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3:1 gegen Kiel : Wolfsburg gewinnt die erste Runde

  • -Aktualisiert am

Sieger in der ersten Runde: VfL Wolfsburg Bild: Reuters

Der Bundesligaklub aus Wolfsburg setzt sich im ersten Relegationsspiel 3:1 gegen am Ende starke Kieler durch, darf sich seiner Sache aber noch lange nicht sicher sein.

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          Vielleicht war dieser bundesweite Spott, der über ihn hereingebrochen war, dann doch ein wenig voreilig. Holstein wer? Dick Origi, der belgische Stürmer in Diensten des VfL Wolfsburg, hatte vor den beiden Relegationsspielen gegen Holstein Kiel freimütig eingeräumt, dass er über diesen mutigen Zweitligaverein wenig bis gar nichts wusste. Inzwischen ist klar: Holstein Kiel weiß jetzt ziemlich genau, wer eigentlich dieser Herr Origi ist. Der Mann für die Offensive führte die Niedersachsen zu einem 3:1-Sieg gegen Außenseiter Kiel.

          Bundesliga

          Origi schoss im ersten Relegationsspiel in Wolfsburg in der 13. Minute den Führungstreffer, den Kingsley Schindler (34.) noch ausgleichen konnte. Aber nach dem 2:1 für Wolfsburg durch Josip Brekalo bereitete Origi noch das 3:1 (56.) von Yunus Malli sehenswert vor. Sein Ruf als professioneller Fußballspieler war damit vor 28.800 staunenden Zuschauern wiederhergestellt.

          Das miese Gefühl, nach 34 ohnehin schon schlechten Saisonspielen noch für die Nummer 35 und 36 nachsitzen zu müssen, war dem VfL Wolfsburg eigentlich nicht anzumerken. Was die „Wölfe“ als hoher Favorit gegen Kiel zu zeigen hatten, war eine bissig und lange Zeit überlegen geführte Partie. Innenverteidiger Robin Knoche verblüffte mit gekonnten Dribblings und vielen guten Pässen. Ein Solo von ihm hatte sogar den Wolfsburger Führungstreffer eingeleitet. „Relegation macht nie Spaß“, sagte Knoche vor den Überstunden gegen Kiel. Während der Partie hätte man ihm für seinen richtig guten Auftritt aufmunternd auf die Schultern klopfen wollen.

          Es muss ein ziemlich schrecklicher Moment für den VfL Wolfsburg gewesen sein, als das zwischenzeitliche 1:1 zu beklagen war. Entweder hatten die Profis aus der Bundesliga ihren Berufskollegen Dominick Drexler nicht so richtig ernst genommen. Oder aber man hatte sich nicht getraut, ihn bei seinem Alleingang an der Außenlinie körperbetont zu stören. Drexler spielte frech drei Wolfsburger Gegenspieler aus und bereitete das 1:1 durch Schindler mustergültig vor.

          Aber einer kurzen Phase der Ernüchterung folgte aus Sicht der Wolfsburger ein weiteres Glanzlicht. Der Kroate Josip Brekalo blüht auf den letzten Metern der Saison richtig auf. Er hatte schon beim finalen Saisonspiel gegen den 1. FC Köln (4:1) eine herausragende Leistung gezeigt. Sein Treffer zum 2:1 gegen Kiel war das Ergebnis von Mut und Schusskunst. Brekalo traf aus der Distanz nach einem eher harmlosen Wolfsburger Angriff. Die abermalige Führung war der verdiente Lohn dafür, dass sich Wolfsburg nicht resigniert die Halbzeitpause entgegen gesehnt, sondern weiter nach vorne gespielt hatte.

          Was hätte nicht alles möglich sein können, wenn der VfL Wolfsburg mit mehr Ruhe und Qualität durch die Saison 2017/18 geeilt wäre? Nach drei Trainerwechseln und so mancher Irritation in der Vereinsführung gab es für die Spieler genügend Ausreden für schlechte Leistungen. Der Plan, dass in Kürze mit dem ehemaligen Kölner Geschäftsführer Jörg Schmadtke ein neuer starker Mann die sportlichen Belange der VfL Wolfsburg Fußball GmbH verantworten könnte, spricht für bessere Zeiten – ob nun weiterhin in der ersten Liga oder doch noch in der zweiten Klasse. Der vermeintliche Neuzugang steht jedenfalls in dem Ruf, einen von Harmonie und Ehrgeiz geprägten Spielerkader zusammenstellen zu können.

          Holstein Kiel hadert: die Chancen auf ein besseres Resultat waren da

          Am Donnerstagabend war zu erkennen, dass die aktuelle Mannschaft des VfL Wolfsburg durchaus guten Fußball spielen kann und will. Aber die Bereitschaft dazu ist erst erstaunlich spät in der 21. Bundesligasaison des Vereins sichtbar geworden. Für alle Anhänger von Holstein Kiel bleibt der Trost erhalten: Das schöne Märchen vom Aufsteiger, der gleich noch einmal aufsteigen könnte, hat noch gar kein Schlusskapitel.

          Dass der Außenseiter in Wolfsburg eher verhalten aufgespielt hatte, nur zu gelegentlichen Kontern ansetzen konnte und erst in der Schlussphase zu besten Chancen kam, ist verständlich. In der bisherigen Geschichte der Relegation mit neun Duellen zwischen Erstligaverein und Zweitligaklub konnte sich sieben Mal das klassenhöhere Team durchsetzen.

          Nach diesem Strickmuster waren die Spielanteile in diesem Hinspiel auch verteilt. Wolfsburg trat mit breiter Brust auf, spielte seine Routine aus und hatte am Ende sogar ein wenig Glück, nur einen Gegentreffer kassiert zu haben. Für das Rückspiel am Pfingstmontag (Anpfiff 20.30 Uhr/live im Eurosport-Player und im Relegations-Liveticker bei FAZ.NET) bleibt die Frage, ob es die Kieler im heimischen Stadion ein wenig torgefährlicher und zielsicherer hinbekommen.

          „Wir hatten genug Torchancen“, sagte Kiels Trainer Markus Anfang. „Wir haben uns leider nicht belohnt.“ Auch die Wolfsburger waren jedoch nicht komplett zufrieden. „Es ist ein bisschen schade, dass wir nicht das vierte Tor gemacht haben“, sagte Maximilian Arnold. „Nichtsdestotrotz haben wir drei Tore geschossen, einziges Manko ist das Gegentor.“ Dennoch gab sich Arnold selbstbewusst: „Ich denke, wir werden in Kiel alles klar machen.“

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