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1:0 gegen HSV : Werder stürzt den Nordrivalen noch näher an den Abgrund

  • -Aktualisiert am

Bittere Situation im Norden: Werder stürzt den HSV noch mehr ins Chaos Bild: EPA

Ein Notderby statt eines Nordderbys: In einem niveauarmen Spiel mit ständigen Störungen durch HSV-Anhänger gewinnt Werder Bremen dank eines späten Tors. Der Hamburger Weg führt immer weiter Richtung zweite Bundesliga. Bremen ist nun Vierzehnter.

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          Die Zeiten sind lange vorbei, dass sich der SV Werder und der Hamburger SV Duelle lieferten, in denen packender Fußball gespielt wurde. Seit geraumer Zeit geht es in Spielen zwischen den Nordrivalen nur um den Klassenverbleib – und so sieht es dann auch aus. Auch am Samstagabend gab es wieder nur ganz wenige Aktionen gepflegter Spielkultur. Der große Rest war Kampf und Krampf von beiden Seiten – wobei Werder das bessere Ende für sich hatte und durch Ishak Belfodil in der 86. Minute zum 1:0 kam. Werder macht einen gefeierten Schritt weg von Rang 16, während der HSV auch im fünften Spiel unter Trainer Bernd Hollerbach ohne Sieg bleibt und offenbar kaum noch zu retten ist.

          Bundesliga

          Das 108. Nord-Derby stand im Schatten von Ausschreitungen – zumindest, was die Hamburger Seite betraf. In den ersten Minuten schon fielen einige Zuschauer im HSV-Fanblock durch das Abbrennen von Pyrotechnik und das Abfeuern von Böllern unangenehm auf. Schiedsrichter Zwayer unterbrach das Spiel in der vierten Minute. Es krachte und rauchte, und die Bremer Zuschauer unter dem HSV-Rang konnten sich nur äußerst unwohl fühlen. „Ihr seid kurz davor, eurer Mannschaft einen historischen Schaden zuzufügen“, sagte der verständnislose Stadionsprecher in Richtung Hamburger Anhänger – denn der Spielabbruch im Weserstadion stand unmittelbar bevor. Es war eine sehr ungemütliche Stimmung in der Arena, was nicht nur an den knackigen Temperaturen lag.

          Kurz vor der Pause krachte und knallte es wieder im HSV-Block; Feuerwerkskörper wurden in Richtung Spielfeld abgeschossen. Der besonnene Zwayer rief Spieler und Verantwortliche zu sich, sprach auch mit Jens Todt, dem Hamburger Sportchef, es lag tatsächlich der Abbruch in der Luft, und wer hätte das Zwayer verdenken können in Anbetracht anhaltender Idiotie der beteiligten HSV-Fans.

          Ohne Druck, Genauigkeit, Mut

          Die hatten die Worte ihres neuen Präsidenten Bernd Hoffmanns wohl zu ernst genommen, der auf der Mitgliederversammlung am vergangenen Sonntag angekündigt hatte, man werde „mit 5000 Hamburgern Bremen aufmischen“. Hoffmann hatte sich später für die missglückte Wortwahl entschuldigt, doch da war Gesagtes gesagt – gelinde gesagt unglücklich für einen Medienprofi wie Hoffmann. Deeskalation vor einem Hochrisikospiel wäre deutlich klüger gewesen.

          Am Boden: HSV-Spieler André Hahn nach dem Schlusspfiff Bilderstrecke
          Am Boden: HSV-Spieler André Hahn nach dem Schlusspfiff :

          Es ging dann doch weiter in einer um drei Nachspielminuten verlängerten ersten Halbzeit. In der hatte der HSV gut gestanden, Werder fast alles vermissen lassen, was es in den vergangenen Heimspielen ausgezeichnet hatte. Da fehlte es an Druck, Genauigkeit, Mut – die Hamburger hatten aber weder Qualität noch Cleverness, aus dieser schwachen Leistung Gewinn zu ziehen. Ein paar halbe Chancen durch Bakery Jatta und Andre Hahn, viel mehr war da nicht. Hamburg tat sich im Umschaltspiel nach Ballgewinn enorm schwer, weil entweder zu wenig Spieler aufrückten oder der falsche Pass gespielt wurde.

          So verpuffte die Feldüberlegenheit, und Werder kam von der 30. Minute an etwas besser ins Spiel; Moisander hatte zwei Minuten später eine ordentliche Schusschance, die Sakai einige Meter vor dem Tor klärte.

          Hollerbach versucht etwas

          Hollerbach vertraute seiner defensiven Grundordnung, hatte zudem Jatta aus der Regionalliga-Mannschaft für Arp gebracht. Auch Wood saß auf der Bank. Die dramatische Lage veranlasst den neuen Coach zu ungewöhnlichen Spielerwechseln – er muss ja etwas probieren, bei nur 17 Punkten. Viel wurde daraus nicht, wobei es Jatta gar nicht so schlecht machte. Es war eine erste Halbzeit voller Leerlauf und Unterbrechungen, was an beiden Mannschaften und den HSV-Fans lag.

          Nach der Pause hatte der ehemalige Bremer Aaron Hunt eine gute Kontermöglichkeit, sein Schuss strich über das Lattenkreuz, und zehn Minuten später ein weiterer nur knapp am Pfosten vorbei (50./60. Minute). Unterdessen ging die Böllerei im Hamburger Fanblock weiter. Der HSV versuchte es ausschließlich mit langen Bällen von hinten heraus. Spielerisch ging nur sehr wenig bei Hollerbachs Team zusammen. Allerdings war von Bremer Spielkultur auch nichts zu sehen, so sehr sich beispielsweise Max Kruse auch bemühte.

          Als alles auf schon ein 0:0 hinauslief, überquerte der Ball doch noch eine Torlinie. Nach einer Hereingabe von Aron Johannsonn gingen HSV-Verteidiger van Drongelen und Werder-Stürmer Belfodil auf der Torlinie gemeinsam zum Ball und der Hamburger lenkte den Ball letztlich zum glücklichen Werder-Sieg ins eigene Tor. Belfodil bewegte sich zuvor haarscharf an der Grenze zum Abseits. Der Video-Assistent in Köln hatte aber keine Einwände, sehr zum Ärger von HSV-Vorstandschef Heribert Bruchhagen. „Wenn man das nicht sieht, sagt das einiges über die Qualität der Leute aus, die in Köln sitzen“, schimpfte er. Schiedsrichter Felix Zwayer erwiderte, das Belfodil im Moment des Abspiels auf Höhe des Balles und somit nicht im Abseits gewesen sei. „Am Ende ist eine korrekte Entscheidung getroffen worden und das Tor ist korrekt erzielt worden“, sagte er. Etwas beruhigter sprach Bruchhagen anschließend von einer „Restchance“ für seinen Klub. Die muss der HSV wohl am kommenden Wochenende gegen den Tabellennachbarn Mainz 05 ergreifen, der sieben Zähler voraus auf dem Relegationsrang liegt.

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