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Fußball-Bundesliga : Der neue Mut des VfL Wolfsburg

  • -Aktualisiert am

„Ich habe meine Ideen im Kopf. Und die müssen wir in die Köpfe der Spieler bringen“: Oliver Glasner Bild: dpa

Mehr Tempo, mehr Dynamik: Trainer Oliver Glasner will auf der Karriereleiter weiter nach oben klettern – davon möchte Wolfsburg profitieren. Spannende Neuzugänge und die Europa League versprechen eine aufregende Saison.

          Die kulturelle Vielfalt in der Umkleidekabine des VfL Wolfsburg wird durch eine neue Note ergänzt. Extrem höflich, ruhiger Tonfall, niedlicher Akzent: Wenn Oliver Glasner spricht, klingt das im phonetischen Duell mit dem Portugiesisch, Spanisch, Französisch oder Kroatisch der Spieler höchst interessant. Seine Lieblingsfloskel lautet: von dem her.

          Trotzdem hat sich der Österreicher den Ruf erworben, als Cheftrainer klar und deutlich sagen zu können, was er vermitteln möchte und erwartet. „Ich habe meine Ideen im Kopf. Und die müssen wir in die Köpfe der Spieler bringen“, sagt der neue Hoffnungsträger des VfL Wolfsburg. Glasner hat den Linzer ASK im Alter von 44 Jahren verlassen, um im deutschen Profifußball auf der Karriereleiter weiter nach oben zu klettern. Genau davon möchte der VfL Wolfsburg profitieren.

          Ein vielversprechender Kader steht bereit

          Die neuen Ideen, mit denen Glasner in Wolfsburg gerade seinen neuen Job angetreten hat, stehen unter einer konstruktiven Beobachtung. Er soll die VfL-Mannschaft so formen, dass sie einer Doppelbelastung in der Bundesliga und der Europa League standhält. „Wer international spielt, kann keine grundlegenden Probleme gebrauchen“, sagt VfL-Geschäftsführer Jörg Schmadtke. Vor allem er hat zu verantworten, dass mit Bruno Labbadia der in der vergangenen Saison sehr erfolgreiche Cheftrainer nicht mehr in Wolfsburg ist und durch Glasner abgelöst wurde.

          Schmadtke ist schon mit Hannover 96 und dem 1. FC Köln bis in die Europa League gestürmt, ehe beide Vereine unter der hohen Doppelbelastung zu ächzen und stolpern begannen. Auch die Rückkehr des VfL Wolfsburg in die Europa League verspricht neuen Ruhm und jede Menge Arbeit. Für Schmadtke wird es darum gehen, dass Glasner vor lauter Pflichtspielen in Serie ein gutes Mittelmaß zwischen Anspannung und Entspannung für seine Profis findet. Sein persönliches Ziel, mit Wolfsburg nachhaltig erfolgreich zu sein, resultiert aus schlechten Erfahrungen mit zu schnellem Fortschritt.

          An den guten Rahmenbedingungen, für die der VfL Wolfsburg sorgt, wird es unter der Regie von Schmadtke und Glasner nicht scheitern. Ein Jahr nach einem glücklichen Klassenverbleib in zwei Relegationsspielen gegen Holstein Kiel steht ein üppig besetzter Profikader zur Verfügung. Der Österreicher Xaver Schlager (RB Salzburg), der Schweizer Kevin Mbabu (Young Boys Bern) sowie die Brasilianer João Victor (Linzer ASK) und Paulo Otávio (FC Ingolstadt) sind Neuzugänge mit Können und Entwicklungspotential.

          Die Zeit der millionenschweren, europaweit bestaunten Transfers beim VfL Wolfsburg findet zehn Jahre nach dem Titelgewinn eine dezente Fortsetzung. Schmadtke und Glasner waren vor allem auf der Suche nach Personal, das Spaß an seiner Aufgabe findet und den Zuschauern Freude bereitet. Der Trainer möchte, dass alle Spieler Tag für Tag gerne zum Training kommen. Der Sportdirektor hofft, dass erfolgreicher und attraktiver Fußball in Wolfsburg geboten wird. „Das Abfallprodukt daraus ist dann ein volles Stadion“, sagt Schmadtke.

          Den nächsten Schritt machen

          Was genau Glasner anders als sein Vorgänger Labbadia machen will, lässt sich bisher nur bedingt heraushören. Der Österreicher stuft sich selbst als ehrlich, bodenständig und offen ein. So ähnlich hat sein Vorgänger in eigener Sache auch argumentiert. Was bleibt, ist die Hoffnung auf einen mutigeren Spielstil. Unter der Regie von Labbadia blieb die Mehrheit der Pässe und Aktionen von einem tiefen Bedürfnis nach Sicherheit geprägt.

          Glasner dagegen nimmt sich vor, beim VfL Wolfsburg eine von Tempo und Dynamik geprägte Spielstrategie zu etablieren. Das klingt nicht nach Labbadia, sondern nach dem, was in diesen Tagen jene Trainer verordnen, die sich für modern halten. Die Wolfsburger Spieler werden von diesem Montag an im Trainingsbetrieb erfahren, was genau sich ändern soll und wie kompliziert die Vorgaben werden. Ihnen ist angekündigt, dass viel mit dem Ball, mit Spaß und mit intensiver Kommunikation geboten wird. „Es wird aber nicht die Quadratur des Kreises. Wir brauchen nicht lauter Abiturienten“, versichert Glasner.

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