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Wolfsburg gegen Leverkusen : Plastik auf dem Vormarsch

Millionen statt Emotionen: Der VfL Wolfsburg kann Kevin de Bruyne (l.) kaufen, aber nicht die Zuneigung der Fans Bild: REUTERS

Der sportliche Knaller des Bundesliga-Spieltages heißt Wolfsburg gegen Leverkusen oder VW gegen Bayer. Aber den meisten Fußballfans ist das Spiel um 18.30 Uhr egal. BVB-Chef Watzke hält die fehlenden Emotionen für ein Problem.

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          An diesem Samstag (18.30 Uhr/live in Sky und F.A.Z.-Liveticker) tritt der Tabellenzweite beim Tabellenfünften an, weit über ein Dutzend Nationalspieler aus Deutschland, Brasilien und zahlreichen anderen Ländern werden auf dem Platz stehen, für beide Klubs geht es um die Teilnahme an der Champions League. Besseres als das Duell zwischen dem VfL Wolfsburg und Bayer Leverkusen hat die Bundesliga derzeit kaum zu bieten - wenn die Bayern nicht involviert sind.

          Michael Horeni

          Korrespondent für Sport in Berlin.

          Beim Bezahl- und Fußballsender Sky hat dieser sportliche Knaller des Tages bisher allerdings keine allzu große Begeisterung ausgelöst, ganz im Gegenteil. Die Spiele der beiden Werksklubs gelten bei dem Pay-TV-Anbieter - der für die Bundesliga etwa 480 Millionen Euro in dieser Saison hingelegt hat und mit deutschem Spitzenkick sein Geld verdienen will - als der Quotenkiller schlechthin. Das Hinspiel wollten in der Einzelübertragung weniger als 5000 Zuschauer sehen. In offizieller Lesart sieht das dann noch ein bisschen trostloser aus: 0,00 Millionen.

          „Kein anderes Spiel erreicht so zuverlässig Katastrophenquoten“, spottete der Branchendienst „Meedia“ im Herbst, als die Werksteams beim 3:1 für Leverkusen wieder unterhalb der Wahrnehmungsgrenze geblieben waren. Nur ein einziges von bisher fünf Duellen zwischen VW und Bayer kletterte seit Beginn der Sky-Quotenmessung 2011 überhaupt mal über die magische Zahl von 0,00. Es war ein Sonntagsspiel - ohne Konkurrenz durch andere Bundesligaspiele. Kleiner Trost für die beiden Topklubs mit der Null-Ausstrahlung: An diesem Samstag wird die Quote wegen der Anstoßzeit um halb sieben nicht ganz so trübe sein. Denn wenn niemand anderes spielt, dann schalten die Leute auch Wolfsburg gegen Leverkusen ein.

          Veränderte Statik

          Für manchen Fußballtraditionalisten ist Bayer Leverkusen so etwas wie die Mutter aller Plastikklubs - und das Duell zwischen Wolfsburg und Leverkusen die Inkarnation des deutschen Kommerzfußballs. In Wolfsburg und Leverkusen wird keine einzige wichtige Entscheidung und kein großer Transfer gegen den ausdrücklichen Wunsch von VW und Bayer getroffen; im geschniegelten One-Man-Klub Hoffenheim ist der Wille von Finanzier Dietmar Hopp Gesetz - und am Horizont taucht in Leipzig schon der Konzern Red Bull mit seinem Retortenklub auf, der im Sommer in die zweite Liga und dann auch bald in die erste Klasse aufsteigen dürfte. Kein anderer Verein stellt die Emotionen und Leidenschaft für den Fußball in einem ohnehin immer stärker kapitalisierten Geschäft derart kühl und konsequent in den Dienst der Marke des Unternehmens - und schließt den Einfluss der Mitglieder derart rigide und satzungsstrapazierend aus wie die österreichischen Herren der Dose.

          Immerhin etwas mehr Herz: Bayer Leverkusen nach der Niederlage gegen Paris
          Immerhin etwas mehr Herz: Bayer Leverkusen nach der Niederlage gegen Paris : Bild: REUTERS

          Die Statik und das Gesicht der Bundesliga werden sich, so fürchten Fußball-Liebhaber in Hamburg, Dortmund, München, Schalke oder Mainz, mit dem Nachfolger von Bayer und VW noch weiter von ihren Ursprüngen entfernen.

          Watzke kritisiert

          Aber Plastik ist nicht gleich Plastik. So kann man jedenfalls Hans-Joachim Watzke verstehen, den Geschäftsführer von Borussia Dortmund und Chefkritiker des deutschen Unternehmensußballs. „Mir geht es doch einzig und allein um folgenden Punkt: Wenn es irgendwann in der Zukunft bei aller sportlichen Berechtigung noch mehr konzerngetragene Klubs in der Bundesliga geben sollte als zum jetzigen Zeitpunkt, dann müsste die Bundesliga befürchten, an Zuschauern zu verlieren. Und dadurch womöglich an Attraktivität“, sagt Watzke vor dem Duell zwischen VW und Bayer. Der Dortmunder Geschäftsführer macht aber auch deutliche Unterschiede angesichts der verschiedenen Ausformungen des Konzernfußballs, die den Profifußball in Deutschland immer stärker prägen.

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