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VfL Wolfsburg : Und wo soll Schürrle spielen?

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Andre Schürrle ist das – und wer muss weichen in der Stammelf der Wolfsburger? Bild: dpa

Am Mittwoch wurde Andre Schürrle in Wolfsburg vorgestellt. Das 1:1 in Frankfurt liefert interessante Hinweise, wer für den Weltmeister aus der VfL-Elf weichen muss – und wer besser nicht auf dessen Lieblingsposition spielen sollte.

          Klaus Allofs gab das Motto vor: „Mund abputzen, weitermachen.“ Das Wolfsburger Spiel in Frankfurt war am Dienstagabend erst wenige Minuten vorbei, da wollte sich der VfL-Geschäftsführer schon gar nicht mehr mit dem 1:1 beschäftigen. Dabei hätte es genug Stoff für Diskussionen gegeben. Nach der 4:1-Gala gegen die Bayern hätte Wolfsburg den Rückstand auf die Münchner mit einem weiteren Sieg in nur zwei Spielen nahezu halbieren können, weil der Spitzenreiter zur gleichen Zeit beim 1:1 gegen Schalke wieder nicht gewann. Nun sind es weiterhin acht Punkte Abstand zu den Bayern.

          Tobias Rabe

          Verantwortlicher Redakteur für Sport Online.

          Der VfL Wolfsburg konnte sogar froh sein, dass Kevin de Bruynes später Treffer immerhin einen Zähler rettete. Vorher war ein Tor von Bas Dost wegen einer kaum zu erkennenden Abseitsstellung von de Bruyne nicht anerkannt worden. Diese Fehlentscheidung störte die Wolfsburger zwar, das große Lamento stimmten sie aber nicht an. Vor der Abreise aus Frankfurt war im Lager des VfL vor allem Vorfreude zu spüren auf einen Weltmeister, der am Dienstagmorgen im Schneeregen mit dem Athletiktrainer seine Runden in Wolfsburg drehte und an diesem Mittwoch von 11.00 Uhr an erstmals gemeinsam mit den neuen Kollegen auf dem Trainingsplatz stehen wird.

          Der Hype um Andre Schürrle, dessen Transfer vom FC Chelsea am Montag für eine geschätzte Ablösesumme von 32 Millionen Euro perfekt gemacht wurde, ist groß – zumindest medial. Sechs Kamerateams und ebenso viele Fotografen begleiteten die ersten Schritte auf Wolfsburger Rasen. Die Fans schreckte womöglich das Wetter ab: Nur drei standen am Trainingsplatz. An diesem Mittwoch um 13.00 Uhr wird der Neuzugang, der einen Vertrag bis 2019 unterschrieb und de Bruyne (22 Millionen Euro) als Rekordtransfer des VfL ablöst, bei einer Pressekonferenz offiziell vorgestellt. Dann muss Trainer Dieter Hecking eine wichtige Frage beantworten: Wo soll Schürrle spielen?

          Dass er den Weltmeister, der bei Chelsea zumindest durch regelmäßige Teileinsätze Spielpraxis hat, zunächst auf der Bank Platz nehmen wird, ist schwer vorstellbar. Das Heimspiel gegen Hoffenheim am Samstag (15.30 Uhr / Live bei Sky und im Bundesliga-Ticker bei FAZ.NET) wäre die ideale Bühne, um das neue, teure Schmuckstück im Kader den eigenen Fans zu präsentieren.  Obwohl er Rechtsfuß ist, agierte Schürrle sowohl bei Chelsea als auch in der Nationalmannschaft zumeist auf der linken Offensivseite – von dort bereitete er auch Mario Götzes goldenes WM-Tor in Rio vor.

          In Wolfsburg ist die linke Seite bisher das Revier von Ivan Perisic. Nachdem der Kroate wegen eines Schulterbruchs den Saisonstart verpasst hatte, war er danach bei Hecking gesetzt und zeigte starke Leistungen, garniert mit drei Toren und vier Vorlagen. Schürrle könnte auch über rechts kommen, wo Daniel Caligiuri in Frankfurt eine ordentliche Partie machte. In der Mitte der offensiven Dreierreihe im 4-2-3-1-System hinter Stürmer Dost agierte de Bruyne in überragender Form. Der Ausgleich war schon sein sechstes Saisontor, hinzu kommen elf Vorlagen.

          Womöglich hat Hecking vor dem Duell mit Hoffenheim aber auch gar nicht die Qual der Wahl, wen er für Schürrle aus der bisherigen Startelf verbannen muss. Perisic wurde in Frankfurt ausgewechselt. Er habe schon beim Warmmachen Probleme gehabt, berichtete Hecking nachher. „Kurz vor der Halbzeit hat der Gesäßmuskel zugemacht. Mal sehen, wie es für Samstag aussieht.“ Sollte Perisic ausfallen, dürfte Schürrle dessen Position im linken Mittelfeld übernehmen und Hecking würde die Entscheidung zumindest dieses Mal abgenommen.

          Schon in Frankfurt hätte Hecking den Weltmeister gut gebrauchen können. Der Coach brachte Aaron Hunt für Perisic. Der frühere Bremer, der im vergangenen Sommer nach Wolfsburg kam, übernahm de Bruynes Position, während der Belgier nach links rückte. Dort aber war er weniger ins Spiel einbezogen als zuvor im Zentrum. Erst als Wolfsburg zurücklag, Hecking mit Marcel Schäfer einen neuen Mann für links außen brachte und de Bruyne im neuen 4-1-4-1-Sytem wieder nach innen rückte, bestimmte der Belgier wieder das VfL-Spiel – und erzielte nach Pass von Schäfer in die Mitte das 1:1.

          Mit Reha- und Athletiktrainer Oliver Mutschler drehte Schürrle am Dienstag die ersten Runden in Wolfsburg Bilderstrecke

          Fest steht, dass Schürrle mit seiner Schnelligkeit zur Wolfsburger Spielidee passt. Wie beim Konter-Festival gegen die Bayern beeindruckte der VfL in Frankfurt durch rasante Angriffe, denen nur Präzision im Abschluss fehlte, wie Hecking monierte: „Wir haben heute nicht klar genug gespielt. Da müssen wir uns an die eigene Nase fassen.“ Doch dann dachte auch der Trainer schon an Mittwoch und Schürrle: „Wir freuen uns auf das erste Treffen. Auch die Bundesliga darf sich freuen.“ Zwischen 2009 und 2013 traf Schürrle in 131 Spielen für Mainz und Leverkusen 38 Mal.

          Und was erwartet ihn zum Einstand? Ein Aufnahmeritual für neue Spieler gibt es in Wolfsburg nicht. Bisher. „Vielleicht führen wir das morgen noch ein“, sagte Torvorbereiter Schäfer lächelnd. Damit dürfte Schürrle kein Problem haben. Bei Chelsea müssen sich Neuankömmlinge auf einen Stuhl stellen und zum Einstand vor versammelter Mannschaft singen. Als er 2013 nach London kam, brachte er die Einlage auf der Asien-Tour mit dem Lied „Burn“ von Usher hinter sich. Womöglich sollte Schürrle sich den Songtext nochmal besorgen, bevor er endlich im Wolfsburger Fußballchor mitmachen darf.

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