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Wolfsburgs Naldo im Gespräch : „Warum sollen wir die Bayern nicht angreifen?“

  • -Aktualisiert am

Naldo spielt brasilianisch, denkt aber deutsch Bild: Imago

Als Pokalsieger und Bundesligazweiter startet der VfL Wolfsburg ambitioniert ins erste Saisonspiel gegen Frankfurt (15.30 Uhr). Abwehrchef Naldo spricht über die Ziele des VfL, den drohenden Abschied von De Bruyne und die Zukunft seiner Kinder.

          Alles klingt derzeit nach Harmonie beim VfL Wolfsburg – bis auf ein Thema.

          Kevin?

          Genau.

          Solche Gerüchte wie die, ob Kevin De Bruyne den Verein verlässt oder nicht, sind im Profifußball ganz normal. Er hat eine überragende Saison gespielt. Deshalb ist es logisch, dass ihn viele gute Vereine auf ihrer Liste haben. Es ist sehr wichtig für uns, dass er bleibt. Aber wenn er gehen würde, könnte ich das auch verstehen. Im Moment gehe ich davon aus, dass er bei uns bleibt. Aber einen so guten Spieler wie Kevin zu verlieren kann vielleicht für Unruhe in der Mannschaft sorgen.

          Welchen Ratschlag geben Sie ihm?

          Kevin ist ein Teil unserer Mannschaft, der sehr wichtig ist. Aber er weiß auch, dass der eine oder andere Mitspieler genauso wichtig für das Team ist. Unsere Mannschaft schenkt Kevin das volle Vertrauen. Auf dem Spielfeld hat er nahezu alle Freiheiten und darf auf mehreren Positionen spielen. Dieses Vertrauen hat er bei einem Verein wie dem FC Chelsea nicht gespürt. Und vielleicht wäre das auch bei Manchester City nicht der Fall. Ich denke, er kann und sollte noch ein paar Jahre bei uns in Wolfsburg spielen.

          Damit er in der besten Liga der Welt bleibt, wie Sie einmal sagten? Warum finden Sie die Bundesliga so gut?

          In der Bundesliga wird sehr taktisch und sehr diszipliniert gespielt. Mir und meiner Spielweise kommt das sehr entgegen. Dazu kommt: Die Stadien sind fast immer ausverkauft. Das Niveau ist hoch. Wenn man in der Bundesliga 3:0 führt, kann man sich immer noch nicht ganz sicher sein, das Spiel wirklich zu gewinnen. Ich denke, dass die Bundesliga und die Premier League derzeit die besten Ligen der Welt sind.

          Zwei, die Wolfsburg voranbringen: Kevin de Bruyne und Trainer Dieter Hecking (r.)

          Ist ein Wechsel nach England für Sie undenkbar? In der Premier League lässt sich im Moment mehr Geld verdienen.

          Undenkbar – das gibt es im bezahlten Fußball nicht. Wer weiß, welche Art von Angebot ich bekomme. Aber in meinem Kopf ist im Moment alles klar. Ich fühle mich in Wolfsburg sehr wohl. Meine Familie auch. Und ich möchte eine weitere gute Saison spielen.

          Warum fühlen Sie sich in Wolfsburg wohl? Liegt das auch an Klaus Allofs, der schon bei Werder Bremen Ihr Chef war?

          Als ich aus Brasilien zu Werder Bremen kam, waren Klaus Allofs und der damalige Trainer Thomas Schaaf sehr wichtig für mich. Sie haben mir vom ersten Tag an ihr Vertrauen geschenkt und mich zum Stammspieler gemacht. Für mich ist Klaus Allofs nicht nur ein sehr guter Manager, sondern auch ein sehr guter Mensch. Ich kenne ihn jetzt schon seit zehn Jahren. Irgendwie ist er für mich wie ein deutscher Vater geworden.

          Sie sind Deutscher geworden und leben lieber im östlichen Niedersachsen als an der Copacabana. Warum?

          Meine Kinder sind hier geboren. Die Lebensqualität in Deutschland ist eine ganz andere als in Brasilien. Wir fühlen uns hier sehr sicher. Ich sehe die Zukunft meiner Kinder in Deutschland und nicht in Brasilien. Und wenn ich auf dem Platz stehe, denke ich längst auf Deutsch.

          Deutschland ist mehr denn je Zufluchtsort für Flüchtlinge aus aller Welt. Berührt Sie dieses Thema? Wie gehen Sie damit um?

          Vielen Menschen in Brasilien geht es schlecht. Aber es gibt so viele Menschen in anderen Ländern, denen es noch schlechter geht und die auf der Flucht sind. Das ist wirklich eine schwierige Situation, und es ist sehr wichtig, diesen Menschen zu helfen. Und ich finde, Deutschland macht das sehr gut.

          Müssen Sie sich als Bundesligaprofi immer wieder mal daran erinnern, welch privilegiertes Leben Sie führen?

          Ich denke jeden Tag daran. Vor kurzem hatten wir eine Autogrammstunde. Dann siehst du, wie wichtig wir den Menschen sind. Sie wollen ein Teil von uns sein. Ich bedanke mich täglich bei Gott dafür, dass ich Fußballprofi sein darf. Und ich möchte ein Mensch bleiben wie jeder andere. Ja, mein Job ist es, Fußball zu spielen. Und ich verdiene viel Geld. Aber trotzdem sind alle Menschen gleich.

          Bilderstrecke

          Wie schaut es sportlich aus? Der VfL hat die vergangene Saison als Zweiter beendet und ist Pokalsieger. Haben diese Erfolge den Verein verändert?

          Als ich vor drei Jahren nach Wolfsburg kam, hatte der VfL noch mehr als 40 Spieler im Kader. Das war zu viel. So etwas kannte ich nicht. Jetzt haben wir mit Klaus Allofs und Dieter Hecking eine ganz andere Philosophie. Sie erinnern uns immer wieder daran, dass man in der Fußball-Bundesliga nur mit harter Arbeit ganz oben bleiben kann.

          Ist der Verein vernünftiger geworden?

          Er ist erwachsener geworden. Wolfsburg war 2009 Meister und wäre ein Jahr danach fast abgestiegen. Daraus hat der Verein gelernt. Wir sind jetzt so gefestigt, dass uns so etwas aus meiner Sicht nicht mehr passieren kann. Aber die Euphorie ist sehr groß. Deshalb müssen wir ganz genau aufpassen.

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          An diesem Sonntag beginnt für Sie gegen Frankfurt (15.30 Uhr / Live bei Sky und im Bundesligaticker auf FAZ.NET) die neue Saison. Ist Wolfsburg gut genug, um der erste Jäger von Bayern München zu sein?

          Wir haben viel Qualität in unserer Mannschaft. Und wir haben den FC Bayern in einem wirklich guten, intensiven Supercup-Spiel geschlagen. Deshalb denke ich: Wenn die Bayern in der neuen Saison mal eine Schwächephase haben, dann müssen wir da sein und um die Meisterschaft mitspielen. Wir waren Zweiter, wollen wieder in die Champions League und in der Bundesliga noch mehr erreichen. Warum sollen wir also die Bayern nicht angreifen, wenn sich die Möglichkeit ergibt?

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