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Wettbörse Betfair : „Deutsche Politik trägt zu Fehlentwicklungen bei“

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„In Deutschland werden wir kriminalisiert, in England verleiht uns die Königin den Queens Award” Bild: dpa

Nach der Aufdeckung des jüngsten Wettskandals wird der Branche vorgeworfen, es Tätern leichtzumachen. Dass Anbieter mitunter gar von den Manipulationen profitieren, bestreitet Peter Reinhardt. Er ist Deutschlandchef der kritisierten Wettbörse Betfair.

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          Nach der Aufdeckung des jüngsten Wettskandals im Sport wird der Branche vorgeworfen, es Tätern leichtzumachen. Dass Wettanbieter mitunter sogar von den Manipulationen profitieren, bestreitet Peter Reinhardt. Er ist Deutschlandchef der kritisierten Wettbörse Betfair. Im Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung spricht er über das betrügerische Spiel mit dem Sport.

          Aus deutscher Sicht dürfte es Wettunternehmen wie Ihres eigentlich gar nicht geben.

          In der Tat, in Deutschland werden wir kriminalisiert, und in England verleiht uns die britische Königin gleich zweimal den renommierten Queens Award. Das zeigt nur, wie grotesk die Situation in Deutschland zurzeit ist. Die Haltung der deutschen Politik trägt mit dazu bei, dass es derzeit zu Fehlentwicklungen auf dem Wettmarkt kommt. Festzustellen ist, dass 95 Prozent der Sportwetten in Deutschland außerhalb des Monopols stattfinden. Da von einer staatlichen Kontrolle des Glücksspielmarktes zu sprechen, ist Augenwischerei. Leider fließen aufgrund des unattraktiven Staatsmonopols die Gelder deutscher Spieler eben auch in unkontrollierte Schwarzmärkte wie zum Beispiel nach Asien. Dadurch entstehen die Sümpfe, die nun vielerorts beklagt werden. Die Bekämpfung des Betrugsproblems kommt erst dann entscheidend voran, wenn der deutsche Staat seriösen Unternehmen eine Lizenz erteilt und den Markt dadurch ordnungspolitisch reguliert. Politik, Sportverbände und seriöse Wettanbieter sind aufgerufen, zusammenzuarbeiten.

          Sie haben ein geschäftliches Interesse, das deutsche Wettmonopol zu kippen.

          Natürlich, aber genauso wollen wir sauberen, transparenten Sport und eine Akzeptanz als seriöses, innovatives Unternehmen in Deutschland. Wir fordern von der Politik einen neuen Ordnungsrahmen, der privaten Anbietern wie uns erlaubt, den Interessen von Sportorganisationen, Kunden und des Staates gerecht zu werden. Da geht es um Kundenschutz, Betrugsprävention und auch darum, in diesem Land angemessen Steuern zu zahlen, was wir gern tun würden.

          Im aktuellen Fußball-Wettskandal spricht die ermittelnde Staatsanwaltschaft in Bochum von einer "Spitze des Eisbergs". Teilen Sie die Einschätzung?

          Das Thema Wettbetrug und Manipulationen im Sport wird nun öffentlich verstärkt diskutiert. Der Markt für Sportwetten ist in den letzten Jahren explodiert, und sicherlich gibt es eine Koinzidenz von Marktentwicklung und zunehmendem Interesse von Leuten, die betrügen wollen. Gleichzeitig sind aber auch die Sicherheitssysteme gewachsen. Wir machen es denen, die manipulieren wollen, schon sehr, sehr schwer.

          In einem Dossier für die Tennisbranche stellten zwei ehemalige Scotland-Yard-Inspektoren sehr wohl eine Manipulationstätigkeit bei Tennisspielen fest. Die Verdachtsmomente betrafen ausschließlich Wettkonten Ihrer Firma Betfair.

          Nicht jeder Wettanbieter gibt seine Informationen über mögliche Spielmanipulationen weiter. Wir tun es, deshalb werden wir auch öfter genannt. Ich erinnere mich, dass die beiden Herren ebenso betont haben, dass von systematischer Unterwanderung im Tennis nicht die Rede sein könnte.

          Sind Sie vom aktuellen Wettskandal im Fußball betroffen?

          Mir liegen keine Hinweise vor.

          Hat die Bochumer Staatsanwaltschaft mal bei Ihnen nachgefragt?

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