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Plötzlich Spitzenreiter : Der beeindruckende Aufschwung von Mönchengladbach

  • -Aktualisiert am

Gladbachs Trainer Marco Rose beim 5:1-Erfolg der Borussia gegen den FC Augsburg Bild: AFP

Während Borussia Dortmund, als Titelkandidat in die Saison gestartet, noch seine Form sucht, grüßt die Gladbacher Borussia von der Tabellenspitze – und Trainer Marco Rose hat auch die letzten Kritiker verstummen lassen.

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          Beim Blick auf Borussia Dortmund ist dem ehemaligen Außenverteidiger Max Eberl in dieser Woche ein hübsches Gleichnis eingefallen. Den BVB-Trainer Lucien Favre dafür zu kritisieren, dass er keine mitreißenden Kabinenansprachen hält und auch nicht motivierend im Adrenalinrausch am Spielfeldrand entlangtobt, sei ungefähr so, als hätte man „mir als Spieler vorgeworfen, ich wäre zu wenig torgefährlich gewesen“, sagt der heutige Sportdirektor von Borussia Mönchengladbach. Eberl hat in seiner ganzen Karriere kein einziges Bundesligator erzielt und war für seine Teams dennoch ein sehr wertvoller Spieler. „Lucien Favre ist, wie er ist, und er hat herausragende Qualitäten“, sagt Eberl, der fünf Jahre lang mit dem Schweizer in Gladbach zusammengearbeitet hat.

          Bundesliga

          Vor ihrem Gastspiel beim BVB an diesem Samstag (18.30 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur Bundesliga sowie bei Sky) wundern sie sich ein wenig über die düstere Stimmung bei der anderen Borussia. „Ich kann tatsächlich keine Krise bei Borussia Dortmund erkennen“, sagte Trainer Marco Rose nach seinen Gegneranalysen zur Spielvorbereitung. „Die hätten jede einzelne Partie für sich entscheiden können, die spielen einen offensiven, attraktiven Fußball.“ Erfolg und Misserfolg liegen in dieser Saison so unglaublich nah beieinander, dass kleine Zufälle eine enorme Wirkung haben können. Im Gegensatz zu den Dortmundern profitieren die Gladbacher davon und blicken nicht zuletzt aufgrund günstiger Umstände auf zwei süße Wochen als Tabellenführer zurück.

          In den vergangenen zehn Jahren hätten 16 Punkte nach sieben Partien nämlich nie zu Platz eins gereicht, nun genießen sie in Mönchengladbach ihr Glück. In aller Ruhe und Gelassenheit und ohne jeden Überschwang. Er habe „sehr schöne und angenehme 14 Tage hinter sich“, sagt Rose. Die Verantwortlichen haben sich vorgenommen, den schönen Moment nicht durch allzu viele Warnungen und Beschwichtigungen zu beschädigen. Rose fände es vielmehr „schlau“, wenn seine Spieler aus der guten Zeit auf dem Gipfel eine Extraportion Selbstvertrauen mitbringen würden.

          Himmlische Ruhe am Niederrhein

          Der Klub ruht derzeit auf bemerkenswerte Art und Weise in sich selbst, was beim Rückblick auf den Oktober 2018 besonders deutlich wird. Nach acht Spieltagen der vorigen Saison war das Team des damaligen Trainers Dieter Hecking plötzlich Zweiter, drei Punkte hinter dem seinerzeit begeisternd aufspielenden BVB und vor dem FC Bayern. Experten statteten die Borussia mit dem Etikett des Geheimfavoriten aus, die Verantwortlichen und die Spieler wurden zu Titelchancen befragt. Was folgte, war eine magere Phase mit nur 13 Punkten aus 14 Spielen.

          Dass der Klub derzeit so sehr mit sich im Reinen ist, hat also andere Gründe als der überraschende Sprung auf Rang eins im Tableau. Im Gegensatz zu früheren Jahren sind derzeit alle Schauplätze für Konflikte, Kontroversen und Unruhen befriedet. Niemand diskutiert über einen möglichen Wechsel Eberls zum FC Bayern, spätestens jetzt sind auch die Skeptiker verstummt, die Zweifel an der Tauglichkeit Roses hatten, und der Kader wirkt homogen und ausgewogen wie lange nicht.

          Eberl und seine Leute haben bei den Verpflichtungen von Marcus Thuram, Stefan Lainer und Breel Embolo mal wieder ein gutes Gespür gehabt. Hinzu kommt, dass Spieler wie Lázló Bénes oder Denis Zakaria sich unter dem neuen Trainer noch einmal deutlich verbessert haben, sogar der beinahe schon aussortierte Patrick Herrmann blüht wieder auf. „Am Ende geht es darum, dass wir eine gute Mannschaft geformt haben, mit der wir Schritte gehen können“, sagt der Sportdirektor.

          Wie aus Sprintmuffeln dynamische Tempofußballer wurden

          Erstaunlich ist allerdings das Tempo, in dem Rose die Borussia von einem Team, in dessen Spiel die Statistiker im Vorjahr die wenigsten Sprints aller Bundesligavereine ermittelt hatten, in ein Ensemble verwandelt hat, das einen dynamischen, intensiven Tempofußball spielt. Bisher tritt alles ziemlich genau so ein, wie es Eberl geplant und gehofft hat, als er sich entschloss, den ja durchaus erfolgreichen Trainer Hecking durch Rose zu ersetzen, um die Mannschaft fußballerisch weiterzuentwickeln. Und nun drängt sich sogar der Eindruck auf, dass im Verlauf dieser Entwicklung noch große Potentiale erschlossen werden könnten. Kapitän Lars Stindl konnte noch gar nicht mitspielen, weil er sich im vergangenen Mai ein Schienbein gebrochen hatte – in Dortmund ist nun das Comeback denkbar.

          In der Defensive unterliefen zuletzt vermeidbare Fehler, beim merkwürdigen 0:4 gegen den Wolfsberger AC in der Europa League zum Beispiel. Und der wuchtige Angriff kann ebenfalls noch harmonischer zusammenspielen. Aber an all diesen Details können sie derzeit in einer von Klarheit und enormem Selbstvertrauen geprägten Atmosphäre arbeiten, weil die Tabellenführung beflügelt und niemand verrückt spielt. Alle hätten die Lage „realistisch eingeschätzt und als Tatsache genommen“, berichtet Rose, dem das Tabellenbild vertrauter sein dürfte als den meisten anderen Gladbachern.

          Denn schon im vergangenen Jahr war er mit RB Salzburg lange Erster, wurde österreichischer Meister und hatte den Kollegen Oliver Glasner vom Linzer ASK im Nacken. Inzwischen arbeitet Glasner für den VfL Wolfsburg, aber all das ist für Rose allenfalls zweitrangig. „Wichtig ist, dass wir den positiven Eindruck nach Dortmund mitnehmen, dass wir selbstbewusst auftreten, dass wir daran arbeiten, weiter Fußballspiele zu gewinnen und unsere Entwicklung voranzutreiben“, sagt der Trainer.

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