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Wieder nur Platz zwei : Schalker Trotz: „Die Champions League ist doch auch etwas“

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„Königsblau” will wieder aufstehen Bild: dpa

Es hat wieder nicht geklappt, und dennoch zeigt sich der FC Schalke als fairer Verlierer im Titelkampf. „Die Stuttgarter haben das verdient“, sagte Manager Müller. Der Ärger über den verpassten Titel ist dennoch groß.

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          Diesmal flossen keine Tränen, die Fans feierten ihre Stars noch eine Dreiviertelstunde nach dem Abpfiff, und der Trotz war größer als die Trauer: Auf den Tag genau sechs Jahre nach der Vier-Minuten-Meisterschaft saß bei Schalke 04 die Enttäuschung über den abermals verpassten Titel zwar ähnlich tief, doch die großen Gefühle von damals blieben aus.

          „Ich habe 2001 miterlebt, das hier kann mir keinen Knacks mehr geben“, sagte Gerald Asamoah, der letzte verbliebene „Meister der Herzen“. Auch wenn es längst nicht so dramatisch war wie damals und beim 2:1 (2:0) gegen Arminia Bielefeld schon früh die letzte Chance auf den ersten Titel seit 49 Jahren dahin war, ließ der Nationalspieler aber keinen Zweifel daran, dass im stillen Kämmerlein noch die ein oder andere Träne fließen wird: „Wir hatten alles in der Hand, deshalb tut es enorm weh. Wenn ich weiter drüber nachdenke, könnte ich heulen.“

          Abermals kein Happy-End für Schalke

          13 Spieltage in Folge standen die Königsblauen an der Spitze, Anfang Februar betrug der Vorsprung sogar sechs Punkte. Doch auf der Zielgeraden verspielten sie wie schon 2001 und 2005 die Tabellenführung und den achten Meistertitel. „Wenn du eine Woche Zeit hast, wirst du dich doppelt ärgern“, meinte Fabian Ernst: „Ich will nicht sagen, dass es noch nie so einfach war. Aber es war schon einfach, Meister zu werden.“ (Siehe auch: FAZ.NET-Spezial: Das Bundesliga-Finale)

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          Die Fans schluckten ihren Ärger hinunter. Eine Woche nach der letztlich entscheidenden 0:2-Niederlage beim Erzrivalen Borussia Dortmund unterstützten sie die Mannschaft vorbehaltlos - und durften sich sogar acht Minuten lang als Meister fühlen. Als Schalke durch Tore von Lincoln (11.) und Halil Altintop (16.) schnell 2:0 führte und um 15.49 Uhr auf dem Videowürfel das 1:0 für Cottbus in Stuttgart aufleuchtete, schwoll der Jubel zum Orkan an. Um 15.57 Uhr machte die Kunde vom Ausgleich des VfB die Runde, und plötzlich wurde es still in der Arena. Spätestens um 16.49 Uhr, als Sami Khedira Stuttgart zum Titel köpfte, war allen klar, dass es kein Happy-End geben würde.

          Der Acht-Minuten-Meister

          „Dass die Fans nach dem, was wir in Dortmund abgeliefert haben, noch so hinter uns stehen, ist einfach unglaublich“, sagte Ernst. Der Mittelfeldspieler kehrte mit seinen Kollegen und Trainer Mirko Slomka 45 Minuten nach dem Schlusspfiff aufs Feld aus der Kabine zurück und bedankte sich bei den Anhängern, die noch immer in der Arena ausharrten.

          „Diesmal haben wir es geschafft, acht Minuten deutscher Meister zu sein. Das ist doch schon eine Steigerung“, sagte Manager Andreas Müller, der 1984 mit dem VfB Stuttgart deutscher Meister geworden war, und im Gegensatz zu 2001 kurz nach dem Abpfiff schon wieder lächeln konnte. Nach Stuttgart sandte er eine aufrichtige Gratulation: „Der VfB hat eine imponierende Serie hingelegt und acht Spiele in Folge gewonnen. Die Stuttgarter haben die Meisterschaft verdient.“ (Siehe auch: Bundesliga: Stuttgart ist Fußball-Meister 2007) Müller bemühte sich, das Positive zu sehen. „Die Mannschaft ist gereift, wir sind ein Team und haben nach einer schwierigen Phase zu Saisonbeginn wieder den Schulterschluss mit den Fans geschafft“, bilanzierte der Manager und blickte bereits nach vorne: „Wir werden nicht aufgeben, uns berappeln und auch nächstes Jahr eine schlagkräftige Truppe auf die Beine stellen.“

          „Wieder oben mitspielen“

          Schließlich qualifizierten sich die Schalker, die nach dem 2:1 durch Radim Kucera (90.+1) sogar noch mal kurz um Platz zwei zittern mussten, zum dritten Mal direkt für die Champions League. Die Königsklasse spült rund 15 Millionen Euro in die Kasse. Diese Einnahmen fehlten 2006, als die Königsblauen bei einem Umsatz von 115 Millionen ein Minus von 3,4 Millionen Euro verzeichneten. „Wir sind besser als 16 andere Mannschaften, und die Champions League ist doch auch etwas“, sagte Torhüter Manuel Neuer trotzig.

          „Wir wollen in der nächsten Saison in der Liga wieder oben mitspielen und erstmals auch die Champions-League-Vorrunde überstehen“, sagte Slomka, der die Schale weiter im Blick hat: „Meisterschaft? 50 Jahre nach dem letzten Titel wäre das doch wieder ein gutes Thema.“ So weit wollte Asamoah denn doch noch nicht schauen. Der 28-Jährige dachte an etwas Näherliegendes: „Es hätte eine Superparty geben können. Jetzt gibt es vielleicht Frustsaufen.“ (Siehe auch: Meisterfeier: Ganz Stuttgart aus dem Häusle)

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