https://www.faz.net/-gtm-aacds

Zukunft des Eintracht-Trainers : Adi Hütter und die Wochen der Wahrheit

Läuft da was zwischen Mönchengladbach und Adi Hütter? Bild: Groothuis/Witters/Pool/Witters

Sein Tun in Frankfurt ist eine bald dreijährige Cinderella-Story. Nun ist Adi Hütter mit der Eintracht auf dem Weg in die Champions League. Bei den eigenen Plänen reagiert der Trainer aber zugeknöpft.

          2 Min.

          Um zu verdeutlichen, dass von nun an viel auf dem Spiel steht, hatte sich Adi Hütter einer Redewendung bedient, die im Fußballbetrieb oft zu hören ist, wenn der Wert der Partie sich nicht allein in Punkten bemessen lässt. Der 51-Jährige sprach von „Wochen der Wahrheit“ und meinte damit diesen April. Der Start der von ihm betreuten Eintracht in diese Phase hätte besser nicht ausfallen können. Eines aber hatte der Österreicher beim Blick auf den anspruchsvollen Terminplan wohl nicht bedacht: dass der Spruch im Laufe des Monats auch noch auf ihn persönlich gemünzt werden könnte.

          Bundesliga

          Sportlich gewannen die Frankfurter dank ihres siebten Erfolgs im zehnten Rückrunden-Match zusätzlichen Rückenwind für die Schlussetappe dieser Bundesligasaison, bei der sie ein noch nie zuvor erreichtes Ziel vor Augen haben: Die Hessen können sich, machen sie so weiter wie beim 2:1 in Dortmund, erstmals in der Klubgeschichte für die Champions League qualifizieren. Die Mannschaft behauptete den vierten Platz in der Tabelle im Stile eines furchtlosen und (von Hütter) taktisch mustergültig abgestimmten Kollektivs. Der Vorsprung vor dem BVB als erstem Verfolger wuchs durch den Erfolg im direkten Duell auf sieben Zähler.

          Bei noch sieben ausstehenden Spielen können sich die Hessen selbstbewusst an die weiteren Aufgaben machen, ehe am 22. Mai abgerechnet wird. So weit schaute Hütter aber nicht nach vorne. Bevor er die Nationalspieler in seinem Kader in einen zweitägigen Kurzurlaub schickte, auf dass sie Kräfte sammeln sollen für den Endspurt, setzte er im Presseraum des Dortmunder Stadions zu einer Eloge auf seine Mitstreiter an. Sie hätten ihn „stolz“ gemacht, sagte Hütter: „Es geht ein Pauschallob an alle.“ In eigener Sache gab er sich dagegen zugeknöpfter.

          Nun winkt der nächste Zahltag

          Hütter, so hatte es den Anschein, lässt aktuell lieber Taten statt Worten sprechen – und betreibt damit ebenfalls Werbung in eigener Sache. Sein Tun in Frankfurt ist eine bald dreijährige Cinderella-Story. In seinem ersten Pflichtspiel schied er mit der Eintracht (als Titelverteidiger) in der ersten Runde des DFB-Pokals bei den Ulmer Amateuren aus.

          Diesem Anfang, dem überhaupt kein Zauber innewohnte, folgten in schöner Regelmäßigkeit glanzvolle Auftritte und Achtungsergebnisse in Serie: 2019 stieß das Team bis ins Halbfinale der Europa League vor, und 2020 folgte das Erreichen des DFB-Pokal-Halbfinales. Der Verkauf des von ihm so zusammengestellten Büffelherden-Sturms (Rebic, Jovic, Haller) brachte rund 100 Millionen Euro in die Klubkassen.

          Nun winkt der nächste Zahltag. Sollte die Eintracht tatsächlich in die Königsklasse vorstoßen, wären ihr rund 30 Millionen Euro aus Fernseh- und Vermarktungsentgelten garantiert; noch ist es eine Diskussion im Konjunktiv, doch auch Hütter befeuerte sie durch Andeutungen, indem er solch eine mögliche Leistung als Kunststück pries, das dann für die Eintracht dem Gewinn „der Meisterschaft“ gleichkäme.

          Dass er rund um die Begegnung mit dem BVB zu seinen persönlichen Absichten wenig beizusteuern bereit war, begründete er mit seiner professionellen Arbeitseinstellung. „Ich habe mich dazu entschlossen, mich auf das Spiel zu konzentrieren“, sagte er vor den Kameras und Mikrofonen, „dass wir eine unglaublich historische Chance haben, das ist für mich aktuell das Wichtigste. Und darauf habe ich mich fokussiert.“

          Die Möglichkeit, unmissverständlich Stellung zu beziehen zu den an Gründonnerstag publik gewordenen Spekulationen, er beziehungsweise sein Berater stünden mit Gladbach in aussichtsreichen Verhandlungen über einen Wechsel in diesem Sommer, wollte Hütter nicht nutzen: „Die Frage ist, ob ich immer Aufklärung betreiben muss, weil ich mich schon öfter geäußert habe.“ Damit spielte er auf seine Äußerungen von Ende Februar an, als er betont hatte: „Ich bleibe!“

          So deutlich benannte er seine Pläne am Wochenende nicht. Stattdessen richtete er sein Augenmerk auf die nächsten Herausforderungen: „Es kommt Wolfsburg, die sind unglaublich schwer zu bespielen, dann müssen wir zu Gladbach, wir haben Augsburg und Leverkusen.“ Anschließend sind die „Wochen der Wahrheit“ abgelaufen. Spätestens in 24 Tagen kann also darüber gesprochen werden, was die Zukunft bringt: für die Eintracht. Und sicher auch für Hütter.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          „Querdenker“-Demonstration in Stuttgart

          Corona-Klagen : Das Geschäft mit den Maskenmuffeln

          Verbraucheranwälte haben eine neue Goldgrube entdeckt: Mit Verfahren gegen Masken- und Testpflicht an Schulen lässt sich ordentlich Kasse machen.
          Auch vor der Kulisse des Bodensees sollte man seine Altersvorsorge nicht komplett vergessen.

          „Gender Pension Gap“ : Im Alter kommt das böse Erwachen

          Die Lücke im Alterseinkommen zwischen Frauen und Männern hat vielfältige Gründe. Doch vielen Frauen ist das Problem gar nicht bekannt. Dabei sind gerade sie davon betroffen.
          Brennpunkt mit viel Zuwanderung: Eine Hochhaussiedlung in Bremen (Archivbild von September 2011)

          Falsche Väter : Perfides Geschäft mit schwangeren Frauen?

          In Bremen beantragen immer mehr schwangere Frauen aus Afrika Sozialleistungen. Sie geben an, der Kindsvater sei deutscher Staatsbürger. Steckt dahinter organisierte Kriminalität?

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.