https://www.faz.net/-gtm-8cinv

Uli Hoeneß : Frei auch für den FC Bayern

„Das war‘s noch nicht!“ Uli Hoeneß wird weiter beim FC Bayern sein – nur in welcher Position? (Bild vom Mai 2014) Bild: dpa

Vom 29. Februar an ist Uli Hoeneß wieder ein freier Mann. Kehrt der frühere Präsident dann auch an die Spitze des FC Bayern zurück? Der Weg für Hoeneß an die alte Position ist längst geebnet.

          „Das war‘s noch nicht!“ Es war die letzte Botschaft, die Uli Hoeneß nach seiner Verurteilung im März 2014 in die Welt schickte, unter dem Jubel der Mitglieder des FC Bayern. Schon weniger als zwei Jahre später wird die Frage akut, was diese Botschaft nun für die Zukunft des FC Bayern bedeutet – wenn Hoeneß am 29. Februar wieder ein freier Mann sein wird.

          Christian Eichler

          Sportkorrespondent in München.

          Der frühere Manager und Präsident des deutschen Fußball-Rekordmeisters, der Mann, der diesen Klub groß machte, der zur mächtigsten Figur des deutschen Fußballs wurde und über eine Steueraffäre stürzte, wird dann vorzeitig aus der Haft in der Justizvollzugsanstalt Landsberg entlassen – nach 21 der 36 Monate, zu denen er wegen Hinterziehung von 28,5 Millionen Euro Steuern verurteilt worden war.

          Die restliche Strafe werde zum 29. Februar 2016 für drei Jahre zur Bewährung ausgesetzt, teilte das Landgericht Augsburg am Montag mit. Es betrachtet die gesetzlichen Voraussetzungen für die Zustimmung zum Antrag auf Halbstrafe als erfüllt. Zu den Besonderheiten des Falles gehöre, dass sich der Verurteilte durch eine Selbstanzeige den Ermittlungen ausgeliefert und den Schaden durch Zahlungen von mindestens 43 Millionen Euro beglichen habe, so die Gerichtsmitteilung. Bei der Entscheidung seien auch „die Persönlichkeit des Verurteilten, sein Vorleben, die Umstände seiner Tat, sein Verhalten im Vollzug und seine Lebensverhältnisse“ berücksichtigt worden. Zudem stelle sich „sein sozialer Empfangsraum äußerst günstig“ dar.

          Dieser „soziale Empfangsraum“ ist neben der Familie Hoeneß vor allem die Familie FC Bayern. Schon seit dem 2. Januar 2015, als er nach Verbüßung von sieben Monaten Haft in Landsberg Freigänger wurde, arbeitet Hoeneß tagsüber in der Jugendabteilung auf dem Vereinsgelände an der Säbener Straße und verbringt nur noch die Nächte hinter Gittern, im Freigängerhaus Rothenfeld nahe dem Starnberger See.

          Schon seit einiger Zeit arbeitet Hoeneß wieder beim FC Bayern – in der Jugendabteilung.

          Ob Hoeneß sich mit dieser Tätigkeit in der zweiten Reihe des FC Bayern, wo er an der Modernisierung der Talentförderung und der Planung des neuen Jugendzentrums beteiligt war, begnügt, ob er sich vielleicht ganz ins Privatleben zurückzieht – oder ob er bei den Präsidiumswahlen, voraussichtlich im November 2016, in die alte Machtposition zurückkehren will, könnte eine der spannendsten Fragen des Fußballjahres werden.

          Die Frage zu Hoeneß‘ Zukunft war schon bei der letzten Jahreshauptversammlung im November laut geworden. „Ich glaube, Uli hat selbst noch gar keine Entscheidung gefällt“, sagte der Vorstandsvorsitzende Karl-Heinz Rummenigge zu Nachfragen über die Pläne des alten Weggefährten. Die Zeit wird zeigen, was er vorhat.“

          Neue App Der TAG jetzt auch auf Android
          Neue App Der TAG jetzt auch auf Android

          Das neue Angebot für den klugen Überblick: Die wichtigsten Nachrichten und Kommentare der letzten 24 Stunden – aus der Redaktion der F.A.Z. – bereits über 100.000 mal heruntergeladen.

          Mehr erfahren

          Hoeneß hatte Anfang 2015, als er als Freigänger an die Säbener Straße zurückkehrte, „zwar 20 Kilo abgenommen, aber man konnte seine schwere Zeit im Gesicht ablesen“, erzählte Rummenigge den Mitgliedern. Seitdem habe er „frischen Wind in die Nachwuchsabteilung gebracht“, der Verein sei nun „im Scouting wieder aggressiver und engagierter unterwegs“.

          Später bei der Versammlung sprach ein Vereinsmitglied den Wunsch aus, dass Hoeneß nach der Haft an die Spitze des FC Bayern zurückkehren solle – ein Vorschlag, der donnernden Applaus erhielt. Karl Hopfner, 30 Jahre lang als Finanzfachmann die rechte Hand von Hoeneß und dann dessen Nachfolger als Präsident, hatte bei Amtsantritt 2014 betont, nicht gegen Hoeneß antreten zu wollen, sollte dieser ins Amt zurückstreben. So hat ihm sowohl die Basis der Mitglieder als auch sein Statthalter im Amt ihre Botschaft mehr als deutlich vermittelt: Wenn Hoeneß erst wieder frei ist, ist auch der Weg zurück an die Spitze des FC Bayern frei. Er muss nur wollen.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Der Fall Lübcke : Feinde der Freiheit

          Die Ermordung des Kasseler Regierungspräsidenten könnte der schaurige Höhepunkt einer leider nicht beispiellosen Hetze in asozialen Netzen gewesen sein. Die Urheber sind Staatsfeinde. Sie müssen bekämpft werden.
          „Eines meiner Geheimnisse ist, dass ich immer verliebt bin“: Vanderbilt im Jahr 1954

          Millionenerbin und It-Girl : Gloria Vanderbilt ist tot

          Geld, Schönheit und ein berühmter Nachname: Gloria Vanderbilt entstammte einer der großen amerikanischen Geldaristokratien – und hatte berühmte Männer und Liebhaber. Jetzt ist New Yorks It-Girl gestorben.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.