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Wolfsburgs Edin Dzeko : Der 40-Millionen-Euro-Mann

  • Aktualisiert am

Der VfL Wolfsburg ist nur Mittelmaß, an Edin Dzeko liegt es nicht Bild: dapd

Edin Dzeko gilt als Musterprofi. Doch dem VfL Wolfsburg ist der Bosnier längst entwachsen. Dzeko will zu einem großen Klub in Europa. Im FAZ.NET-Interview spricht er über seinen Marktwert, seine Kindheit und sein Erfolgsrezept.

          Irgendwie ist es auch ein Symbol seiner Bescheidenheit. Wenn Edin Dzeko in seiner Heimatstadt Sarajevo unterwegs ist, dann sitzt er oft in einem weißen VW Golf. Das gefällt dem Hauptsponsor des VfL Wolfsburg, aber es passt auch zu diesem jungen Mann, der trotz seines kometenhaften Aufstiegs bescheiden und zurückhaltend geblieben ist. Mit gerade einmal 24 Jahren ist der Bosnier einer der begehrtesten Angreifer des europäischen Kontinents, verschiedene Top-Klubs haben längst Interesse an ihm bekundet: der FC Chelsea, Manchester United, der FC Arsenal, der AC Mailand oder Juventus Turin - kaum eine Woche vergeht, in dem er nicht mit anderen Vereinen in Verbindung gebracht wird. Dem VfL Wolfsburg, der in dieser Saison bislang nur in der Bedeutungslosigkeit der Tabelle steht, ist Dzeko längst entwachsen. Doch sein Vertag beim VfL läuft noch zum bis zum Sommer 2013, und nur für eine Ablöse in Höhe von 40 Millionen Euro darf er den Verein verlassen.

          Sind Sie das wirklich wert?

          Es ist schwierig für mich, über diese Summe zu reden. Das sollen lieber andere tun. Es ist sehr, sehr viel Geld, das habe ich schon immer gesagt. Es ist, wie es ist. Man kann diese Situation nicht mehr verändern und muss sehen, was die Zukunft bringt. Sicher ist: Hätte im Sommer ein Verein diese 40 Millionen bezahlt, dann hätte ich Wolfsburg vielleicht schon verlassen. Aber niemand war bereit dazu.

          In der vergangenen Saison sicherte sich Dzeko mit 22 Treffern die Torjägerkanone

          Wie haben Sie die Situation empfunden?

          Sie war sehr schwierig für mich, das ist klar. Vor allem für meinen Kopf. Ich musste ihn danach wieder freibekommen. Ich habe viel Druck in mir gespürt, habe mir viele Gedanken gemacht. Natürlich hat mich das belastet.

          Können Sie sich vorstellen, innerhalb der Bundesliga zu wechseln?

          Wohin kann man denn innerhalb von Deutschland wechseln? Realistisch wäre nur, von Wolfsburg nach München zu gehen. Aber Bayern hat viele Stürmer. Es gab auch kein Angebot. Darum habe ich mir zu diesem Thema bislang keine Gedanken gemacht. Die Möglichkeiten, die ich im Sommer hatte, waren andere.

          Ihre große Liebe ist ohnehin der AC Mailand.

          Ja, ich bin ein Fan von Milan, seitdem ich ein kleiner Junge war. Für mich war es immer der beste Verein, obwohl ich erst vor zwei Jahren mit Wolfsburg zum ersten Mal dort im Stadion war. Aber ich habe niemals gesagt, dass ich nur nach Mailand wechseln würde. Es gibt viele große Vereine in Europa.

          Damals in Sarajewo spielte Dzeko oft im Trikot des AC Mailand auf der Straße. Doch der große Fußball war für ihn ganz weit weg. Als er sechs Jahre alt war, kam der Krieg in sein Land. Viele Stadien und Fußballplätze wurden von den Serben vermint. Dort, wo einst Leichtigkeit war, gab es nun vor allem Angst. Angst um das eigene Leben und vor dem nächsten Angriff. Erst mit zehn Jahren spielte Dzeko zum ersten Mal Fußball in einem Verein, dem FK Zeljeznicar Sarajevo. Heute ist er ein kleiner Held in Bosnien-Hercegovina. Die Leute tragen sein Nationaltrikot mit der Nummer 11 - und sie lachen, wenn sie Dzeko begegnen.

          Wie haben Sie die Zeit damals erlebt?

          Als ich ein keiner Junge war, gab es immer Gefahr, es konnte einfach immer etwas passieren. Du konntest nach draußen gehen, aber musstest dich dabei immer verstecken und aufpassen. Einmal wollte ich vor unserem Haus mit meinen Freunden spielen, aber meine Mutter verbot es mir. Sie hatte ein komisches Gefühl, also bin ich in der Wohnung geblieben. Wenig später knallte es draußen: Bumm, bumm! Mehrere Granaten sind direkt in unserer Straße eingeschlagen.

          Welche Rolle haben Ihre Eltern damals gespielt?

          Es war eine schwierige Situation für uns alle. Trotzdem haben meine Eltern immer alles für mich, meine Schwester und den Rest der Familie gegeben. Sie wollten, dass wir einmal ein besseres Leben haben. Und dass wir dabei nicht vergessen, was war. Dass wir einfach nur Mensch sind - und es immer bleiben.

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