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Eintracht Frankfurt : „Wir sind einer der gesündesten Bundesligaklubs“

  • -Aktualisiert am

„Es passt, wie noch nie in meiner Zeit bei der Eintracht“: Wolfgang Steubing. Bild: Frank Röth

28 Millionen Euro Eigenkapital, 60 Millionen Fernseheinnahmen, über 150 Millionen Umsatz: Die Eintracht sprengt ihre finanziellen Ketten. Doch Aufsichtsratschef Wolfgang Steubing formuliert bescheidene Ziele.

          5 Min.

          Vorstandsmitglied Axel Hellmann lobt den neuen Trainer Adi Hütter schon vor dessen erstem Training. Sie auch?

          Peter Heß
          Sportredakteur.

          Das ist gut, dass Axel das tut, wir brauchen keine Kakophonie in Vorstand und Aufsichtsrat. Ich habe Adi Hütter bis jetzt nur telefonisch gesprochen und sage, wir werden zurechtkommen. Natürlich haben wir uns vorher sorgfältig informiert. Und ich habe nichts Schlechtes über ihn gehört. Im Gegenteil. Wie Sie wissen, ist der frühere Eintracht-Spieler Pirmin Schwegler mein Freund. Dessen Bruder hat unter Hütter gespielt und nur Gutes berichtet. Und dass Uli Hoeneß mir sagte, auch die Bayern hätten Hütter auf dem Radar gehabt, ist mir eine innere Bestätigung. Ich hatte ihn nicht auf dem Schirm. Aber Fredi Bobic mag ja phantasievolle Lösungen.

          Nachdem der Rausch des Pokalsieges verflogen ist: Wie sehen Sie die Zukunft der Eintracht? So rosig wie viele Fans?

          Ich war nie im Rausch, ich schaue auch bei Triumphen über den Tellerrand hinaus. Ich habe mich sofort gefragt: Was ist jetzt eigentlich passiert? Was bedeutet das für die Zukunft? Für uns ist der Pokalsieg eine Hypothek für die Zukunft. Ich freue mich, aber ich sehe auch, was auf uns zukommt. Die Europa League bedeutet eine große Herausforderung, an der mancher gescheitert ist, der in den Europapokal so hineingerutscht ist. Im Erfolg kann man die größten Fehler begehen – und wir haben viele Entscheidungen zu treffen. Wie viel wir investieren, wo wir investieren, in wen wir investieren.

          Und wie gehen Sie die Sache an? Offensiv oder defensiv?

          Wir haben jetzt mehr Möglichkeiten, Lösungen zu finden. Vor zwei Jahren mussten wir einen Spieler für eine Million Euro verkaufen, wenn wir einen neuen für 500.000 Euro verpflichten wollten. Jetzt sprechen wir über andere Summen, und es muss auch keiner mehr verkauft werden, um investieren zu können. Aber wir wollen keine Abkürzungen auf dem Weg nach oben nehmen, wir wollen weiter langsam und kontinuierlich wachsen und dabei auch die Rahmenbedingungen und die Infrastruktur verbessern. Wie mit dem Bau der Geschäftsstelle und des Campus, wie mit der Einwicklung neuer Geschäftsfelder. Es wird längst nicht jeder Extra-Euro in Transfers fließen. Für mich sind die sportlichen Ziele in der Bundesliga im Wesentlichen dieselben wie vor der vergangenen Saison. Nichts mit dem Abstiegskampf zu tun haben und vielleicht einen etwas ansehnlicheren Fußball spielen. Das wäre schon ganz gut. Für uns ist der Pokalsieg die Bestätigung unserer Arbeit in den vergangenen zwei Jahren, nicht die Plattform für einen Angriff auf Platz fünf.

          Wie wertvoll ist der Pokalsieg?

          Das lässt sich nicht genau evaluieren. Aber er sorgt allein dafür, dass wir nicht aus der Verteilung des internationalen Fernsehtopfes der Bundesliga fallen. Das sind schon mal fünf, sechs Millionen Euro im Jahr. Dann macht uns der Titel für Sponsoren interessant. Früher mussten wir 100 Mal gegen eine Tür rennen, bis sie vielleicht einmal aufging. Jetzt kommen Sponsoren auf uns zu. Wir haben mehrere Anfragen, zum Teil über ein Volumen von fünf, sechs Millionen Euro über drei Jahre. Aber das muss natürlich erst noch genau ausgehandelt werden. Früher war alles ganz einfach. Da gingen wir zum alten Ammerschläger (Frankfurter Kaufhaus-Besitzer Alois Ammerschläger, die Redaktion), tranken drei Flaschen Wein in seinem Büro, und er buchte eine Werbebande. Heute kommen Spezialisten und schauen, wo die Schnittstellen sind, ob es Übereinstimmungen bei den Marken-Philosophien gibt und welche Effekte erzielt werden können.

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