https://www.faz.net/-gtm-9zhsq

DFB sucht Verständigung : Wird die Causa Hopp zu den Akten gelegt?

  • Aktualisiert am

Keine Folgen? Die Verfahren gegen die Klubs wegen Schmähungen von Dietmar Hopp könnten eingestellt werden. Bild: dpa

Die sportgerichtlichen Folgen nach den Schmähungen gegen Dietmar Hopp könnten ausbleiben. In der Corona-Krise werden anhängige Verfahren möglicherweise eingestellt. DFB-Präsident Keller äußert sich zudem einsichtig.

          2 Min.

          Die juristische Aufarbeitung der Schmähungen gegen Dietmar Hopp könnte in der Corona-Krise eine ungeahnte Wendung erfahren. Der 1. FC Köln hat beim Sportgericht des Deutschen Fußball-Bundes die Einstellung seines Verfahrens beantragt, wie der Bundesligaklub bestätigte. Diesem Vorgehen haben sich nach dpa-Informationen weitere Klubs angeschlossen. Unmittelbar vor dem Bundesliga-Stopp war es zu mehreren Spielunterbrechungen in der Liga gekommen, unter anderem bei Köln - FC Schalke 04 und TSG 1899 Hoffenheim - FC Bayern München.

          Derzeit ruht der Betrieb beim DFB-Sportgericht. „Sportgericht und Kontrollausschuss des Deutschen Fußball-Bundes haben aufgrund der Corona-Pandemie alle offenen Verfahren ausgesetzt. Über das weitere Vorgehen in diesen Fällen wird zu einem späteren Zeitpunkt entschieden“, hatte der DFB diese Woche auf Anfrage mitgeteilt.

          Offenbar ist man sich beim für Sportgerichtsverfahren zuständigen DFB noch uneins, wie mit den schlagzeilenträchtigen Fällen umgegangen werden soll. In der Corona-Zeit sind die Fans durch die Geisterspiele ohnehin gestraft, Zuschauerausschlüsse würden wohl die nächste Protestwelle hervorrufen. Zudem würden Geldstrafen nach dem Strafenkatalog des Verbandes die Clubs derzeit besonders hart treffen, da sie massive finanzielle Probleme haben. Da die Geldstrafen in die gemeinnützigen Stiftungen des Verbands fließen, würde der DFB aber ungern darauf verzichten.

          Schmähungen vor Corona

          Fans aus zahlreichen Vereinen der 1. bis 3. Liga hatten sich an den Protesten beteiligt. Mit den wieder aufgeflammten Beleidigungen gegen Hoffenheims Mäzen Hopp wehrte sich die Ultra-Szene nach eigener Darstellung gegen die Kollektivstrafe, die der DFB zunächst ausgesetzt, dann aber gegen die Wiederholungstäter bei Borussia Dortmund wieder eingesetzt hatte. Beim Skandalspiel Hoffenheim - FC Bayern am 29. Februar war die Partie nach Beleidigungen gegen Hopp in der 77. Minute unterbrochen worden. Beim Stand von 0:6 spielten sich beide Teams danach nur noch den Ball am Mittelkreis zu.

          DFB-Präsident Fritz Keller hat Fehler im Umgang mit den Fußball-Fans eingeräumt. „Wir sind uns bewusst, dass wir ihre Kritik an der Kommerzialisierung des Fußballs manches Mal überhört haben - weil das System doch so gut funktioniert hat“, schrieb Keller in einem Gastbeitrag beim RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND). Es sei „sicherlich spät, aber noch nicht zu spät, auf ihre mahnenden Worte zu hören“. Die Bundesliga und die zweite Bundesliga nehmen am Samstag nach rund neunwöchiger Pause mit Geisterspielen wieder den Betrieb auf.

          Die 36 Profiklubs wollen die Saison unbedingt zu Ende bringen, um ihre Existenz nicht zu gefährden. Das System Profifußball habe in der Coronakrise offenbart, „wie fragil es ist“ und müsse dringend „besser“ und „nachhaltiger“ aufgestellt werden, schrieb der 63-Jährige. Zugleich hofft Keller, „dass möglichst schnell die Fans in die Stadien zurückkehren. Sie machen die Faszination Fußball zu einem großen Stück aus, das wird uns jetzt, da wir Arenen ohne Publikum und Spiele ohne Seele erleben, so deutlich wie nie", betonte der Chef des Deutschen Fußball-Bundes (DFB).

          Weitere Themen

          Rückschlag für Neymar

          Internationaler Fußball : Rückschlag für Neymar

          Fußballstar Neymar liefert sich eine wüste Rangelei mitten auf dem Spielfeld. Als Grund für den Ausraster nennt er vermeintliche rassistische Beleidigungen seines Gegners. Die Liga spricht nun ein Machtwort.

          Topmeldungen

          Spuren der Verwüstung: Ein Mann steht in einem zerstörten Mehrfamilienhaus in Tartar, Aserbaidschan.

          Rohstoffförderer Aserbaidschan : Der Krieg einer Öl-Macht

          Aserbaidschan liefert wichtige Rohstoffe nach Europa. Ein militärischer Konflikt mit Armenien könnte die Handelsbeziehungen nun gefährden. Die Türkei will das verhindern – aus eigenem Interesse.
          Zyprischer Präsident Nikos Anastasiadis (r.) mit EU-Ratspräsident Charles Michel

          Gasstreit im Mittelmeer : Alle schauen auf Zypern

          Die EU-Staaten suchen bei ihrem Sonderrat in Brüssel eine Haltung zur Türkei. Emmanuel Macron und Angela Merkel setzten vor dem Gipfel unterschiedliche Akzente.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.