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Neue Köpfe, alte Probleme : Wird dieses Jahr beim HSV alles besser?

  • -Aktualisiert am

Verheddert sich der Hamburger SV in dieser Saison wieder in alten Problemen? Bild: Picture-Alliance

Mit Bundesliga-Erfahrung an der Seitenlinie und Zweitliga-Knowhow im Kader will der Hamburger SV zurück ins Oberhaus. Doch auch ohne Stadionuhr und Lotto King Karl bleibt in der Hansestadt einiges beim Alten.

          Wie es sich für einen richtigen Fan gehört, ist auch Klaus-Michael Kühne grundsätzlich eher skeptisch, was das Leistungsvermögen „seiner“ Mannschaft betrifft. Nach den Erfahrungen der vergangenen Jahre ist der wichtigste Financier des Hamburger SV auch in dieser gerade beginnenden Spielzeit 2019/20 ziemlich pessimistisch. Aber der 82 Jahre alte Logistik-Milliardär hat immerhin Sinn für Humor bewiesen, denn gegenüber dem „Hamburger Abendblatt“ hat Kühne versprochen, die ganze Mannschaft in seinem Fünf-Sterne-Hotel „The Fontenay“ bei einem feinen Dinner zu bedienen, sollte den Profis der Aufstieg gelingen. Sogar eine Torte in den Vereinsfarben will Kühne dann aufschneiden und servieren. „Kellner Kühne“, das hätte was – wobei sich viele Spieler wahrscheinlich fragen würden: Wer ist der alte Herr mit der großen Brille? Kühne bleibt also an Bord beim HSV, ob irgendwann als Kellner oder jetzt als Käufer des Stadionnamens und Hauptanteilseigner. Die Abhängigkeit von ihm bleibt bestehen, auch wenn sich der Fußball-AG-Vorstand Bernd Hoffmann und Marcell Jansen, Präsident des eingetragenen Vereins, gern mehr und mehr von ihm lösen möchten.

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          Der Start in die neue Serie dürfte dem öfter als Chefkritiker auftretenden Kühne indes mal wieder gar nicht gefallen haben. Nachdem er in einem Interview gesagt hatte, die HSV-Mannschaft erscheine ihm „noch kunterbunt zusammengewürfelt“, zeigte das Team trotz vieler neuer Spieler am Sonntagmittag gegen Darmstadt 98 eine Partie, wie man sie aus der enttäuschenden Vorsaison kannte: schwungvoller Start, verpasste Chancen, ein Treffer des Gegners – dann bleischwere Beine. Dass der HSV zu Beginn seiner zweiten Zweitliga-Saison doch noch zu einem 1:1 kam, lag an Aaron Hunts Elfmetertor in der achten Minute der Nachspielzeit: Erst nach zweiminütigem Videostudium hatte sich Schiedsrichter Robert Hartmann zum Pfiff durchgerungen, nachdem Dario Dumic in den Hamburger Manuel Wintzheimer gegrätscht war. Hunt traf, glich Tim Skarkes Führung (46. Minute) aus, und der HSV hatte nicht viel, aber schon mal mehr mitgenommen als aus dem Saisonstart vor einem Jahr – damals unterlag der Absteiger Holstein Kiel 0:3. Darauf Bezug nehmend sagte Dieter Hecking: „Zuletzt wäre es oftmals schön gewesen, so einen Punkt mitzunehmen.“

          Recht hat der neue Coach des HSV. Gerade zu Hause hatten die Hamburger Spiele verloren, in denen sie deutlich überlegen waren. So wie gegen Darmstadt im März. Aus einem 0:2 machten die „Lilien“ damals ein 3:2, dem HSV gelang unter Trainer Hannes Wolf danach so gut wie nichts mehr. Am Ende wurden Wolf und Sportchef Ralf Becker entlassen. Sogar die alte Stadionuhr ist nun weg, und der beliebte Eröffnungssong samt Fan-Begrüßung von „Lotto“ King Karl wurde auch gestrichen. Alles auf Anfang beim HSV. Wieder einmal.

          Zwei Ausrufezeichen und geballtes Zweitliga-Knowhow

          Wie immer hat die neue Hoffnung einen Namen. Dieter Hecking, 52 Jahre alt, betrachtet den Klub nach vielen Jahren in der Bundesliga als reizvolle Aufgabe – er habe in der ersten Liga alles gesehen, sagt Hecking, der HSV sei genau die richtige Herausforderung. Geprägt ist Heckings Wirken von großem Selbstbewusstsein: „Dem HSV ist es gelungen, mit den Verpflichtungen von mir und Jonas Boldt zwei Ausrufezeichen zu setzen.“ Bei den Spielern hat sich der Klub diesmal nicht aus dem obersten Regal bedient. Bei den sportlich Verantwortlichen schon. Boldt kam aus Leverkusen und ist dabei, für 28 Millionen Euro Kaderkosten eine Gruppe zusammenzustellen, der man den Aufstieg zutrauen kann. Und muss. Aber das war zuletzt genauso.

          Doch war vor einem Jahr der Versuch gescheitert, mit Hunt, Holtby, Sakai, Lasogga, Pollersbeck und Douglas Santos Bundesliga-erfahrene Profis aufzubieten, um aufzusteigen. Immerhin bekam der HSV für Santos 12 Millionen Euro von Zenit St. Petersburg überwiesen und erzielte den geforderten Transferüberschuss. Diesmal sollen es Spieler richten, die viele Stunden in der zweiten Liga geschuftet haben. Kinsombi aus Kiel, Leibold und Ewerton aus Nürnberg, Hinterseer und Gyamerah aus Bochum, Heuer Fernandes aus Darmstadt, Dudziak vom FC St. Pauli: Das ist geballtes Knowhow aus Liga zwei. Allerdings ist dieser Kader auch wieder eine Mischung der Arbeit zweier Sportchefs, denn einige der Genannten hat Becker geholt, andere Boldt.

          „Eine fast schon einmalige Fluktuation im Kader“

          Ein paarmal hat Hecking in der Vorbereitung darauf gepocht, die Mannschaft weiter zu verstärken. Bis zum Schließen des Transferfensters Anfang September wird noch Bewegung durch den HSV wehen, denn Hecking möchte Sakai, Ito und Janjicic noch loswerden. Am Ende könnten es 18 oder 19 Spieler sein, die dem HSV den Rücken gekehrt haben, bei zehn bis zwölf neuen: „Wir haben eine fast schon einmalige Fluktuation im Kader“, sagt Hecking. Am Montag stößt das englische Talent Xavier Amaechi vom FC Arsenal zum HSV.

          Der Norddeutsche Hecking scheint den Norddeutschen jedenfalls gut zu tun. Manchen Sturm in namhaften Klubs hat er überstanden. Diese Eigenschaft hilft in Hamburg immer. Mit der nötigen Ruhe, der gewünschten Erfahrung und einem breiten Kreuz soll er vorangehen in diesem chronisch aufgeregten Klub: „Ich kann natürlich nichts versprechen, und mein Name allein wird nicht reichen“, sagte Hecking dem „Kicker“, „aber ich bin schon so selbstbewusst zu sagen: Ich kann das packen.“ Wenn nicht, wird auch Hecking wieder weg sein: Sein Vertrag verlängert sich nur beim Aufstieg um ein weiteres Jahr.

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