen Euro sähe ungleich düsterer aus. Kein Wunder, dass in der Branche die Kunde umgeht, Sky sei bereit, auf die bislang pro Saison gezahlten rund 290 Millionen Euro noch einmal fünfzig Millionen draufzulegen.

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          Damit käme der Ligaverband dem Ziel, pro Jahr nicht mehr wie bislang 412 Millionen, sondern 450 bis 500 Millionen Euro einzunehmen. Allein, die neugeschaffene Konkurrenz hat einen Pferdefuß: Liegt die Telekom mit ihrem Angebot um zwanzig Prozent über Sky, müsste die DFL laut eigener Verpflichtung gravierende Vorbehalte ins Feld führen, um nicht mit der Telekom abzuschließen. Aber Sky auszubooten kann die Liga eigentlich nicht wollen - beim nächsten Rechteverkauf wäre der Sender weg vom Fenster, die gerade geschaffene Konkurrenz beim Bezahlfernsehen wäre perdu, die Telekom Nachfragemonopolist.

          Hinzu kommen die rechtlichen Bedenken gegen die Telekom als Rundfunkanbieter. Da der Staat mit 32 Prozent an den Unternehmen beteiligt ist, haben verschiedene Gutachter ins Feld geführt, dass die Telekom als Fußballsender nicht in Frage kommen dürfe. Die Landesmedienanstalten haben angekündigt, die Lage zu prüfen. Die zuvor von den Medienaufsehern akzeptierte Konstruktion, die Firma Constantin als Veranstalter zwischenzuschalten, stünde abermals in Frage. Und Sky könnte die ganze Sache durch Wettbewerbsklagen in der Schwebe halten. Auch daran kann die Liga kein Interesse haben. An dem Angebot der Telekom, die Rechte weiterzugeben, hat Sky wiederum kein Interesse - der Abosender will das Original sein, nicht die Kopie.

          Auch bei ARD und ZDF geht es um öffentliche Mittel

          Am wahrscheinlichsten ist, dass am Ende - das heißt noch im April, dann will die Liga entscheiden -, die Verschiebungen nicht so gravierend sind. Die ARD bleibt bei der „Sportschau“, Sky bleibt Fußballsender, das ZDF - das für 54 Millionen Euro die Champions League gekauft und damit Fußball reichlich hat -, setzt sich am Samstagabend gegen Sat.1 durch, dafür könnte Sat.1 sich sonntags gegen die ARD und Sport1 in Szene setzen - den letzten beißen die Hunde.

          Erstaunlich ist bei alldem nur, mit welchem Aplomb Medienrechtler gegen den - numerischen - Einfluss der öffentlichen Hand bei der Telekom argumentieren, die Tatsache aber, dass für den Fußball bei ARD und ZDF - Weltmeisterschaften, Europameisterschaften, Bundesliga, Champions League -, in den nächsten Jahren rund eine Milliarde Euro ausgegeben und ein Monopol errichtet wird, die Auguren offenbar nicht bekümmert. Dabei geht es auch dort um öffentliche Mittel. Nämlich um Gebührengeld.

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