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Platzsturm in Gladbach : Wie Kölner Chaoten echten Fans den Tag versauen

  • -Aktualisiert am

Der Platzsturm einiger Kölner Chaoten überschattet das Derby in Mönchengladbach Bild: AP

Einfach auf den Platz rennen – und dann? Kölner Chaoten sorgen für einen Skandal in Gladbach. Es sind fünf Worte, die für F.A.Z.-Redakteur und FC-Fan Christian Palm von diesem Fußballtag bleiben – und ein mieses Gefühl.

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          Es sind fünf Worte, die von diesem Fußballtag bleiben: „Eure Fans sind echt asozial.“ Schreibt nicht irgendwer, sondern die Freundin des FC-Fans, der morgens aufgebrochen war zum Auswärtsspiel des Jahres gegen die ungeliebten Gladbacher. Jene Freundin, die hin und wieder selbst mitgefahren ist zu FC-Spielen und dabei ertappt wurde, wie sie sich von der Stimmung mitreißen ließ.

          Während der Fan ihre Nachricht liest, gut zwei Stunden nach dem Spiel und nachdem eine Gruppe Chaoten in weißen Maleranzügen den Platz gestürmt hatte, wartet er immer noch auf einen Zug, der gen Köln fährt. Ein technischer Defekt habe die Abfahrt bisher verhindert, lässt ein Polizeisprecher wissen. In der Regel heißt das: Irgendjemand hat im Zug randaliert oder die Notbremse gezogen.

          Nicht, dass der Abend noch zu retten gewesen wäre nach dem späten Siegtor der Gladbacher. Aber es sind schönere Szenarien vorstellbar, als am Karnevalssamstag stundenlang auf einem zugigen Bahnsteig am Gladbacher Stadtrand rumzustehen, eingerahmt von einer Hundertschaft Bundespolizei.

          Toll, Freunde! Macht doch einfach so weiter, dann seid Ihr irgendwann unter Euch, ein paar hundert „Ultras“, und sonst fährt niemand mehr mit. Dann regt sich auch keiner mehr auf über die Schikanen, die die Fans Eurem Verhalten zu verdanken haben. Über die erniedrigenden Sicherheitskontrollen an den Stadiontoren, über Alkoholverbote, über Gehverbote und Geldstrafen für unseren Verein.

          Platzsturm in Gladbach : Köln droht harte Strafe

          Die Typen in ihren Maleranzügen finden das vielleicht sogar toll. Sie hatten schließlich direkt nach Abpfiff einen genialen Einfall. Die großen Strategen der Weltgeschichte – Clausewitz, Napoleon, Guardiola – erblassen vor Neid, ob dieser ausgefeilten Taktik. Einfach mal auf den Platz rennen – aber was dann? Habt Ihr geglaubt, der ganze Block folgt Euch? Der Block steht immer hinter Euch „Ultras“, aber vor allem, weil Ihr Euch in die ersten Reihen drängelt.

          Es ist nichts einzuwenden gegen Eure Stimmungsmache, gegen die Vorsänger aus Euren Reihen und die Leidenschaft, die die „Ultras“ in ihre Choreographien stecken, wie neulich in Hamburg mit tausend rot-weißen Fähnchen. Mehr davon! Aber dann lassen sie es zu, dass Idioten aus ihren Reihen all das kaputt machen. Die Nachricht lautet nicht, „die FC-Fans haben trotz der Niederlage für eine tolle Stimmung gesorgt“. Nein, sie heißt, „Eure Fans sind echt asozial“.

          Die Polizei hatte alle Hände voll zu tun Bilderstrecke
          Die Polizei hatte alle Hände voll zu tun :

          Zurück bleibt das miese Gefühl, irgendwie Teil dieser Gruppe zu sein, die mal wieder über alle Stränge geschlagen hat und die Machtlosigkeit, gegen die wenigen Dutzend Chaoten etwas zu tun. Klar, der Verein will Konsequenzen ziehen. Die entsprechende Erklärung haben die Verantwortlichen vermutlich schon vor der Reise nach Gladbach geschrieben, denn wirklich überraschend war all das nicht.

          Und dann stimmt wieder irgendjemand den ultimativen Schlachtruf der Selbstgerechtigkeit an: „Fußballfans sind keine Verbrecher!“ Nein, die meisten nicht. Aber wie soll man es sonst nennen, wenn jemand Pfefferspray mit ins Stadion bringt, um Polizisten und Ordner zu verletzen? Wollt Ihr vielleicht englische Verhältnisse? Nur noch Sitzplätze, astronomische Kartenpreise, so kehrt von ganz allein Ruhe in die Stadien ein. Wollt Ihr das? Dann macht doch einfach so weiter. Aber ohne mich.

          Christian Palm ist FC-Fan seit 24 Jahren und F.A.Z. -Redakteur der Rhein-Main-Zeitung.

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