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Wiesbaden in zweiter Liga : Eine Frage der Perspektive

  • -Aktualisiert am

Im Fokus: Wiesbaden-Trainer Rüdiger Rehm Bild: dpa

Der SV Wehen trifft am vorletzten Spieltag der zweiten Liga im Derby auf Darmstadt 98. Diesbezüglich stellt sich vor allem eine Frage: Was wird bei einem Abstieg aus Trainer Rüdiger Rehm?

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          Vor dem Hessenderby an diesem Sonntag (15.30 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur zweiten Liga und bei Sky) in Darmstadt hat sich der Wiesbadener Trainer Rüdiger Rehm zum verbalen Tempomacher in eigener Sache aufgeschwungen. „Wir sind voll bereit, den Marathon zu Ende zu bringen.“ Auf der Zielgeraden der zweiten Liga würden sie „versuchen, mit einem Sprint an unseren Kontrahenten vorbeizuziehen“ – so lautet sein sportlicher Marschbefehl für den nervenaufreibenden Endspurt.

          2. Bundesliga

          Rehms Auftritte sind in der Regel von Aufbruchstimmung geprägt, mag die Not auch noch so groß sein. Wie jetzt am vorletzten Spieltag. Mit einer Niederlage am Böllenfalltor wäre der Tabellenvorletzte aus Wiesbaden wahrscheinlich abgestiegen. „Wenn wir am Sonntag nicht gewinnen, brauchen wir über alles andere nicht zu reden“, sagt Rehm. Mehr Raum will der Chefdynamiker Rehm dem Worst Case aber nicht einräumen. Denn seine Fußballwelt wird gedanklich bestimmt von unermüdlichen Kämpfern, die sich auf dem Platz erst dann geschlagen geben, wenn sie tatsächlich besiegt sind. „Für uns zählt nur der Sieg. Keiner rechnet mehr mit uns – wir schon“, betonte er und kündigte nach dem 0:6 gegen Nürnberg an, „zu versuchen, zurückzuschlagen und wieder alle zu überraschen“.

          Im Fall des Klassenverbleibs würde Rehm mit großer Wahrscheinlichkeit seinen Job behalten. Schließlich ist sein Arbeitsverhältnis bis zum 1. Juli 2021 datiert. Und der gebürtige Heilbronner hätte die Mannschaft trotz vieler Rückschläge im Saisonverlauf und manchen Irrwegs in der Gesamtbetrachtung in der Spur gehalten.

          Aber würde es beim sofortigen Wiederabstieg Sinn machen, auf der wichtigen Position weiter Kontinuität walten zu lassen? Die Führungsriege müsste sich die Frage stellen, wie groß die Abnutzungserscheinungen zwischen Trainer und Mannschaft geworden sind und welche Alternativen es gäbe. Bisher ist es Rehm immer gelungen, mit seiner Motivationsgabe für geschlossene Reihen zu sorgen. Als Kollektiv funktioniert das Team. Außerdem fand der Trainer für viele Probleme lange die richtigen Lösungen.

          Das alles werden wesentliche Gründe dafür gewesen sein, warum Präsident Markus Hankammer, Geschäftsführer Nico Schäfer und Sportdirektor Christian Hock nicht das Vertrauen in ihren Trainer verloren haben. Auffällig in den vergangenen Wochen war jedoch, dass die Mannschaft ihre Defizite beim Verteidigen nicht abstellen konnte. Alles Reden des Trainers half nichts, dessen Stabilisierungsmaßnahmen schlugen fehl. Als Höhepunkt der Negativentwicklung offenbarten sich im Kräftemessen mit dem „Club“ Auflösungserscheinungen. Ob die Wiesbadener noch zu einem letzten Aufbäumen in der Lage sind, wird das Nachbarschaftsduell in Darmstadt zeigen.

          Der letzte Eindruck zählt. Wie nach jeder Spielzeit werden die Verantwortlichen das abgelaufene Spieljahr inhaltlich bewerten. Ob zu einem Neuanfang in der dritten Liga auch ein neuer Trainer gehören würde, hinge wohl auch davon ab, welche externen Kandidaten in diesem Sommer zur Verfügung stünden. Rehm und der SV Wehen Wiesbaden schienen in den vergangenen Jahren unzertrennlich zu sein. Er würde sich den Neuaufbau eine Klasse tiefer sicher zutrauen.

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