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Staunen über Borussia-Torhüter : Die „außerirdischen Paraden“ des Yann Sommer

  • -Aktualisiert am

Behielt die Übersicht: Mönchengladbachs Torhüter Yann Sommer Bild: Picture Alliance

Selbst der Gegner sprach am Ende vom „Super-Sommer“: Mit einer herausragenden Leistung sorgt Yann Sommer für Entspannung bei den zuletzt von Abstiegsangst geplagten Gladbachern. Das kommt nicht von ungefähr.

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          Yann Sommer ist daran gewöhnt, mit Komplimenten und Superlativen bodenständig umzugehen. Am Sonntag, nach dem 1:1 von Borussia Mönchengladbach gegen den FSV Mainz 05, schwärmten sie hüben wie drüben von dem 33 Jahre alten Torwart aus der Schweiz. Kein Wunder, da am Ende er allein den Gladbachern wenigstens das 1:1 rettete.

          Mit einer Reihe von Glanzparaden, über die im Borussia-Park alle nur noch staunen konnten. Adi Hütter, der österreichische Vereinstrainer des schweizerischen Nationaltorwarts, beurteilte dessen herausragende Leistung derart überschwänglich, als hätte er einem Fabelwesen mit extraordinären Fähigkeiten zugeschaut. Sommers Paraden seinen „außerirdisch“ gewesen.

          „Einfach versucht irgendwas zu machen“

          Eine genaue Erklärung für seine erste große Rettungstat, als er nach einem Pfostenschuss von Barreiro beim unhaltbar anmutenden Nachschuss von Burkardt (48.), noch auf dem Boden sitzend, seine rechte Zauberhand ausstreckte, gegen die der Ball dann prallte, wollte und konnte Sommer nicht liefern. „Es war eine Szene, in der man einfach versucht irgendwas zu machen“, sagte er.

          Bundesliga

          „Manchmal“, sagte er fast geheimnisvoll, „zuckt es einfach, auch in der Nacht.“ Kurz vor Spielende hatte Sommer, in der Westschweiz geboren, beim FC Basel zu einem Meistertorwart ausgebildet und seit 2014 ständiger Rückhalt der „Fohlen-Elf“, noch einen weiteren unfassbaren Ruckzuck-Auftritt, als er Burkardts Flachschuss abwehrte, danach sogleich auf den Beinen war und Lees präzisen Kopfball an die Latte lenkte (89.).

          „Mit Federer vergleichbar“

          Danach wurde wieder einmal über seine extreme Reaktionsgeschwindigkeit und Antizipationsfähigkeit geschwärmt. Und Sommer ist zwar ein Fußballheld der Borussia, der Bundesliga und der Schweiz, doch wie er vor und nach seinen Spielen auftritt, erinnert in seiner reflektierten, nahbaren, ruhigen Art, sich zu äußern an seinen großen Baseler Landsmann und Freund Roger Federer.

          Der Schweizer Historiker Dominique Dirlewanger hat über den Torwart mit der Aura des eleganten Nothelfers einmal gesagt: „Yann Sommer hat etwas typisch Schweizerisches, was die Identifikation mit ihm noch erhöht. Er ist in puncto Effizienz, Freundlichkeit und Zurückhaltung mit Federer vergleichbar.“ Der leidenschaftliche Hobbykoch, gelegentliche Gitarrist und Fan des Rolling-Stones-Leadgitarristen Keith Richards strahlt glaubwürdig jene innere Ruhe aus, die einem Torhüter, gepaart mit der Bereitschaft, ständig auf dem Sprung zu sein, gut tut.

          International hat der nur 1,83 Meter lange Sommer vor allem im vergangenen Sommer von sich reden gemacht, als er im EM-Achtelfinale mit einer herausragenden Leistung und dem parierten Strafstoß von Kylian Mbappé im finalen Elfmeterschießen entscheidend dazu beitrug, dass die Schweiz den Weltmeister aus dem Turnier kickte. Ein weiterer gehaltener Strafstoß im Qualifikationsspiel für die WM dieses Jahres beim 0:0 gegen Europameister Italien mehrte Sommers Ruhm.

          Noch dran: Yann Sommer trieb die Mainz-Profis fast zur Verzweiflung.
          Noch dran: Yann Sommer trieb die Mainz-Profis fast zur Verzweiflung. : Bild: Picture Alliance

          Vielflieger Sommer, der seine fehlende Länge mit außergewöhnlicher Reaktionsschnelligkeit und ausgefeilter Torwarttechnik wettmacht, ist mit seiner Grundhaltung in der Hocke allzeit bereit abzuheben. Die Geschichte seiner Heldentaten soll, geht es nach dem stets freundlichen Torwart, noch lange nicht vorbei sein.

          Gegenüber dem „Kicker“ hat er, dessen Vertrag in Mönchengladbach 2023 endet oder verlängert wird, gesagt, dass er sich vorstellen könne, bis zum Alter von 40 Jahren zwischen den Pfosten zu stehen. „Ich investiere auch sehr viel, um ein paar Jährchen rauszuholen, von der Ernährung bis hin zur Arbeit im mentalen Bereich“, sagte er im Oktober. Die Investitionen haben sich längst ausgezahlt und versprechen weiterhin eine Rendite, die manchmal sogar „außeridisch“ anmutet.

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