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Bremer „Mittelstandsanleihe“ : Wie Werder die Pandemie-Verluste kompensieren will

  • -Aktualisiert am

Stürmische Zeiten: Werder Bremens Finanzlage ist angespannt. Bild: Imago

Beinfreiheit für den Sommer: Die Corona-Pandemie trifft auch den Fußball-Bundesligaklub Werder Bremen hart, es fehlen 35 bis 40 Millionen Euro. Doch der Verein hat einen Plan.

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          Mit Aussagen zur Finanzlage in Pandemiezeiten halten sich die meisten Bundesliga-Vereine inzwischen auffallend zurück. So, als gäbe es keine Not – oder so, als spräche man lieber nicht drüber, weil die Öffentlichkeit sonst die wahre Notlage erkennen könnte. Das war zu Beginn der Pandemie im März 2020 noch anders, als es so klang, es wäre jeder zweite Klub in drei Monaten pleite.

          Bundesliga

          Eine Ausnahme ist der SV Werder Bremen. Finanzvorstand Klaus Filbry scheut sich nicht, bittere Wahrheiten auszusprechen. Auf 35 bis 40 Millionen Euro taxierte er jüngst den Verlust, der saisonübergreifend auf Werder zukomme, weil die Zuschauereinnahmen fehlten. Gemeint war der Zeitraum von März 2020 bis zum Ende der laufenden Spielzeit.

          Die aktuelle Saison musste Werder durch einen Kredit bei einem lokalen Bankenkonsortium über 20 Millionen Euro absichern. Die Kreditsumme plus Zinsen ist über sechs Jahre zurückzuzahlen. Der „Corona-Kredit“ sichert Werder die nötige Liquidität. Aus der angespannten finanziellen Lage an der Weser macht Filbry keinen Hehl; weil im Geschäftsjahr 2019/20 ein Rekordminus von über 23 Millionen Euro erwirtschaftet wird, muss der Klub seine Kaderkosten drastisch zurückfahren. Damit hatte der SVW schon im Sommer begonnen, als Spieler wie Davy Klaassen verabschiedet wurden.

          Alternativloser Kurs

          Auf diesen Kurs sind Filbrys Vorstandskollege Frank Baumann, zuständig für die Profis, und Trainer Florian Kohfeldt eingeschworen. Er gilt als alternativlos. Auch beim Gehaltsverzicht von Profis und Stab waren die Bremer schnell. Sogar ein zweiter folgte. Im Grunde orientiert sich Werder mit der Anpassung aller Kosten und dem Hilfegesuch im Finanzsektor auch nur an den neuen Gesetzen des Marktes. So gesehen, ist der derzeitige Tabellenplatz mit 30 Punkten und relativ deutlichem Abstand zur Abstiegszone ein Erfolg.

          Zuletzt wurde bekannt, dass Werder sich weiterer Finanzmodelle bedienen will – und muss. Eine sogenannte „Mittelstandsanleihe“ soll aufgelegt werden. Nach übereinstimmenden Medienberichten will Werder eine solche Anleihe bei Versicherungen, Versorgungswerken und Kapitalgesellschaften plazieren, um Einnahmeverluste zu kompensieren. Ganz bewusst haben sich die Bremer gegen eine Fananleihe entschieden, wie sie beispielsweise der Hamburger SV schon zweimal aufgelegt hat. Das käme Filbry und dem SV Werder in diesen herausfordernden Zeiten offenbar unpassend vor.

          Filbry will sich zu dem Vorgang im Moment nicht detailliert äußern. Er hatte aber schon im Februar angedeutet, dass der Kredit nicht die einzige Möglichkeit sei, an frisches Geld zu kommen. 15 bis 20 Millionen Euro soll sich Werder von der Mittelstandsanleihe erhoffen. Unmittelbare Folgen der Finanzlage befürchtet er ohnehin nicht: „Wir werden die Lizenz ohne Auflagen bekommen, aber natürlich müssen wir unsere Zahlungsfähigkeit bis Ende Juni 2022 nachweisen“, sagte er gegenüber dem Online-Portal „Deichstube“. Viele Fragen stellten sich: „Wann haben wir wieder Zuschauereinnahmen, kommt der Transfermarkt wieder in Gang? Um eine gewisse Beinfreiheit für diese Unwägbarkeiten in der nächsten Saison zu haben, beschäftigen wir uns mit einer Mittelstandsanleihe.“

          Natürlich richtet sich der Blick längst in den Sommer. „Es ist klar, dass wir einen deutlichen Transferüberschuss erwirtschaften müssen“, sagt Frank Baumann. Kein Profi sei unverkäuflich, doch bleibe wichtig, „dass wir nicht zu viele Stammspieler verlieren“. Baumann hat Fans und Umfeld schon beruhigt: „Wir werden wieder eine schlagkräftige Mannschaft zusammenhaben, damit wir in den nächsten Jahren stabil in der Bundesliga bleiben können.“

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